Sieg gegen Spanien

Ansage für die Zukunft: Deutschland gewinnt die Handball-EM

Deutschland wird sensationell Handball-Europameister und ist schon für Olympia qualifiziert. Ein Spieler wurde zum Matchwinner.

First placed players of Germany celebrate with trophy during a ceremony after their Men's European Handball Championship final match against Spain in Krakow, Poland, January 31, 2016. REUTERS/Kacper Pempel

First placed players of Germany celebrate with trophy during a ceremony after their Men's European Handball Championship final match against Spain in Krakow, Poland, January 31, 2016. REUTERS/Kacper Pempel

Foto: KACPER PEMPEL / REUTERS

Die Stimmen der deutschen Handballspieler dröhnten bereits durch die Gänge, bevor sie überhaupt zu sehen waren. "Yeah, wir haben Gold – trinkt was", brüllte Uwe Gensheimer. Dann kam er mit einer Lockenperücke in Schwarz-Rot-Gelb in die Mixed Zone gerannt.

Gensheimer? Moment mal, der hatte sich doch verletzt und gar nicht an der Europameisterschaft teilgenommen. Doch auch er hat seinen Teil zum ersten Titelgewinn der deutschen Handballer seit WM-Gold 2007 beigetragen, also bekam er auch eine Medaille. Assistenztrainer Alexander Haase kämpfte mit den Tränen, als er sagte: "Es war unglaublich schön, wieder zu sehen, dass jeder für jeden da ist in dieser Mannschaft." Auch Martin Strobel sah nachdenklich auf seine Medaille: "Das ist jetzt vielleicht der Lohn für jahrelange harte Arbeit."

Seit anderthalb Jahren arbeitet die Mannschaft mit Bundestrainer Dagur Sigurdsson zusammen. "Wir haben in dieser ganzen Zeit nicht viele Spiele verloren, aber in so einem Turnier musst du auch Glück haben und die richtige Welle erwischen", sagte er. Was am Sonntagabend auf dem Feld in der Tauron Arena geschah, war der Höhepunkt dieser Welle, die die deutsche Mannschaft durch das Turnier getragen hat. 24:17 (10:6) besiegte Deutschland den zweifachen Weltmeister Spanien und darf sich nun zum zweiten Mal nach 2004 Europameister nennen.

"Es ist natürlich ein überragendes Gefühl", sagte Sigurdsson, "wir haben ein tolles Team. Ich bin sehr stolz." DHB-Präsident Andreas Michelmann war derart begeistert, dass er mit der Schlussirene auf die Stühle an der Seitenlinie hüpfte und beinahe die gesamte Stuhlreihe umgeworfen hätte.

Unglaubliche deutsche Abwehrleistung

Für die einzige Niederlage gegen Spanien zum Auftakt revanchierte sich die junge Auswahl im Finale eindrucksvoll. Nachdem Kroatien sich gegen Norwegen die Bronzemedaille gesichert hatte (31:24) und damit wie Deutschland und Spanien für die WM 2017 qualifiziert ist, sahen die 14.000 Zuschauer in der Tauron Arena eine unglaubliche deutsche Abwehrleistung. Bereits nach acht Minuten musste Spaniens Trainer Manuel Fadenas die erste Auszeit nehmen. Seinem Team war bis dahin erst ein Treffer gelungen.

Finn Lemke verließ nickend und mit erhobenen Armen das Feld, sah schon fast siegessicher aus. Der neue deutsche Abwehrchef und seine Nebenmänner waren hervorragend eingestellt, verhinderten Anspiele auf den Kreisläufer Julen Aguinagalde, und jedes Mal, wenn Spanien versuchte, die Mauer der Deutschen über die linke oder rechte Seite zu überlisten, war Torhüter Andreas Wolff zur Stelle. "Als er den zweiten oder dritten Ball gehalten hat, wusste ich, dass das sein Spiel wird und ich nicht mehr spielen muss", sagte Carsten Lichtlein.

"Ich habe keine Worte für seine Leistung", sagte Gensheimer. Sechzehn Mal hielt Wolff am Ende und wurde als wertvollster Spieler ausgezeichnet. Sein Lehrmeister, der spanische Torhüter José Hombrados, muss zwischen Stolz und Reue geschwankt haben ob der Tatsache, dass Wolff seine Landsmänner derart auseinandernahm. "Wir haben alles versucht, aber auch alle guten Angriffe von uns hat Andi einfach gehalten", sagte Joan Canellas.

"Das war heute das wichtigste Spiel aller wichtigen Spiele", sagte Wolff. "Wir haben eine Euphorie in Deutschland entfacht, die hat auch uns überkommen." Während Kroatiens und Spaniens Mannschaften schon bei der Siegerehrung standen, duschten die deutschen Spieler noch in der Kabine – mit Champagner. "Endlich wieder Stoff", freute sich Rune Dahmke.

Torwart Wolff ist mit seinen Paraden der Mann des Spiels

"Das war es dann aber, wir werden um acht ins Bett gehen, wir müssen ja morgen früh raus", sagte Fabian Wiede augenzwinkernd. Am Montag geht es für ihn und seine Teamkollegen nach Berlin, dort spielt der 21-Jährige seit 2009 und hat bislang in jedem Jahr einen Titel geholt. "Ich weiß, dass ich in diesem Jahr mit den Füchsen keinen Titel mehr gewinnen kann, deshalb bin ich froh, dass ich jetzt mit der Nationalmannschaft einen habe, so kann ich die Quote halten."

Mit dem Titel hat Deutschland nicht nur eine starke Turnierleistung gekrönt, es hat sich auch für die Olympischen Spiele in Rio qualifiziert – zum ersten Mal seit 2008. Vor der EM hieß es noch, der DHB plane eine Bewerbung zur Austragung eines entsprechenden Qualifikations-Turniers. Das hat sich am Sonntagabend erledigt.

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