Bundesliga Gegen Dortmund kann Hertha auch ohne Sieg gewinnen

Will  am  Sonnabend begeistern: Vedad Ibisevic

Foto: Matthias Kern / Bongarts/Getty Images

Will am Sonnabend begeistern: Vedad Ibisevic

Trainer Dardai will beim Heimspiel gegen Borussia Dortmund im wohl ausverkauften Olympiastadion vor allem die Berliner Fans begeistern.

Berlin.  Was sich im letzten Jahr verändert hat? Die Antwort servierte Pal Dardai mit einem breiten Grinsen. "Ich kann zum Mittag nicht mehr nach Hause gehen", sagte Herthas Cheftrainer, "ich habe hier ja ständig Termine mit Journalisten." Letzteres ist zwar eher die Ausnahme, zum Lunch weilt der Ungar aber tatsächlich auf dem Vereinsgelände. Am Donnerstag twitterte Dardai ein Foto von sich am Gulaschtopf. Bilderunterschrift: "Hartes Training, PK und Gulaschessen mit dem Team - @BVB, wir sind bereit!"

Heute ist Dardai ein Jahr im Amt. Und als hätten es die Ansetzungsplaner der Fußball-Bundesliga kommen sehen, empfängt Hertha als Tabellendritter am Sonnabend um halb vier Borussia Dortmund. Für Dardai ein Geschenk, denn gegen den BVB wird das Olympiastadion wohl zum ersten Mal in dieser Saison ausverkauft sein. Nur noch ein paar Restkarten sind zu haben.

"Endlich sind die Fans da!", freut sich der Trainer, der seit seinem Amtsantritt davon spricht, dass die Berliner wieder stolz auf ihre Hertha sein sollen. Anders wahrgenommen wird der Klub inzwischen sehr wohl – was neben dem ansehnlichen Fußball vor allem Dardais bodenständiger, authentischer Art geschuldet ist –, von einer Hertha-Euphorie zu sprechen, wäre jedoch übertrieben. In den bisherigen neun Heimspielen kamen 46.715 Zuschauer im Schnitt. Das ist ordentlich, lässt in einem Stadion, das 74.244 Zuschauer fasst, aber noch reichlich Platz nach oben.

Damit es richtig voll wird in Westend, muss schon ein großer Gegner wie Dortmund anreisen. Der wird medienwirksam als "der beste Tabellenzweite aller Zeiten" angepriesen und stellt den erfolgreichsten Angriff der Liga (52 Tore). Vom reflexartigen Griff zur Defensivtaktik will Dardai trotzdem nichts wissen. "Wenn so viele Leute kommen", sagt er, "wollen wir offensiv auftreten."

Der FC Ingolstadt als Vorbild für Hertha

Offensiv auftreten ist dabei vor allem als offensiv verteidigen zu verstehen. Dass darin ein probates Mittel liegen kann, bewies der FC Ingolstadt am vergangenen Wochenende. Da verlor der Aufsteiger nach strittigen Schiedsrichterentscheidungen zwar 0:2, setzte den BVB aber mit hohem Pressing früh unter Druck. Im Spielaufbau hatte die Borussia so ihre liebe Mühe. Ein Beispiel, dem Hertha folgen will.

Illusionen macht sich Dardai nicht. Anders als Dortmund sei Hertha noch kein Spitzenteam, doch in jedem Duell mit einem der "Großen" liege die Chance, etwas zu lernen. Er weiß: Einen Sieg erwartet niemand gegen Dortmund.

Erstmals seit dem 5. Dezember, seit dem überraschenden 2:1 gegen Leverkusen, schlüpfen die Berliner wieder in die Außenseiterrolle. Eine gute Gelegenheit, um die eigenen Grenzen auszuloten – und zwar ohne Abwehrbollwerk.

Er wolle niemanden beleidigen, sagt Dardai, aber in den letzten paar Jahren habe Hertha zu Hause nicht besonders attraktiv gespielt. Mittlerweile spiele sein Team jedoch nicht nur erfolgreich, sondern auch attraktiv. "Das versuchen wir jetzt auch vor so vielen Zuschauern. Wir wollen ja, dass sie in zwei Wochen wiederkommen." Aus Image-Sicht kann eine Niederlage mit fliegenden Fahnen mitunter wertvoller sein als ein dreckiger Sieg. "In diesem Jahr geht es um den Lerneffekt", sagt Dardai. "Wir spielen ohne großen Druck. Ein gutes Spiel reicht für mich gegen den BVB."

Hinter Genki Haraguchi steht noch ein Fragezeichen

Ob es für Genki Haraguchi zum Sprung ins Team reicht, ist derweil fraglich. Der Japaner prallte im Training mit Mitchell Weiser zusammen und zog sich eine leichte Schädelprellung zu. Ob er spielen kann, entscheidet sich heute im Abschlusstraining. Sollte er ausfallen, würde Weiser wohl aus der Viererkette nach vorn rücken. Auf der rechten Abwehrseite könnte dann der lange an der Schulter verletzte Peter Pekarik zu seinem Comeback kommen. Vedad Ibisevic, der am Mittwoch pausiert hatte, meldete sich am Donnerstag fit.

"Wir haben gegen Leverkusen gewonnen", sagt Herthas Marvin Plattenhardt, "warum soll jetzt nicht auch etwas möglich sein?" Sein Trainer äußerte sich nicht ganz so optimistisch. Wie sein Team spielen müsse, um gegen den BVB zu bestehen? Antwort Dardai: "Ohne Fehler." Auch dabei grinste er.

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