Im Spiel bei Hertha
Respektlos? Bayerns "Schnick Schnack Schnuck"
Beim Stand von 3:0 einigten sich Toni Kroos und Franck Ribery wie kleine Kinder, wer den Freistoß schießt. Infantil? Vielleicht. Aber respektlos ist anders.
Das Phänomen trägt viele Namen. "Schnick Schnack Schnuck" sagen die einen. "Sching Schang Schong" die anderen. Oder Schere, Stein, Papier. Der Inhalt des kleinen Spielchens ist immer gleich: Zwei Spieler machen auf drei mit den Händen eines der drei Symbole.
Wer hat Anstoß auf dem Bolzplatz?
Faust bedeutet Stein, flache Hand ist Papier, die ausgestreckten Zeige- und Mittelfinger sind Schere. Der Stein schlägt die Schere (weil er sie stumpf macht), die Schere schlägt das Papier (weil sie es schneidet), das Papier schlägt den Stein (weil es ihn einwickelt). Seit Generationen wird so gewählt, wer auf dem Bolzplatz Anstoß hat, wer das letzte Gummibärchen bekommt oder im Auto vorne sitzen darf.
Auch die Spieler des FC Bayern lösen offenbar so ihre Mikrokonflikte. Als sich im Spiel bei Hertha BSC Franck Ribery und Toni Kroos um die Ausführung eines Freistoßes bewarben, lösten sie das Problem nach alter Kinderart. Ribery machte Papier, Kroos den Stein, Ribery wickelte also Kroos' Stein ein und schnappte sich den Ball. Dass der Freistoß in die Mauer ging, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.
Viel wichtiger schien so manchem Beobachter anschließend die Frage zu sein: Dürfen die das? Ist es nicht respektlos, zumal es in jener 26. Minute schon 3:0 für den FC Bayern stand? Nach dem Spiel fragte sogar ein TV-Reporter bei Ribery nach. Der guckte erstaunt und antwortete: "Das sollte doch keine Respektlosigkeit sein." War es ja auch nicht. Was für ein Unsinn, was für eine Pseudo-Diskussion.
Respektlos ist es, wenn Paulo Guerrero die Gesundheit seines Gegenspielers Sven Ulreich nachhaltig gefährdet, indem er ihm mit Anlauf in die Kniekehle tritt .
Respektlos ist es, wenn auf den Tribünen mit Bengalischem Feuer geworfen wird wie in Rostock.
Respektlos ist es, wenn sich Mannschaften wie Hertha BSC oder der Hamburger SV im Abstiegskampf wehrlos ihren Gegnern ergeben – und das vor heimischem Publikum.
Was Ribery und Kroos taten, war ein kleines Spielchen unter großen Jungs. Nicht weniger – und vor allem nicht mehr.















