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17.06.11

Nationalelf-Rauswurf

"Scheinheiligkeit" - Ballack rechnet mit Löw ab

Zornige Reaktion des früheren Capitano: Einen Tag nach dem Rauswurf aus der Nationalelf hat Michael Ballack Bundestrainer Löw Scheinheiligkeit vorgeworfen.

Getty Images/Getty

Englisches Pokalfinale im Mai 2010: Kevin-Prince Boateng vom FC Portsmouth trifft den damaligen Chelsea-Profi Michael Ballack am rechten Knöchel.

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Michael Ballack hat das ihm angebotene Abschiedsspiel gegen Brasilien wie erwartet abgelehnt. Nur einen Tag nach seiner Ausbootung aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft attackierte der 34-Jährige Löw heftig und empfand den vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) für den 10. August in Stuttgart gegen den Rekordweltmeister geplanten Abschied als eine Unverschämtheit.

"Ein längst vereinbartes Freundschaftsspiel jetzt als Abschied zu deklarieren, ist aus meiner Sicht eine Farce. Ich weiß, dass ich meinen Fans dieses Spiel eigentlich schuldig bin, aber ich kann dieses Angebot nicht annehmen", sagte Ballack. "Ich habe gestern im Urlaub durch eine Pressemitteilung erfahren, dass der Bundestrainer nicht mehr mit mir plant. Form und Inhalt der Mitteilung sind leider bezeichnend dafür, wie sich der Bundestrainer mir gegenüber seit meiner schweren Verletzung im Sommer letzten Jahres verhalten hat."

Der Mittelfeldspieler vom Champions-League-Teilnehmer Bayer Leverkusen bezichtigte den Bundestrainer sogar, in der Öffentlichkeit die Unwahrheit gesagt zu haben. "Form und Inhalt der Nachricht überraschen und enttäuschen mich zugleich, weil sie die vom Bundestrainer mir gegenüber gemachten Aussagen in keinster Weise widerspiegeln", erklärte ein tief enttäuschter Ballack.

Löw hatte am Donnerstag via Pressemitteilung erklärt, dass er in der DFB-Auswahl in Zukunft nicht mehr mit Ballack plant. Löw zufolge habe Ballack in einem Gespräch im März aber "durchaus Verständnis" für die Sichtweise der Nationalmannschaftsführung gezeigt. "Im Interesse aller ist eine ehrliche und klare Entscheidung angebracht", sagte Löw. Diese Wahrnehmung verwies Ballack am Freitag aber ins Reich der Fabel. Zudem stößt dem ehemaligen England-Legionär noch immer bitter auf, dass Löw in den vergangenen zwölf Monaten stets sagte: "Wenn Michael Ballack wieder fit ist, dann ist er auch mein Kapitän."

Dabei war Ballacks Uhr nach dem verletzungsbedingten WM-Aus offenbar längst abgelaufen. Löw nahm Ballack mit der Aussortierung zudem die Chance, seine Laufbahn bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine mit einem großen internationalen Titel zu krönen. Zwar bot Löw dem "Capitano" an, gegen Brasilien im August zum Abschied ein 99. Länderspiel für die DFB-Auswahl zu absolvieren, doch darauf hat Ballack überhaupt keine Lust. Für den früheren DFB-Kapitän ist es tragisch genug, dass er nun nicht mehr mit 100 oder mehr Länderspielen in den "Club der Hunderter" einziehen kann.

Ballack spürte bereits seit der WM, die er nach einem brutalen Foul von Kevin Boateng im englischen Pokalfinale verpasst hatte, dass er im Kreis der Nationalmannschaft nicht mehr gewollt war. Ganz deutlich wurde das zuletzt wieder bei der Nominierung für die EM-Qualifikationsspiele gegen Österreich und Aserbaidschan, als Löw trotz großer Personalnot im defensiven Mittelfeld einen Benedikt Höwedes oder Sebastian Rudy bevorzugte.

Verständnis für den Frust des gebürtigen Görlitzers zeigte auch die zweimalige Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Katarina Witt. Die Vorsitzende des Kuratoriums der Bewerbungsgesellschaft München 2018 bedauerte die Art und Weise des Karriereendes von Ballack in der Nationalmannschaft. "Michael Ballack kann auf eine großartige Karriere stolz zurückblicken, aber es ist natürlich immer besser, wenn man als Leistungssportler selbst den Abschied bestimmen kann", sagte Witt.

Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus unterstrich dagegen, dass Löw die richtige Entscheidung getroffen habe. "Man hat gesehen, dass die Nationalelf auch ohne ihn stark ist, und man will die Entwicklung dieser Mannschaft nicht stören. Ich an seiner Stelle würde das Abschiedsspiel spielen, denn er würde mit Standing Ovations verabschiedet", sagte Matthäus.

Quelle: sid/fas
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