Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
12.02.12

Tennis

Haas-Attacke – Zoff im deutschen Davis-Cup-Team

Nach den Vorwürfen von Tommy Haas an den kranken Philipp Kohlschreiber brodelt es heftig im deutschen Davis-Cup-Team. Sogar Boris Becker ist alarmiert.

© dpa/DPA
Davis Cup Deutschland - Argentinien

Der Teamgeist ist erschüttert - und Boris Becker tief besorgt: Die deutsche Davis-Cup-Mannschaft hat bei der Erstrundenpleite in der "Frankenhölle" gegen Argentinien in doppelter Hinsicht ihr blaues Wunder erlebt. Vor allen Dingen Tommy Haas gab sich nach seinem missglückten Comeback in Bamberg als schlechter Verlierer, brach den Ehrenkodex und attackierte den kranken Philipp Kohlschreiber öffentlich.

Ehrengast Boris Becker befürchtet wegen des Zoffs sogar ein nachhaltiges Erdbeben, sprang Haas aber zur Seite: "Das wird so nicht spurlos vorübergehen. Der Teamchef wird sich darüber Gedanken machen", sagte Becker bei bild.de über das "nicht gerade mannschaftsförderliche" Verhalten des untergetauchten Kohlschreiber.

Teamchef Kühnen ist untröstlich

Während der neue DTB-Präsident Karl Altenburg ein "enttäuschendes sportliches Fazit" zog, war auch Teamkapitän Patrik Kühnen nach dem klar verpassten Viertelfinale untröstlich. "Es ist bitter, dass wir schon vor dem abschließenden Tag nicht mehr im Rennen waren. Es ist schwer zu verkraften, dass wir ein Match wie das Doppel nicht gewonnen haben", sagte Kühnen nach der entscheidenden 6:3, 6:4, 4:6, 3:6, 4:6-Niederlage von Haas und Philipp Petzschner gegen David Nalbandian/Eduardo Schwank.

Da passte es ins Bild des verkorksten Wochenendes, dass Haas nach seinem wieder einmal geplatzten Kindheitstraum vom Davis-Cup-Sieg Kohlschreiber öffentlich bloßstellte - und so zusätzlich Unruhe stiftete. "Für mich nicht verständlich, dass er nicht hier war. Es ist sehr schade, dass Philipp nicht mal vorbeigekommen ist", kritisierte Haas den wegen eines Magen-Darm-Infekts ausgefallenen Kohlschreiber in der Pressekonferenz.

Verständnis für die Haas-Schelte

Der Weltranglisten-31. hatte sich bei Kühnen am vergangenen Mittwoch abgemeldet - und sich dann nicht mehr gerührt. Kein Anruf, keine SMS. "Er sagte mir, er sei zu schwach, um gegen Argentinien spielen zu können. Seitdem hatte ich keinen Kontakt mehr zu Philipp", erklärte Kühnen und zeigte Verständnis für die Haas-Schelte: "Ich weiß nicht, wie es Philipp geht. Aber wir hätten uns alle gewünscht, wenn er uns wenigstens für einen Tag unterstützt hätte."

Ausgerechnet an Kühnens 46. Geburtstag konnte das deutsche Gespann Petzschner/Haas einen 2:0-Satzvorsprung nicht nutzen und besiegelte mit der Fünfsatz-Niederlage das 0:3 und damit das vorzeitige Aus bereits am Samstag. "Das tut weh. Ich hatte mir mehr ausgerechnet und so vor mich hingeträumt, dass wir Bamberg als Sieger verlassen", sagte Haas, der nach viereinhalbjähriger Davis-Cup-Abstinenz ein verpatztes Comeback erlebte.

In den ersten Einzeln chancenlos

Petzschner und die deutsche Nummer eins Florian Mayer hatten bereits in den ersten Einzeln auf verlorenem Posten gestanden. Während sich US-Open-Doppelsieger Petzschner nach dem 3:6, 3:6, 3:6 gegen Juan Monaco die "Schulnote mangelhaft" gab, wirkte Mayer beim 6:2, 0:6, 1:6, 6:7 (5:7) gegen den wie entfesselt aufspielenden Nalbandian hilflos. Mayer kassierte rund 50 Kilometer von seinem Wohnort Bayreuth entfernt am Sonntag gegen Juan Ignacio Chela (5:7, 5:7) die vierte Davis-Cup-Einzelpleite in Serie.

Statt eines Heimspiels im Viertelfinale samt wichtiger Einnahmen wartet nun die Play-off-Runde um den Klassenerhalt (14. bis 16. September). Ein Abstieg wäre ein weiterer Rückschlag, das weiß auch DTB-Boss Altenburg, der eine "Marke aufbauen" und Geldgeber aus der Industrie gewinnen will. "Und dazu brauchen wir Erfolge", sagte Altenburg.

Den Grund für die glatte Niederlage sah Kühnen, der laut DTB-Vizepräsident Carl-Uwe Steeb mit einer Verlängerung seines Ende 2012 auslaufenden Vertrages rechnen darf, in der um "einen Tick" besseren Qualität der Argentinier. Dass er sich überraschend für Sand als Belag entschieden hatte, wollte der Teamchef auch im Nachhinein nicht als Nachteil ansehen.

Und auch das wohl aus der Not geborene Experiment, die Partie mangels Angeboten live im Internet statt im TV übertragen zu lassen, bewertete Altenburg positiv. "Wir wollten einen neuen Weg gehen. Selbst beim Fußball wird das ja überlegt", sagte der DTB-Präsident.

Quelle: sid/jr
Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
Wendig: Dieses autonome Auto deutscher Forscher ("EO") parkt selbsttätig ein und dreht dabei seine Räder um 90 Grad
Die Geisterautos sind da

Diese Autos kommen ohne Fahrer aus

Video Nachrichten mehr
Assad-Regime Opferzahl nach Angriffen in Syrien steigt
Mitte Polizei sucht mit Bildern nach Angreifer vom Alex
Ausflugswetter Viel Sonne versüßt Deutschen das Pfingstfest
Käufersuche Eine Woche Galgenfrist für Schlecker
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Blücherplatz

Karneval der Kulturen mit Straßenfest eröffnet

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

DFB-Bundesgericht

Hertha kämpft gegen Sturz in die Zweite Liga

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote