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13.02.12

Tom Hilde

"Stürze sind populär, deshalb brauchen wir sie"

Der Norweger Tom Hilde brach sich bei der Vierschanzentournee einen Rückenwirbel. Morgenpost Online sprach mit dem Skispringer über seinen Sturz und seine Ängste.

dapd/DAPD

Beim Autaktspringen der Vierschanzentournee am Freitag in Oberstdorf ...

9 Bilder

Am späten Freitagabend kam der erlösende Anruf für Tom Hilde : Die norwegischen Trainer vertrauen auf seine Stärke. Der 24-Jährige darf seine Sachen packen und fliegt am Montag nach Klingenthal. Anfang der vergangenen Woche hatte Hilde den ersten Trainingssprung nach seinem spektakulären Sturz am 30. Dezember 2011 in Oberstdorf absolviert. In Klingenthal will er am Dienstag (Qualifikation) und Mittwoch nun den Weltcup wieder aufmischen.

Morgenpost Online: Sie sahen ziemlich ramponiert aus nach Ihrem Sturz. Was sehen Sie, wenn Sie jetzt in den Spiegel blicken?

Tom Hilde: Da sind immer noch ein paar Spuren des Sturzes um mein Auge herum und auf der Nase, sie sind aber nicht der Rede wert. Ich denke, ich sehe recht normal aus. Und optimistisch – das war ich die ganze Zeit.

Morgenpost Online: Wie nervös waren Sie bei Ihrem ersten Sprung vor ein paar Tagen?

Hilde: Ich hatte mich tierisch darauf gefreut! 40 Tage ohne Skispringen – und das auch noch mitten im Winter – ist extrem langweilig. Ich war natürlich nervös, aber vor allem wegen der Frage: Auf welchem Level springe ich? Ich war mir zwar sicher, dass der Sturz mental keine Spuren hinterlassen hatte, aber genau konnte ich das vorher nicht wissen – aber alles lief gut. Ich bin zufrieden und war nach dem Sprung extrem glücklich.

Morgenpost Online: Nach so einem Unfall ist es aber doch sicher nicht einfach, wieder zu springen. Hatten Sie kein bisschen Angst?

Hilde: Nein, ich habe niemals Angst. Skispringen bringt einfach viel zu viel Spaß, um Angst zu haben. Und das Leben ist auch zu kurz, um Angst zu haben. Es war verdammt hart, anderen lediglich beim Springen zuzusehen. Ich wollte einfach nur zurück auf die Schanze.

Morgenpost Online: Muss es neue Regeln geben, um das Skispringen sicherer zu machen?

Hilde: Nein, es sollte genau so bleiben, wie es ist. Wenn, dann sollte der Verband die Regeln lockern, denn Stürze sind nun mal populär, und Skispringen ist gefährlich, also muss das Risiko ein Teil unseres Sports bleiben, damit die Zuschauer weiterhin interessiert sind. Wenn du bei YouTube nachschaust, wie viele Leute sich meinen Sprung aus Oberstdorf angesehen haben im Vergleich zu Gregor Schlierenzauers Sprung, siehst du, wie populär Stürze sind. Und deshalb brauchen wir sie.

Morgenpost Online: Meinen Sie das wirklich ernst?

Hilde: Ja, Skispringen braucht Stürze. Es muss gefährlich sein, um die Leute dabei zu halten. Sie sehen sich Skispringen an, weil es Spaß bringt und ein bisschen gefährlich ist – so sollte es bleiben.

Morgenpost Online: Sie sagten vorhin, Sie hätten keine Angst. Irgendetwas muss es doch aber auch bei Ihnen geben.

Hilde: Ehrlich gesagt, bin ich ein recht ängstlicher Mensch. Wenn ich beim Skifahren neue Tricks probiere, einen Salto zum Beispiel, habe ich wirklich Schiss. Ich versuche aber, mich darüber hinwegzusetzen, um mich zu verbessern. Außerdem hast du weniger Angst, wenn du sagst: Ich habe keine Angst vor nichts.

Morgenpost Online: Das werden Sie sich sicher auch beim ersten Weltcup nach der Pause sagen. Was ist Ihr Ziel?

Hilde: Ich möchte mich innerhalb unseres Teams für die Skiflugweltmeisterschaften in Vikersund qualifizieren.

Morgenpost Online: Viel Zeit bleibt Ihnen da nicht mehr. Die Weltmeisterschaften in Norwegen beginnen am 23. Februar.

Hilde: Stimmt zwar, aber ich habe schon kurz nach dem Sturz angefangen, die Wochen bis zur WM zu zählen, weil ich mir sicher war: Wenn ich die Zeit nutze und auf die Ärzte höre, kann ich es schaffen. Die anderen Jungs in Norwegen sind derzeit ziemlich gut drauf, ich muss also auf einem ziemlich hohen Niveau springen, wenn ich zurückkomme.

Morgenpost Online: Und Sie glauben, das ist möglich?

Hilde: Wie gut ich wirklich bin, weiß ich endgültig erst nach dem ersten Wettkampf. Ich fühle mich aber körperlich und mental nicht nur bereit, sondern auch in der Lage, auf einem hohen Niveau zu springen. Ich glaube daran, in Vikersund vorne mit dabei zu sein.

Morgenpost Online: Eine mutige Ansage. Mit Ihrem Optimismus überraschten Sie auch einen Tag nach dem Sturz, als Sie zwar verletzt, aber scherzend und gut gelaunt wieder auftauchten.

Hilde: Optimismus ist meine einzige Chance. Keine Ahnung, wie das möglich ist, aber wäre ich pessimistisch und traurig, hätte die Genesungszeit mit Sicherheit länger gedauert. Ich hatte schon nach einer Woche kaum noch Probleme. Ich kann jetzt wieder alles machen, ohne vorsichtig sein zu müssen. Mir tut auch nichts weh – es ging wirklich überraschend schnell. Ich glaube, es war für alle, die den Sturz ansehen mussten, schlimmer als für mich.

Morgenpost Online: Woher kommt Ihr Optimismus – sind Sie einfach eine Frohnatur?

Hilde: Ich sehe die Dinge immer positiv – genau so sollte man das Leben doch auch angehen. Und ich habe ein wirklich tolles Leben, in dem ich das machen kann, was ich liebe – Skispringen. Zurzeit ist es sehr einfach, ich selbst zu sein. Ich versuche, das Leben zu genießen, denn es werden sicherlich auch harte Zeiten kommen, wenn ich älter bin.

Morgenpost Online: Und wohin wollen Sie vorher noch springen?

Hilde: Mein großer Traum ist es, ein Star zu werden. Einer, der immer vorne mitkämpft – ganz so, wie es Gregor Schlierenzauer und Thomas Morgenstern gelingt oder früher Janne Ahonen.

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