EM in Polen Deutsche Handballer schlagen Schweden 27:26

Deutschlands Handballer bejubeln einen hart erkämpften Sieg gegen Schweden

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Deutschlands Handballer bejubeln einen hart erkämpften Sieg gegen Schweden

Die deutschen Handballer stehen nach einem Krimi im zweiten Gruppenspiel gegen Schweden vor dem Einzug in die EM-Hauptrunde.

Andreas Wolff stand im Tor und trommelte sich mit den Fäusten auf seinen kräftigen Brustkorb. Der Nationaltorhüter hatte allen Grund, sich ein bisschen selbst zu feiern, denn mit seiner Leistung war er maßgeblich dafür verantwortlich, dass die deutschen Handballer den 107. Vergleich mit der schwedischen Mannschaft mit 27:26 (13:17) für sich entschieden. "Das war ein heißes Spiel. Riesenkompliment an die Jungs. Sie haben großartig gekämpft und Mut gezeigt", sagte Bundestrainer Dagur Sigurdsson.

Deutschland startete konfus in das so wichtige zweite Spiel der EM-Vorrunde. Beim Versuch, einen Gegenstoß zu unterbinden, rannten sich erst einmal Linksaußen Rune Dahmke und Kapitän Steffen Weinhold über den Haufen. Dabei war Weinhold durch den Kopftreffer, den ihm der Spanier Jorge Maqueda am Sonntag zugefügt hatte, ohnehin schon mit Zahnschaden und Gehirnerschütterung in die Partie gestartet.

Nach acht Minuten führte Schweden 7:4, auch weil Torhüter Carsten Lichtlein keinen Finger an den Ball bekam. Zwei Minuten später nahm Sigurdsson den einzig verbliebenen Vertreter der Weltmeistermannschaft von 2007 vom Feld und brachte Andreas Wolff. Dieser Wechsel sollte die wichtigste Entscheidung des Bundestrainers in dieser Partie werden.

Wie schon gegen Spanien sorgte der 24-jährige Wolff mit einigen starken Paraden für einen Aufschwung (10:10/18.). Allerdings entwickelte sich der Rest der ersten Hälfte dann auch wie im Spiel gegen die Iberer: Durch schwache Abschlüsse und technische Fehler sorgte das Team für Gegenstöße der Schweden und fabrizierte durch einen Wechselfehler Strafminuten für sich selbst. Zudem schien die Abwehr für die schwedische Offensive kein wirkliches Hindernis darzustellen. So sah sich das deutsche Team wieder damit konfrontiert, in der zweiten Hälfte einen Rückstand aufholen zu müssen (13:17).

Schon machte sich der Gedanke breit, dass es vielleicht Absicht war, dass der deutsche Verband am Montag bereits den nächsten Auftritt der Nationalmannschaft beworben hatte. Am 13. März findet in Berlin ein Länderspiel gegen den WM-Zweiten, Asienmeister und Olympiateilnehmer Katar in der Berliner Max-Schmeling-Halle statt. In diesem Rahmen wollen die Füchse Berlin ihren langjährigen Vereinstrainer Sigurdsson offiziell verabschieden. Sollten sie sich etwa auch von der EM vorzeitig verabschieden?

Die mehr als 1000 deutschen Anhänger, die sich in mit schwarz-rot-goldenen Flaggen und Plüschhüten in der Halle eingefunden hatten, interessierte diese Frage herzlich wenig. "Jetzt geht's los", brüllten sie – und die deutschen Handballer gehorchten. Vielleicht hatten sie sich auch daran erinnert, dass Schweden schon gegen Slowenien nur die erste Hälfte stark gespielt hatte, jedenfalls starteten sie angeführt vom überragenden Wolff und einer nun zupackenden Abwehr um Finn Lemke und Hendrik Pekeler die Aufholjagd. "Meine Co-Trainer haben mir in der Halbzeit gesagt, dass wir offensiver sein sollen", so der Bundestrainer, dessen Mannschaft nun stark nach vorn spielte.

Mehr Aggressivität nach der Pause bringt die Wende

Elf Minuten später gingen sie zum ersten Mal in Führung (21:20/ 41.), um den Vorsprung nach drei weiteren Paraden Wolffs auf 24:20 auszubauen. Sigurdssons Team wirkte wie ausgewechselt, ging nun in allen Aktionen viel entschlossener zu Werke und ließ den Schweden fortan keine Chance mehr. "Was man in solchen Spielen braucht, sind Emotionen. Ich habe versucht, Signale von hinten zu senden, aggressiver zu werden", so Wolff. Fünf Minuten vor Schluss machte sich dann aber noch einmal Nervosität breit, Christian Dissinger kassierte die Rote Karte, auch Rune Dahmke wurde vom Feld gestellt. Wolff aber blieb ruhig.

Eine Aufgabe hat die Mannschaft von Sigurdsson noch vor sich. Sie sollte am Mittwoch gegen Slowenien gewinnen (17.05 Uhr, ZDF), um für das Erreichen der Hauptrunde nicht vom Ergebnis zwischen Spanien und Schweden abhängig zu sein. Die Slowenen hatten Spanien überraschend ein Remis abgerungen (24:24). Leichter werden die Aufgaben also nicht.

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