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06.02.12

Radsport

Spanien ist empört über Contadors Doping-Sperre

Alberto Contador wird wegen Doping zwei Jahre gesperrt. In seinem Heimatland Spanien fuchst das Cas-Urteil Kollegen und Fans maßlos.

REUTERS

Tour de France, 20. Etappe: Der Spanier Alberto Contador feiert seinen dritten Tour-Sieg nach 2007 und 2009.

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Die zuweilen wunderlichen Mechanismen der professionellen Straßenradfahrerbranche funktionieren nach wie vor blendend. Am Montagmittag brummte der Internationale Sportgerichtshof Cas dem gedopten Sieger der Tour de France 2010, Alberto Contador, zwei Jahre Wettkampfssperre auf. Schon am Nachmittag meldete sich der vermeintliche Nutznießer zu Wort: Andy Schleck, seinerzeit Zweitplatzierter und demnächst offiziell Sieger der 97.?Auflage des bedeutendsten Etappenrennens der Welt.

Keine Spur von Genugtuung, stattdessen schien sich der Luxemburger fast zu grämen ob der erwartbaren Entscheidung kontra Contador: "Es gibt keinen Grund, glücklich zu sein jetzt. Zuallererst tut mir Alberto leid. Ich habe immer an seine Unschuld geglaubt. Sollte ich dieses Jahr gewinnen, werde ich es als meinen ersten Toursieg ansehen."

Contador muss Schleck als Konkurrenten diesen Juli nicht fürchten. Der Cas sperrte den Spanier, der am 21. Juli 2010 während der Tour positiv auf die verbotene Substanz Clenbuterol getestet worden war, bis 5. August 2012. Contador wird damit nicht nur die Frankreich-Rundfahrt verpassen. Der beste Rundfahrer der vergangenen Jahre fehlt auch bei den Olympischen Spielen in London. Und: Ihm werden sämtliche Titel aberkannt, die er nach dem 25. Januar 2011 sammelte – jenem Tag, an dem ihn der spanische Radsportverband mit zweifelhaften Argumenten freisprach. Es sind rund ein Dutzend, darunter der Triumph beim Giro d’Italia 2011.

Mit der Entscheidung geht nun ein unsäglicher Justizmarathon zu Ende, in dem selbst der gemeinsam mit der Weltantidopingagentur Wada prozessierende Radsport-Weltverband UCI angeblich keine Genugtuung verspürt: "Aber wir heißen die Nachricht insofern willkommen, als sie eine langwierigen Affäre ein Ende setzt, die extrem schmerzvoll gewesen ist für den Radsport."

Contadors Anwälte und die von ihm berufenen Experten hatten die drei Cas-Richter nicht davon überzeugen können, dass eine unabsichtliche Clenbuterol-Aufnahme über kontaminiertes Fleisch wahrscheinlicher war als dass sie es nicht gewesen ist. Der Positivbefund sei "viel wahrscheinlicher durch die Einnahme eines verunreinigten Nahrungsergänzungsmittels" zustande gekommen, argumentieren die Richter in ihrem 98 DIN-A4-Seiten umfassenden Urteil und nach Auswertung von etwa 4000 Seiten Material. Der 29-Jährige konnte zudem offenbar nicht nachweisen, dass er nicht fehlerhaft oder fahrlässig gehandelt hat, als er ein verunreinigtes Steak verputzte.

Interessanterweise ließen die Cas-Richter die Theorie einer Bluttransfusion mehr oder minder außen vor. Dass in Contadors Blut zum Zeitpunkt der Dopingprobe Ende Juli 2010 die Konzentration sogenannter Weichmacher ungewöhnlich und deutlich erhöht gewesen war, stellt sich als Nebenschauplatz heraus. Weichmacher können auf verbotene Bluttransfusionen hindeuten.

Spaniens seine Helden protegierender Radverband hatte im Kern argumentiert: Selbst wenn eine Verunreinigung von Fleisch unwahrscheinlich ist, so ist sie doch nicht ausgeschlossen. Zudem sei die vom Kontrolllabor ermittelte Menge Clenbuterol in Contadors Körper zu gering gewesen für einen leistungssteigernden Effekt. Und außerdem könne Contador den Nachweis der Fleischverunreinigung ja nicht mehr führen: "Das Beweisstück ist verschwunden."

Allein: Es half alles nichts. Auch nicht Verweise auf ähnliche Fälle von fatalem Fleisch essenden Sportlern wie dem Tischtennisspieler Dimitri Owtscharow, der in Deutschland vom Vorwurf vorsätzlichen Clenbuterol-Konsums frei gesprochen wurde. Oder auf jene 109 Junioren-Fußballspieler, die im Sommer 2010 während der U17-WM in Mexiko positiv auf die Substanz getestet wurden, die in Ländern mit laxen Vorschriften wie China nach wie vor in der Viehmast eingesetzt wird.

Sonntag strampelte Contador noch bei der Trofeo Palma auf Mallorca für Bjarne Riis’ Team Saxo-Bank, nun muss er zwangsläufig vorerst die Beine hochnehmen. In seinem Heimatland fuchst das Kollegen und Fans maßlos. "Zwei Jahre Sperre und im Urteil steht, dass Doping nicht bewiesen ist. Schämt euch", greinte der Oscar Pereiro, nach Überführung des US-Dopers Floyd Landis Sieger der Tour 2006. Und Pedro Delgado, Gewinner der Tour 1988, maulte: "Ein weniger bekannter Radsportler wäre glimpflicher davongekommen."

Und in einer Online-Umfrage der großen Sporttageszeitung "Marca" mit mehr als 15.000 Usern antworteten auf die Frage "Scheint dir die Cas-Entscheidung zu Contador gerecht zu sein?" 86 Prozent mit Nein.

Dass Rennveranstalter nun diverse Preisgelder vom überführten Doper zurückfordern werden, gilt als wahrscheinlich. Zudem wird über den Antrag der UCI, dem kühnen Klettermaxe aus Pinto bei Madrid zusätzlich zu Gerichts-, Anwalts- und Expertenkosten 2,485 Millionen Euro Geldstrafe an den Verband aufzubrummen, noch separat verhandelt werden. Vorher hat Contador aber noch 30 Tage Frist, ein ordentliches Gericht anzurufen.

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