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27.01.12

Kritik von Holzhäuser

Ballack gerät bei Bayer Leverkusen ins Abseits

Mit deutlichen Worten kritisierte Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser den Mittelfeldstar und wertete dessen zweite Verpflichtung als Fehler. Nach dem unfreiwilligen Abschied aus der Nationalelf droht ihm nun der nächste unwürdige Abgang.

Bongarts/Getty Images/Getty

In der letzten Partie des 18. Spieltags wollte Bayer Leverkusen mit einem Sieg gegen Mainz 05 den Rückstand auf den Fünften Werder Bremen verkürzen.

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Das Verhältnis zwischen Bayer Leverkusen und seinem Star Michael Ballack ist total zerrüttet. Nach vielen Querelen attackierte Wolfgang Holzhäuser den Mittelfeldstar in ungewöhnlicher Schärfe. "Michael ist auf keinem guten Weg. Er ist uneinsichtig. Es ist der Punkt erreicht, bei dem Rudi Völler und ich nicht mehr mitgehen wollen", sagte der Bayer-Geschäftsführer der Nachrichtenagentur dpa. "Was er jetzt macht, tut mir leid für ihn."

Erstmals gab Holzhäuser offen zu, dass das zweite Engagement des 35 Jahre alten Mittelfeldstars in Leverkusen bisher ein Fehlschlag war. "Es ist der Zeitpunkt erreicht, wo wir uns alle eingestehen müssen, dass unsere Überlegungen, die wir vor 20 Monaten hatten, nicht aufgegangen sind", bekannte er im Kölner "Express" (Freitag).

Eine vorzeitige Trennung zwischen Bayer und dem früheren Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft ist dennoch nicht vorgesehen. "Das ist nicht die Absicht. Ich gehe davon aus, dass Michael die nächsten drei Monate seinen Job gut macht", sagte Holzhäuser. Ballacks Zweijahresvertrag, der den deutschen Meisterschaftszweiten rund zehn Millionen Euro kostete, endet am 30. Juni. Danach wird über einen Wechsel in die USA spekuliert.

Auslöser der ungewöhnlichen Abrechnung Holzhäusers war das Verhalten Ballacks am vergangenen Sonntag. Bei seiner Auswechslung im Spiel gegen Mainz (3:2) hatte er Trainer Robin Dutt den Handschlag verweigert. "Ballacks Verhalten hat mich enttäuscht. Von ihm ist zu wenig gekommen. Er kann durch seine Aura auf das Publikum einwirken - das hat er nicht getan", kritisierte Holzhäuser.

Pfiffe nach der Auswechlung

Vielmehr quittierten die Zuschauer Dutts Entscheidung, Ballack auszuwechseln, mit Pfiffen. "Da ist ein Führungsspieler gefragt, der mit einem Appell das Umfeld beeinflussen kann", erklärte Holzhäuser und fügte generell hinzu: "Ich hatte erwartet, dass er sich für den Club einsetzt. Jeder hat auch eine Bringschuld."

Der 98-malige Nationalspieler Ballack hat die Verantwortlichen bei Bayer 04 nicht zum ersten Mal brüskiert. Unter dem früheren Trainer Jupp Heynckes drängte er darauf, nach einer langen Verletzung aufgestellt zu werden. Einmal weigerte sich, als Reservespieler auf der Ersatzbank Platz zu nehmen. Dass Heynckes Bayer am Ende der Saison 2010/2011 verließ, wurde auch auf die gestörte Beziehung zwischen dem Chefcoach und dem Profi zurückgeführt.

Auch mit Heynckes-Nachfolger Dutt scheint die Chemie nicht zu stimmen, wobei Holzhäuser den Coach in Schutz nimmt: "Dem Trainer kann ich nichts vorwerfen. Aus meiner Sicht hat er nichts falsch gemacht." Sportdirektor Völler hatte seinem Weggefährten Ballack schon nach der Mainz-Partie die Gefolgschaft gekündigt und festgestellt: "Ich hätte ihn schon in der Halbzeit ausgewechselt."

Als undankbar empfinden Holzhäuser und Völler zudem, wie Ballack auf ihr Bemühen reagiert hat, ihm doch noch einen angemessenen Abschied aus der Nationalelf zu bescheren. "Ich habe mich im Hintergrund dafür eingesetzt, habe zweimal mit DFB-Präsident Theo Zwanziger gesprochen – und er hat es als unsere Privatsache abgetan", meinte Holzhäuser verärgert.

Vor dem wichtigen Bundesligaduell am Samstag zwischen dem Tabellenfünften Werder Bremen und dem -sechsten aus Leverkusen will sich Holzhäuser nun zurückhalten. "Ich will nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen", kündigte er an. "Es gibt auch schon so Ärger genug."

Ein Kopfschüttler und kein Abklatschen mit dem Trainer

Sauer aufgestoßen ist der Führung des Werksklubs die Reaktion des 35 Jahre alten Mittelfeldspielers, der seit 2010 wieder bei den Rheinländer spielt, im Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 am vergangenen Sonntag, als er nach einer Stunde ausgewechselt wurde und kopfschüttelnd den Platz verließ. Das obligatorische Abklatschen mit Trainer Robin Dutt fand nicht statt. "Er sollte sich überlegen, ob er sich immer im Sinne des Vereins verhält. Rudi Völler und ich haben in dieser Woche auch darüber mit ihm gesprochen - leider ohne Erfolg", monierte Holzhäuser.

Für Becker ist dies aber nur ein billiges Ablenkungsmanöver. "Im Traininglager haben alle unisono noch Michael für seine Leistungen in der Hinrunde gelobt. Und dann werden Mannschaft und Trainer trotz des 3:2 gegen Mainz ausgepfiffen. Da es offenbar nicht möglich ist, sich derzeit von Robin Dutt zu trennen, musste man einen anderen Sündenbock suchen, und den hat man dann in Michael gefunden", sagte der Rechtsanwalt, dem vor allem Holzhäuser ein Dorn im Auge ist: "Seine Aussagen sind auch sachlich falsch. Mit Ballack ist Leverkusen vergangenen Saison überraschend Vizemeister geworden, in dieser Spielzeit hat Bayer nicht zuletzt dank guter Leistungen von Michael das Achtelfinale in der Champions League erreicht."

Ballack äußert sich nicht

Becker machte deutlich, dass sich sein Klient der schwierigen Aufgabe stellen werde und nicht, wie von einigen Seiten spekuliert, noch in den kommenden Tagen zu einem anderen Klub wechseln werde, worauf Holzhäuser - "Wenn ein Verein kommt, werden wir reden" - offensichtlich spekuliert. "Diese Rechnung geht ebenso wenig auf wie die mit Hanno Balitsch, der vor Weihnachten geopfert wurde, weil Ballack, Rolfes und Kießling eine Nummer zu groß waren", so Becker in Anspielung auf den Rauswurf von Balitsch.

Ballack selbst sei zwar über die Äußerungen von Holzhäuser verwundert, er wolle sich aber im Moment noch nicht dazu äußern. Zunächst werde Ballack noch einmal das Gespräch mit Völler suchen, wenngleich sich dieser in den letzten Tagen auch nicht besonders glücklich in dieser Angelegenheit verhalten habe, wie der Ballack-Berater betonte.

Becker geht dennoch von einem Alleingang des GmbH-Geschäftsführers Holzhäuser ohne Absprache mit der Bayer-AG aus, die an dem Deal mit Ballack im Sommer 2010 maßgeblich beteiligt war und den ehemaligen DFB-Kapitän Ende Februar als Aushängeschild einer aufwendigen Werbekampagne präsentieren wird. Der Ballack-Manager wies zudem darauf hin, dass man sich im Sommer 2010 bereits mit einem anderen Klub über einen Wechsel einig gewesen sei, ehe der frühere DFB-Teamchef Völler seinen früheren Spieler Ballack zu einer Rückkehr nach Leverkusen überredet hätte. Und vor dieser Spielzeit hätte Völler auf Nachfrage versichert, dass auch Jupp-Heynckes-Nachfolger Dutt vor allem mit Blick auf die Champions League auf die Dienste des Routiniers zählt.

Quelle: dpa/SID/nbo
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