Bayern München
"Diesen Makel wird Manuel Neuer nie loswerden"
Der Fanforscher Jonas Gabler glaubt nicht, dass Gespräche zwischen dem neuen Bayern-Torwart Manuel Neuer und den Ultras das Verhältnis verbessern würden.
Von Julien Wolff
Borussia Dortmund Mittelfeldspieler Ivan Perisic wechselt von FC Brügge für fünf Millionen Euro zum BVB.
Es donnert und blitzt, und es regnet heftig. Die Spieler ziehen sich in die Kabine zurück – nur den Männern auf der Tribüne macht das Gewitter nichts. Sie bleiben auch bei der Unterbrechung der Vormittagseinheit des FC Bayern München im Trainingslager stehen, einige mit freiem Oberkörper. Die Ultras, die besonders engagierten Fans, lassen sich generell schwer von ihren Vorhaben abbringen. Nicht von Mutter Natur – und auch nicht von ihrem Verein.
Ihre Proteste gegen die Verpflichtung des Nationaltorhüters Manuel Neuer vom FC Schalke 04 im Frühjahr ("Koan Neuer") hatte der Klub verurteilt. Zuletzt organisierte der Rekordmeister sogar ein Gipfeltreffen mit Fanvertretern, moderiert von einem Antiterrorexperten. Es wurde vereinbart, dass Neuer mit Respekt behandelt wird. Trotzdem bleiben einige bei ihrer Meinung: Neuer ist für ihren FCB nicht der richtige Torwart, und das wollen sie ihm zeigen. Im Test gegen eine Auswahl der Provinz Trentino (15:0) am Mittwoch hingen Anhänger ein Plakat auf: "Du kannst auch noch so viele Bälle parieren, wir werden dich nie unserem Trikot akzeptieren." Das "Du" in Schalke-Blau, das "Unserem" in Bayern-Rot.
Sie nehmen dem 25-Jährigen offenbar weiterhin übel, dass er sich sehr mit Schalke identifiziert und beim Jubel über das 1:0 der Gelsenkirchener beim FC Bayern vor zwei Jahren Torwart-Legende Oliver Kahn imitierte. Obwohl er damit niemanden provozieren wollte, "es war ein Blackout", so Neuer.
Die Vereinsführung ist mehr als genervt, sie ist wütend. Ein neuer Trainer, keine Verletzten, motivierte Profis – es herrscht Aufbruchstimmung. Jetzt gibt es einen Nebenkriegsschauplatz. Aus dem ein ernsthaftes Problem werden kann. Sollten sich die Proteste in der Saison fortsetzen, kann das auch einen gefestigten Profi wie Neuer und seine Kollegen verunsichern – und die Anhängerschaft spalten. "Wir haben das Transparent schon mitbekommen und gelesen. Das ist für Manu nicht angenehm", sagte Nationalspieler Thomas Müller.
Der Vorstand der Bayern reagierte am Donnerstag prompt. In einer Stellungnahme heißt es: "Der FC Bayern distanziert sich sowohl von dem Plakat gegen Manuel Neuer als auch von den Akteuren dieser kleinen Gruppierung." Sie habe versucht, einen Keil in die Übereinkunft zwischen den Teilnehmern des "Runden Tisches" zu treiben. Deshalb seien die Mitglieder dieser Gruppierung ab sofort unerwünschte Personen. Von der "Schickeria", der bekanntesten Ultra-Gruppierung der Bayern, stammt das Plakat nicht. Unterschrieben hatte es die Gruppe "Inferno Bavaria".
Warum lehnen einige Fans Neuer immer noch so extrem ab? Der Fanforscher Jonas Gabler, Autor des Buches "Die Ultras", sagte "Morgenpost Online": "Den Ultras geht es um die Identität des Vereins. Neuer hat für einen Klub gespielt, zu dem Bayern keinen positiven Bezug hat, gerade nicht zur Schalker Ultra-Szene. Und mit der ist Neuer eng verbunden. Das ist aus ihrer Sicht ein Makel, den er nie los werden wird. Egal wie gut er spielt."
Gabler bezweifelt, dass Gespräche zwischen Neuer und den Verfassern des Plakates helfen würden. "Ein Idol wie Oliver Kahn wird Neuer beim FC Bayern nie werden." Es sei durchaus denkbar, dass "Inferno Bavaria" die Proteste noch länger aufrechterhalten wird.
Wie viele Fans Neuer wirklich kritisch sehen, wird sich wohl erst im ersten Bundesligaspiel am 7. August gegen Borussia Mönchengladbach zeigen. Die Seite "Bayern-Fans gegen Manuel Neuer im Tor des FC Bayern München" auf dem Internetportal Facebook "gefällt" 3759 Menschen.
"Manu wird große Unterstützung bekommen. Ob bei ein paar extremen Fangruppierungen Eitelkeiten verletzt sind, kann ich nicht beurteilen. Insgesamt gesehen ist die Stimmung bei den Fans ihm gegenüber gut", sagt Thomas Müller. Vor allem bei den jungen Anhängern ist Neuer beliebt. Und mit der "Schickeria" etwa will er sich bald treffen, das hatte er bereits vor dem Eklat beim Testspiel angedeutet. "Die 'Schickeria’ ist eine dialogbereite Gruppe. Wie es sich mit anderen verhält, muss man abwarten", sagt Fanforscher Gabler.
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