Auszeit
Ein Plädoyer für mehr Mut zur Hässlichkeit
Attraktivität ist zwar nett, aber manchmal dürfen es auch Tennissocken in Sandalen sein. Denn ohne Horst und Inge können Brangelina nicht glänzen.
Von Jens Hungermann
Ein junger Mann an der Supermarktkasse, er legt seine Einkäufe aufs Band: eine Zahnbürste, eine Tüte Milch, einen Apfel, eine Pizza. Die Kassiererin blickt ihn mitleidig an. "Wohl Single, hm?", fragt sie. Darauf der junge Mann erfreut: "Ja, stimmt. Haben sie das anhand meiner Einkäufe erkannt?" "Nee. Sie sind so hässlich."
Zugegeben, ein fieser Witz. Aber wenn jeder Mensch gleich schön wäre, wie würde der Plädoyer für meinzelne sich dann von anderen abgrenzen um sich selbst aufzuwerten? Wer würde sich noch nach Brad Pitt oder Angelina Jolie umdrehen? Letztlich ist es doch so, wie es der Krefelder Design-Professor Erik Schmid zusammenfasst: "Hässlichkeit ist die Grundbedingung, um Schönheit zu verstehen." Ein Plädoyer für mehr Hässlichkeit.
Für Schönheit gibt's im Fußball keine Punkte
Wackeldackel auf der Hutablage im Auto? Her damit! Weiße Tennissocken in Wildledersandalen? Aber sicher! Pinke Plastikblumen in Seramis auf dem Couchtisch? Herrlich. Außerdem: Mit Hässlichkeit lässt sich sogar Geld verdienen. Auf einem Volksfest in Petaluma/Kalifornien zum Beispiel wird jährlich der hässlichste Hund der Welt gewählt, und nicht wenige sehen aus wie Brüder von E.T. Oder denken wir an das Buch "Der Abreiseführer – 88 Städte, die Sie unbedingt verlassen sollten" des Kölner Journalisten Martin Nusch. Es muss eben nicht immer Gendarmenmarkt und Englischer Garten sein.
Nun hat auch Stefan Kuntz, Kaiserlauterns Klubchef, von den Spielern mehr Mut zur Hässlichkeit gefordert: "Kampf, Herzblut, Leidenschaft und Einsatz sind die Schlagworte für diese Woche. Alles andere spielt keine Rolle, auch wenn das Ergebnis nicht stimmen sollte." Nur eines würde auch Kuntz wohl schön finden: zur Abwechslung ein paar Tore.
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