Fussball-Bundesliga
Das "neue Werder" punktet beim Club in Unterzahl
In Nürnberg spielt Werder Bremen nach der Roten Karte für Torhüter Tim Wiese 74 Minuten lang mit einem Spieler weniger – und ist deshalb mit dem Remis zufrieden.
1. FC Nürnberg - Werder Bremen 1:1 (0:1)
Mehmet Ekici (r.) kehrte an seine alte Wirkungsstätte zurück.
Es war für Klaus Allofs nach einem turbulenten Spiel nur "eine Momentaufnahme". Doch der vorübergehende Sprung auf Platz eins nach fast fünf Jahren ließ nicht einmal Werder Bremens Trainer Thomas Schaaf kalt. "Die Tabellenführung bedeutet insofern etwas, dass wir bisher viele Dinge gut und richtig gemacht haben. Das kann man durchaus als Kompliment für die Mannschaft sehen", sagte Schaaf nach dem 1:1 (1:0) beim 1. FC Nürnberg.
Dass Werder trotz 74-minütiger Unterzahl nach einer Roten Karte wegen einer Notbremse gegen Torwart Tim Wiese und teilweise widriger Platzverhältnisse nach einem Platzregen auf Kurs blieb, zeige das "neue Werder", stellte Kapitän Clemens Fritz stolz fest. Innerhalb von wenigen Monaten hat es Schaaf geschafft, aus einem Beinahe-Absteiger ein homogenes Spitzenteam zu formen, das zumindest am Samstagabend erstmals seit dem 31. Januar 2007 wieder auf Platz eins stand.
"Wir haben jetzt 13 Punkte. Wir wollen weiter Punkte einkassieren. Das ist in Ordnung, darauf können wir aufbauen", kommentierte Sportdirektor Allofs den Aufschwung bei Werder allerdings zurückhaltend. Schon in den Tagen vor dem Spiel in Nürnberg hatte er Fragen zurückgewiesen, ob Bremen jetzt wieder Bayern-Jäger sei: Werder sei Punkte-Jäger, konterte er.
Dass es beim Club nicht zum erhofften Dreier reichte, hatten die Norddeutschen in erster Linie einer Dummheit von Tim Wiese zu verdanken. Der Nationalkeeper trat in der 16. Minute 25 Meter vor dem Tor über den Ball und wusste sich anschließend nur noch mit einer Notbremse gegen Christian Eigler zu helfen. "Das ärgert mich natürlich. Ich wollte den Ball klären", sagte Wiese und fügte trotzig an: "Abhaken und weitermachen."
Immerhin entschuldigte sich der 29-Jährige bei der Mannschaft für seinen Bärendienst, der zunächst keine Folgen hatte - im Gegenteil. Werder ging vor 43.121 Zuschauern ausgerechnet durch den Ex-Nürnberger Mehmet Ekici sogar in Führung (24.).
Was in einem "verrückten Spiel" (Allofs) folgte, hatte zunächst mit Fußball nicht mehr allzu viel zu tun. Starker Regen und Hagel sorgten innerhalb weniger Minuten dafür, dass der Platz völlig unter Wasser stand. Schiedsrichter Jochen Drees ließ dennoch bis zur Pause weiterspielen. Erst nach 20-minütiger Verlängerung der Halbzeitpause pfiff er wieder an - und der FCN zur Aufholjagd. Der Sturmlauf wurde schließlich durch den Ausgleich von Philipp Wollscheid (62.) belohnt.
Es war ein 1:1, mit dem schließlich alle gut leben konnten. "Die Mannschaft hat sich gewehrt und ihre Aufgabe sehr diszipliniert umgesetzt. Unter diesen Bedingungen war der Punkt verdient", meinte Schaaf.
Auch Club-Coach Dieter Hecking war "sehr zufrieden mit der Mannschaft. Wir haben zehn Punkte. Das zeigt, dass wir bisher vieles richtig gemacht. Jetzt fahren wir nach Gladbach und wollen da gewinnen", sagte er und unterstrich damit auch das Selbstvertrauen der jungen Nürnberger Truppe, die trotz der Abgänge der Leistungsträger Ekici, Andreas Wolf (ebenfalls Werder), Julian Schieber (Stuttgart) und Ilkay Gündogan (Dortmund) erneut überraschend eine gute Rolle in der Bundesliga spielt.
Der Höhenflug von Werder ist nicht weniger überraschend. Doch der Ex-Nürnberger Wolf, der vor dem Spiel für 14 Jahre beim Club offiziell verabschiedet wurde, hat dafür eine einfache Erklärung. "Wir stehen als Mannschaft zusammen. Wenn wir das weiter tun, werden wir auch weiter erfolgreich sein", meinte er. Fritz ergänzte in Bezug auf das Spiel beim Club: "Werder ist eigentlich bekannt für seinen Offensivfußball. Aber heute waren eben andere Tugenden gefragt. Die haben wir abrufen können, das zeigt das neue Werder."
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