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13.02.12

Beckenbauer-Kritik

Auch Star Robben darf sich mal eine Krise leisten

Franz Beckenbauer bezeichnet Arjen Robben als "Egoisten" und moniert dessen Verhalten beim Torjubel. Doch das ist nicht der Kern des Problems.

REUTERS

Bayern München - 1. FC Kaiserslautern 2:0 (2:0)
Auch gegen die Pfälzer saß Arjen Robben beim Anpfiff nur auf der Bank.

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Drehen wir die Zeit zwei Jahre zurück und blicken nach München. Damals stand es um den dort heimischen Rekordmeister ähnlich bescheiden wie jetzt. Als Tabellendritter war der FC Bayern in die Winterpause gegangen, und Klubs wie Bayer Leverkusen oder Schalke 04 tanzten den Münchnern auf der Nase herum.

Bis ein Mann den Taktstock ergriff und das Bayern-Orchester die Misstöne austrieb. Am 23. Januar 2010 zirkelte Arjen Robben einen Wahnsinnsfreistoß zum 3:2-Sieg gegen Werder Bremen in den linken Torwinkel. Eine Woche später traf Robben, den die Bayern im Sommer 2009 von Real Madrid geholt hatten, gegen den 1. FSV Mainz.

"Feierbiest" van Gaal und Überfigur Robben

Und als sein Klub im Viertelfinale der Champions League gegen Manchester United schon fast draußen war, nahm er an der Strafraumgrenze eine Ecke volley und erzielte das entscheidende Tor. Bayern wurde Meister, Pokalsieger und kam in der Königsklasse bis ins Endspiel. Damals wurde das "Feierbiest" Louis van Gaal geboren – und die Überfigur Arjen Robben.

Zwei Jahre später hören wir Franz Beckenbauer, der an dieser Stelle nicht näher vorgestellt werden soll. "Die Anerkennung hat er teilweise verspielt. Er ist ein Egoist wie viele andere auch. Allein die Reaktion, wenn er mal eine gute Szene hat oder ein Tor schießt: Er rennt er nicht zu dem, der ihm die Vorlage gegeben hat, wie das höflichkeitshalber normalerweise der Fall sein sollte, sondern zu seinen Familienmitgliedern auf die Tribüne und grüßt die und so weiter. So lässt er die Mannschaft hinter sich her laufen", dröhnte der "Kaiser" bei Sky und meinte – wir ahnen es – Arjen Robben.

Beckenbauer ist zwar "nur" noch Ehrenpräsident des FC Bayern, aber sein Wort zieht noch immer wie Donnergrollen über die Stadt. Und wenn der größte Bayer aller Zeiten über den besten Bayer der vergangenen Jahre so herzieht, sollte der Empfänger besser die Ohren anlegen.

Ist die Robben-Schelte berechtigt?

Nun ist es außerhalb Münchens durchaus legitim, auch die Worte eines Franz Beckenbauers zu hinterfragen. Also: Ist die Robben-Schelte gerechtfertigt? Und geht es hier wirklich um das Jubelgebaren des Niederländers? Ja und nein. Berechtigt ist die Kritik, aber es geht hier nicht um das Verhalten nach Torerfolgen.

Robben ist außer Form. Und Trainer Jupp Heynckes hat das erkannt. Im DFB-Pokalspiel gegen den VfB Stuttgart saß der Offensivspieler 90 Minuten auf der Bank, im Bundesliga-Spiel gegen Kaiserslautern wurde er erst nach einer Stunde eingewechselt.

Beide Spiele gewann der FC Bayern mit einer Souveränität, die ihm vorher abging. In beiden Spielen rückte Thomas Müller aus der ungeliebten Spielmacherposition auf die rechte (Robben-)Seite, Toni Kroos übernahm die Zentrale. Dass Müller gegen die Lauterer seine Torflaute beendete, die seit dem siebten Spieltag Bestand hatte, wirkte wie ein Ausrufezeichen hinter Heynckes’ Entscheidung, das Team umzubauen.

Nun darf sich auch ein Superstar wie Arjen Robben mal eine Krise leisten. In diesen Fällen stellt sich stets die Frage, wie derjenige mit der Situation umgeht. Ist er beleidigt, weil er die Degradierung zum Einwechselspieler als Demütigung ansieht? Oder nimmt er sie als Ansporn, um es allen zu zeigen? Diese Frage wird Robben in den nächsten Wochen beantworten müssen, und die Antwort wird entscheiden, ob er beim FC Bayern weiterhin eine Zukunft haben wird.

Und da Franz Beckenbauer bekanntlich auf fast alles eine Antwort hat, sei abschließend noch einmal der "Kaiser" zitiert: "Robben wird wieder seine Form finden. Er braucht wieder ein Erfolgserlebnis. Wenn er wieder im Vollbesitz seiner Kräfte ist, dann hat er keinen Konkurrenten, auch einen Thomas Müller nicht." Amen!

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