Ex-Coach
Babbel will Hertha-Tattoo trotz neuem Job behalten
Nach dem Aufstieg ließ sich Ex-Trainer Markus Babbel ein Tattoo mit der Fahne von Hertha BSC stechen. Im Dezember 20111 wurde er in Berlin entlassen. Trotz seiner neuen Aufgabe bei 1899 Hoffenheim bleiben die Blau-Weißen auf seiner Haut.
Als Liebe in seinem Herzen trägt Markus Babbel den Fußballklub Hertha BSC vielleicht nicht mehr. Ein Teil von ihm ist der Bundesligist trotzdem noch. Und er wird es auch bleiben, egal wo er gerade angeheuert hat. Das sagte er am Freitag in Hoffenheim. Der Klub, der sich gerade von Trainer Holger Stanislawski getrennt hat, übergibt das Amt nun an Babbel. Als er vorgestellt wurde, wollte ein Journalist von dem 39-Jährigen wissen, ob er sein Hertha-Tattoo noch trägt. "Natürlich, da kommt kein Balken drüber. Das bleibt", sagte Babbel.
Kleines Andenken aus dem Sommer
Vergangenen Sommer hatte sich der gebürtige Münchner das Andenken in den Arm stechen lassen. Nachdem er Hertha von der Zweiten Liga zurück ins Oberhaus geführt hatte. Da sah er noch eine Perspektive für sich und Hertha. Nach einer endlosen Debatte um die Verlängerung seines Vertrages und dem Vorwurf, seine Vorgesetzten würden nicht die Wahrheit sagen, zog Hertha die Reißleine. Am 18. Dezember erfolgte die Trennung, "weil eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht mehr möglich ist."
Nun also Hoffenheim. Dort deutete Babbel bei seiner Vorstellung vor der Partie heute in Bremen an, dass er vorhat, seinen Weg zu gehen, ohne große Rücksicht auf Befindlichkeiten zu nehmen. "Ich will erfolgreich arbeiten. Was ich dabei für ein Image habe, ist mir absolut wurscht", sagte Babbel. Sympathien etwa bei den Fans in Hoffenheim, die hinter Stanislawski standen und dessen Absetzung kritisiert wurde, sind für Babbel kein relevantes Thema. Er ist jemand, der gern polarisiert, der sich selber mal eine Baustelle aufmacht. Aus Berlin sind eine Reihe von Aussagen überliefert, mit denen der Ex-Trainer oft verständnislose Gesichter zurücklassen hatte.
Sein Vertrag in Hoffenheim ist bis Juni 2014 datiert. Zumindest versuchte er, sich dem starken Mann des Vereins, Mäzen Dietmar Hopp, zu nähern. Hintergrund: Zwischen Vorgänger Stanislawski und Hopp galt das Verhältnis schon länger als schwierig. Es heißt, dass Manager Ernst Tanner die Entlassung von Stanislawski forciert habe. Babbel – er bringt Co-Trainer Rainer Widmayer mit, der kurz nach der Demission seines Chefs eine weitere Arbeit bei Hertha abgelehnt hatte – bot nun Kooperation an. "Ich finde es auch absolut legitim, wenn er (gemeint ist Hopp/Anm.d.Red.) sich zu sportlichen Dingen äußert. Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn wir einen regelmäßigen Austausch hinkriegen", so Babbel. Er bekleidet in Hoffenheim nach dem VfB Stuttgart und eben Hertha seinen dritten Cheftrainerposten in der Bundesliga.
Man darf gespannt sein, wie das in Hoffenheim mit Babbel und Hopp funktioniert. In Berlin bekam der Ex-Trainer viel Vertrauen von Manager Michael Preetz und Präsident Werner Gegenbauer. Nach dem schmutzigen Babbel-Abgang fanden die Verantwortlichen, dass ihnen das Vertrauen schlecht gedankt worden sei. Babbel wiederum hatte eine genau entgegengesetzte Sicht auf die Dinge und fühlte sich ausgenutzt.
Viel Unruhe im Klub
In einem ruhigen Umfeld erfolgt der Neustart von Babbel nicht. Jeder ist mit jedem unzufrieden in Hoffenheim, auch Manager Tanner bekam sein Fett weg von Hopp. Die Fans sehen alles den Bach runtergehen. Die Mannschaft wirkt verunsichert und verlor am Mittwoch im Pokal 0:1 gegen den Zweitligisten Greuther Fürth. "Es ist ein negativer Trend da, den gilt es zu stoppen. Die Spieler haben unheimlich viel Qualität, sind alle hervorragende Fußballer", sagte Babbel, der bereits vor dem Pokalauftritt erstmals von der TSG kontaktiert worden ist. "Wichtig ist, erst mal wieder Erfolgserlebnisse zu haben." Dazu müssten alle "an einem Strick" ziehen. Er meinte sicher Strang, aber aus diesem Versprecher wird ihm wohl niemand einen Strick drehen. Langfristig will er mit seinem Team "den dynamischen und offensiv ausgerichteten" Fußball spielen, für den der Verein auch stehen wolle. Das wird Klubchef Hopp freuen.
Der meldete sich mit einer Erklärung zu Wort: "Ich hoffe, dass der neue Trainer das Ruder wieder herumreißen kann und die Köpfe der Spieler frei kriegt, damit die TSG in ein ruhigeres Fahrwasser kommt." Sechs Punkte trennen Hoffenheim derzeit vom Relegationsplatz 16. Stanislawski hatte bereits von "Abstiegskampf pur" gesprochen. Wesentlich unterscheidet sich die neue Aufgabe Babbels also nicht von der vorherigen, mit Hertha würde er ebenso um den Klassenerhalt kämpfen. Vielleicht ergibt sich noch eine interessante Konstellation. Denn offenbar zieht das Schicksal einige Verbindungen zwischen beiden Klubs. Hertha und Hoffenheim stehen sich am letzten Spieltag gegenüber. Es könnte ein Spiel von weitreichender Bedeutung werden, an dessen Ende einer der beiden Kontrahenten den anderen in die Zweite Liga schickt.
Bis dahin ist es allerdings etwas Zeit, es kann sportlich auch entspannt werden. Der TV-Sender Sky-News fragte bereits bei der Vorstellung gestern: "Braucht Babbel jetzt ein neues Tattoo?"
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