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09.02.12

Bayern München

Bastian Schweinsteigers Verletzung schockt Bayern

Der Nationalspieler Bastian Schweinsteiger fällt erneut wochenlang aus. Auf Star Robben verzichten die Münchener dagegen sogar freiwillig- Und Ribery schwärmt: "Kroos ist auf der Zehner-Position wichtig für uns."

dpa/DPA

VfB Stuttgart - Bayern München 0:2 (0:1) Stuttgart wollte etwas gegen seine Pokalbilanz gegen die Bayern tun. Denn in acht Cup-Spielen gab es erst einen Erfolg.

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Er war gerade aufgestanden, da musste sich Bastian Schweinsteiger schon wieder hinlegen . Bayern Münchens Mittelfeldchef unterzog sich am Donnerstagmorgen einer Kernspintomografie bei Vereinsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt.

Schweinsteiger hatte sich am Abend zuvor beim 2:0 (1:0) im Viertelfinale des DFB-Pokals auswärts gegen Stuttgart am rechten Fuß verletzt. Ergebnis der Untersuchung: Riss des vorderen Außenbandes im Sprunggelenk. Der Mediziner gipste den Fuß ein, der 27-Jährige fällt Wochen aus.

Schon wieder Schweinsteiger. Erst Ende des vergangenen Jahres hatte er sich das rechte Schlüsselbein gebrochen und knapp drei Monate gefehlt. Bayerns Taktgeber ist derzeit ein Pechvogel. Ausgerechnet in der Saison, in der sich die Bayern den Traum vom Tripel erfüllen wollen – auch für die Nationalmannschaft ist sein Ausfall ein Rückschlag.

"Das ist sehr, sehr bitter", sagt Kapitän Philipp Lahm. In Schweinsteiger und Verteidiger Daniel van Buyten (Fußbruch) fehlen nun zwei wichtige Spieler. "Langsam wird es eng", sagt Trainer Jupp Heynckes. Die Freude über den Einzug ins Halbfinale (Auslosung Samstag im ZDF-"Sportstudio") ist getrübt, das Mitgefühl groß.

Vor allem das Arjen Robben s. Der anfällige Niederländer weiß, wie schwer Verletzungsphasen sind. Kurios wie der Fußball oft ist, könnte ausgerechnet Schweinsteigers Fehlen Robben retten – vor weiteren Spielen auf der Ersatzbank.

"Keine Entscheidung gegen Arjen"

Gegen Stuttgart hatte Heynckes das getan, womit ein Trainer Robben am meisten weh tun kann: Er stellte ihn nicht auf. Ihn, der in Topform zu den Besten Europas gehört. Der endlich nicht mehr verletzt ist. Der immer Stammspieler war. Als würde der Manager der Rockband U2 Sänger Bono während der wichtigsten Tournee sagen: "Heute spielen wir mal ohne dich!"

"Ich musste etwas ändern. Es war keine Entscheidung gegen Arjen, sondern für ein kompakteres Mittelfeld", so Heynckes. Jeder müsse sein Ego zurückstellen. Er verstehe aber, dass Robben enttäuscht ist. "Das ist nicht leicht wegzustecken."

Robben wollte zu seiner Situation dann auch nichts sagen, er lief schneller aus dem Stadion in den Mannschaftsbus als beim Warmmachen an der Seitenlinie. Seine Miene an diesem Abend sprach Bände. Lahm nennt es einen "Härtefall". Da sei es klar, dass der Spieler "nicht fröhlich ist".

Müller über rechts

Das Schlimme für Robben: Heynckes machte in Stuttgart alles richtig. Er beorderte Thomas Müller auf Robbens rechte Außenbahn, Toni Kroos ließ er statt vor der Abwehr im zentralen Mittelfeld spielen, so wie in der erfolgreichen Hinrunde. Und tatsächlich lief es ähnlich gut wie damals: Müller bereitete die Tore von Franck Ribery (30.) und Mario Gomez (46.) vor, und auch Kroos zeigte seine beste Leistung 2012.

Die Bayern sind ohne Robben besser als mit ihm. Das ist die Bilanz der vergangenen Wochen. Robbens Kollegen haben das erkannt. "Gegen Stuttgart war es viel besser als zuvor. Ich habe schon früher gesagt, dass Toni Kroos auf der Zehner-Position wichtig ist", sagt Franck Ribery.

Und Thomas Müller könne seine Stärken rechts besser einbringen als in der Zentrale. Einer der wichtigsten Spieler des Rekordmeisters schwärmt vom Spielsystem ohne Robben.

Einzelgänger Robben

Undenkbar, dass so etwas Ribery widerfahren könnte. Der Franzose hat in der Mannschaft einen größeren Rückhalt als Robben. Der Niederländer verbringt die Freizeit am liebsten mit seiner Familie und gehört zu keiner der Bayern-Cliquen: die Deutschen, die Brasilianer, die Osteuropäer, die Jungen und natürlich der Spaßtrupp um Ribery.

Die Niederländer gibt es nicht mehr, seit Mark van Bommel zum AC Mailand gewechselt ist. Nur noch den Niederländer. Robben ist kein Egoist. Doch schon eher Einzelgänger als einer, der alle an einen Tisch holt.

Nicht so eigensinnig

Seine Kollegen schätzen Robbens sportliche Qualitäten. Konkurrent Müller sagt: "Ich habe natürlich den Anspruch zu spielen. Aber nur weil Arjen heute nicht gespielt hat, ist er ja nicht völlig weg vom Fenster oder verkauft. Wir sind ja eine Mannschaft."

Gegen Stuttgart bewies er seine Stärken: Er spielte Doppelpässe und beendete Angriffe mit einer Hereingabe in den Strafraum. Viele Zuschauer meinten: Robben wäre wieder nach innen gezogen und hätte sich wohl festgedribbelt.

Im Bundesligaspiel am Samstag gegen Kaiserslautern hat Heynckes zwei Möglichkeiten: Er lässt Luiz Gustavo mit David Alaba oder Anatoli Timoschtschuk vor der Abwehr spielen – und verzichtet erneut auf Robben. Oder er beruft Kroos zurück ins defensive Mittelfeld, dann wäre wieder Platz für Robben. Der Trainer lobt Gustavo ("Sehr gut") und Alaba ("Klasse") und sagt: "Arjen weiß, dass es Samstag schon ganz anders aussehen kann." Er lässt alles offen.

Aber wie sieht es auf Dauer aus? Die Verlängerung seines 2013 endenden Vertrags bezeichnete Robben kürzlich als Formalie. Ist es jetzt mehr? Verletzter Stolz hat im Fußball schon viel verändert. Gestern gab der FC Bayern die Verpflichtung Xherdan Shaqiris (20) bekannt. Der Schweizer Nationalspieler kommt im Sommer für vier Jahre. Er spielt beim FC Basel Robbens Position.

Sportdirektor Christian Nerlinger sagt: "Es ist normal, dass hochkarätige Spieler auf der Bank sind, wenn alle fit sind. Damit müssen die Spieler umgehen." Leichter gesagt als getan.

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