Schach

US-Behörde sanktioniert den russischen Schach-Präsidenten

Kirsan Iljumschinow soll Ölgeschäfte mit dem IS abgewickelt haben. Zuletzt war der Russe sogar als Blatter-Nachfolger im Gespräch.

Der Präsident des Schach-Weltverbandes, Kirsan Iljumschinow (r.), gratulierte im Oktober in Berlin dem Großmeister Alexander Grischuk zu seinem Sieg bei der Weltmeisterschaft im Blitzschach

Der Präsident des Schach-Weltverbandes, Kirsan Iljumschinow (r.), gratulierte im Oktober in Berlin dem Großmeister Alexander Grischuk zu seinem Sieg bei der Weltmeisterschaft im Blitzschach

Foto: Gregor Fischer / picture alliance / dpa

Dieser Tage wollte Kirsan Iljumschinow die USA besuchen. Dort soll Schachweltmeister Magnus Carlsen im November 2016 seinen Titel verteidigen. Der Präsident des Weltschachbunds (Fide) wollte mögliche Austragungsorte besichtigen und Organisatoren treffen. Doch das US-Finanzministerium hat den 53-jährigen Russen auf seine Sanktionsliste gesetzt. Amerikanische Konten der von Iljumschinow kontrollierten RFA Bank sind eingefroren. US-Bürgern sind Geschäfte mit dem Sportfunktionär untersagt.

Die US-Behörden werfen Iljumschinow vor, im Auftrag von Bashar al-Assad und der syrischen Zentralbank Ölgeschäfte mit dem Terrornetzwerk "Islamischer Staat" abgewickelt zu haben. Iljumschinow bestreitet das. Wahrscheinlich seien seine Spenden von Tausenden Schachsets und Kinderschachbüchern mit illegalen Geschäften verwechselt worden, zog er das Vorgehen des US-Behörden ins Lächerliche. Und fügte hinzu, dass von ihm eingeweihte Schachklubs in Damaskus und Aleppo von den Rebellen zerstört worden seien. Die Feinde des Diktators sind also auch die Feinde des Schachs. Willkommen in der Welt des Mannes, der seit 20 Jahren die Geschicke des Schachs bestimmt.

Iljumschinow machte aus der armen Provinz Kalmückien ein Steuerparadies

Sein Vermögen verdiente er zunächst, indem er aus Russlands armer, von ihm zwischen 1993 und 2010 regierten Provinz Kalmückien ein Steuerparadies machte. Inzwischen hält er Anteile an der RFA Bank und am Chemiekonzern Togliattiazot. Schon kurz nach Amtsantritt bei der Fide sorgte er für Entsetzen, als er Saddam Hussein besuchte und die Schach-WM 1996 nach Bagdad vergab. Bagdad konnten die Schachfunktionäre noch verhindern. 2000 ermittelte die Fide ihren Weltmeister dann aber im Iran, und 2004 war Tripolis WM-Ausrichter und Muammar al-Gadaffi ihr Finanzier. Im April 2012 besuchte der windige Sportfunktionär dann Assad in Damaskus. Obwohl längst der Krieg tobte, faselte Iljumschinow dort von Kinderturnieren und einem Treffen der Friedensnobelpreisträger.

Ob er sich im Westen lächerlich macht, ist dem Russen egal, zuletzt ließ er sich sogar als Nachfolger von Sepp Blatter in der Fifa ins Gespräch bringen. So brüstet er sich immer wieder mit den Millionen, die er aus seinem Vermögen ins Schach gesteckt habe. Das Schachvolk fütterte er offenbar von Anfang an mit Kaviardosen und Armbanduhren an. Ein System aus Gefälligkeiten und Abhängigkeiten besorgt ihm alle vier Jahre eine stabile Zwei-Drittel-Mehrheit. Viele Funktionäre danken ihm ewig seinen größten Coup: die Anerkennung der Fide durch das IOC, die vielen Schachverbänden zu Staatssubventionen verhalf. Der Deutsche Schachbund hat seine Distanz zu Iljumschinow zuletzt aufgegeben und hofierte ihn im Oktober bei den Weltmeisterschaften im Schnell- und Blitzschach in Berlin.

Zu den US-Sanktionen gegen sich verkündete er nun im russischen Fernsehen einen Plan: Die geplante US-Reise will er bald nachholen und auch nach Washington reisen. Sein Assistent soll ihm einen Termin im US-Finanzministerium besorgen.

Zur Startseite