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31.07.11

Nach Pokal-Randale

BFC will "alle juristischen Mittel ausschöpfen"

18 verletzte Polizisten, 27 Festnahmen: Mit dem Gewaltausbruch nach dem Pokalspiel gegen den 1 FC Kaiserslautern stellte sich beim BFC Dynamo auch die Frage: Sollte man diesen Verein nicht schlicht auflösen? Doch die BFC-Macher wollen kämpfen - und die Hooligans dingfest machen.

dapd/DAPD

Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion Berlin: Kaiserslauterns Olcay Sahan (li.) im Zweikampf mit Dynamos David Schimmelpfennig. Der BFC verlor 0:3 - während und vor allem nach dem Spiel gab es Randale.

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Früher, da gehörte Rainer Lüdtke selber mal zu den harten Kerlen. Zu denen, die sich bei einem Fußballspiel nicht allein für die Flugrichtung des Balles interessieren. Lüdtke war kein Waisenknabe, wenn es darum ging, sich körperlich auseinanderzusetzen. Das liegt jedoch lange hinter ihm, irgendwann hat er die Seiten gewechselt.

Weil er für Ordnung sorgen wollte. Und dafür, dass der Verein seines Herzens nicht mehr als Hort der Gewalt dasteht. Deshalb ist Lüdtke seit vielen Jahren Fanbeauftragter des BFC Dynamo. Und im Moment ziemlich bestürzt. Nach dem DFB-Pokalspiel des Berliner Oberligisten gegen den 1. FC Kaiserslautern stand Lüdtke, der einstige harte Kerl, im Jahnsportpark und weinte.

Kein Pokalwunder verursachte die Gemütsregung, der Underdog konnte dem Bundesligisten kein Bein stellen und verlor 0:3. Lüdtkes Tränen entstammten einer tiefen Enttäuschung, keiner sportlichen, sondern einer menschlichen. Wieder einmal wurde der Klub seinem Ruf gerecht.

Berliner Fans hatten nach Spielschluss den Gästeblock gestürmt und Randale entfacht. "Ich war fertig", sagt Lüdtke, "wir schämen uns dafür." Eigentlich sollten diese Zeiten beim BFC vorbei sein. Lüdtke glaubte das, die Mannschaft, der ganze Verein. Nur sieht Realität eben doch anders aus.

Niederschmetternd liest sich die Bilanz. Es gab 18 verletzte Polizisten, 27 vorläufige Festnahmen, gegen 50 Personen laufen Strafermittlungsverfahren – wegen Körperverletzung, Landfriedensbruchs, Widerstands und versuchter Gefangenbefreiung. Wie viele Fans der Lauterer verletzt wurden, darüber wurden keine Angaben gemacht.

Noch am Abend des Spiels reagierte der Klub in einer ersten Stellungnahme und distanzierte sich von den Krawallen. Am Tag darauf wurden alle Internetseiten geschlossen und stattdessen eine ausführliche Erklärung gezeigt.

"Leider, leider endete ein schönes Spiel mit einer zu 99 Prozent friedlichen Kulisse in einem Albtraum", erklärt dort stellvertretend für den Klub Peter Meyer, der Vorsitzende des Wirtschaftsrates und Geldgeber des BFC. Den geschädigten Lauterer Fans wolle man einen Ausgleich "für die Momente der Angst" zukommen lassen.

Eine Geste, sicher. Doch angesichts der Problembelastung des Klubs sind Gedanken zu dessen Zukunftsfähigkeit zwangsläufig. "Die Vorfälle stellen die Fanarbeit in Frage", sagt Lüdtke. Wobei es mit der Bezeichnung "Fans" keine leichte Sache ist.

Er selbst habe niemanden erkannt von den Randalierern. Nach Informationen des Klubs seien unter anderem Hooligans aus Leipzig und Halle angereist, um sich auszutoben. In Fankreisen des BFC heißt es sogar, das auch Gewalttäter aus Polen den BFC als Bühne nutzen würden. Die Ermittlungsverfahren der Polizei könnten hier nähere Einblicke erbringen.

Dennoch ist Rainer Lüdtke auch etwas enttäuscht von den eigenen Fangruppen, von denjenigen, die der Gewalt schon länger abgeschworen haben. "Die müssen Charakter zeigen und einschreiten", sagt er, weiß aber auch, dass die Polizei dann zwischen den Fans des BFC und den Hooligans keinen Unterschied mehr macht, weil alle die gleichen Farben tragen.

Dass die Situation insgesamt noch zu kontrollieren ist, das bezweifeln selbst einige treue Anhänger des Klubs und plädieren dafür, das Kapitel BFC für immer zu schließen. Lüdtke kennt diese Stimmen. "Es gibt einige, die sich aus dem Verein zurückziehen wollen. Sie haben einfach die Schnauze voll. Ich überlege auch", sagt er. Doch dann würde er den Krawallmachern das Feld überlassen, dieser Gedanke gefällt ihm nicht. Dafür hat er zu lange mit vielen anderen ehrenamtlich daran gearbeitet, das alte Image abzustreifen. Doch was tun?

Alle juristischen Mittel ausschöpfen

Zunächst wird sich der Klub am Montag mit der Polizei in Verbindung setzen, um die Gewalttäter zu identifizieren. "Alle juristischen Mittel" sollen ausgeschöpft werden, "keiner von ihnen soll ein Schlupfloch finden", heißt es in der Erklärung von Peter Meyer. Ergründet werden muss auch, wie alles überhaupt passieren konnte.

Eine erste Auswertung der Polizei ergab, "dass Maßnahmen des Ordnungsdienstes, teilweise entgegen vorheriger Absprachen mit der Polizei, zu den Probleme geführt bzw. den Verlauf begünstigt haben". Dies wurde vom Sicherheitsdienst selbst eingeräumt, und auch Lüdtke gibt zu, dass das Konzept Fehler hatte.

Zunächst war Polizei im Pufferblock zwischen den rivalisierenden Fans gewesen, habe sich dann aber zur Straße bewegt, um die FCK-Fans zu geleiten. Zu dieser Zeit befanden seien jedoch kaum Ordnungskräfte im Block; und durch ein offenes Tor stürmten dann 250 bis 300 Gewalttäter.

"Unverständlich"

Als wieder mehr Ordnungskräfte im Block waren, schlossen sie das Tor – und damit die Polizei aus die wieder zurückkehrte. Wo konkret die Versäumnisse lagen, werden die Auswertungen der Polizei zeigen, die davon sprach, dass ein Tor von Ordern geöffnet worden sei.

Manch einen wird das kaum interessieren. Der Klub, der am Wochenende in die Oberliga-Saison startet und in die Regionalliga aufsteigen will, hat nun mal sein Image, und das wurde nachhaltig bestätigt. "Es ist unverständlich, dass so ein Klub überhaupt noch ein Spiel machen darf", erboste sich Mathias Abel, der Abwehrchef des 1. FC Kaiserlautern.

Vom Spielbetrieb ausgeschlossen wird der BFC wohl kaum, drastische Strafen seitens des DFB drohen dennoch. "Wir hatten eine Sicherheitsaufsicht vor Ort. Die wird einen Bericht erstellen und dann wird der Kontrollausschuss ermitteln", sagte der für den Pokalwettbewerb verantwortliche Sprecher Maximilian Geis.

Keine Aufgabe

In den nächsten Tagen will sich Rainer Lüdtke in Ruhe überlegen, was er tut. "Wir haben so getrommelt, dass es bei uns nicht mehr ist wie früher", sagt er. Als es drauf ankam, die Worte zu untermauern, misslang dies gründlich.

Aufgeben wollen die Verantwortlichen um Peter Meyer dennoch nicht. "Wir wollen einen anderen BFC Dynamo und wir werden mit aller Kraft dafür kämpfen, dass diese Vision Wirklichkeit wird", teilt er mit. Realistischer geworden ist dieses Ziel nach den jüngsten Erlebnissen nicht.

Das muss Rainer Lüdtke wohl auch durch den Kopf gegangen sein, als er am späten Samstag mit Tränen in den Augen im Jahnsportpark stand.

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