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15.06.11

"Auszeit"

Freie Fahrt für den Klub der Privilegierten

Weil zu den Olympischen Spiele 2012 Fahrspuren exklusiv für Sportler, Trainer und Funktionäre reserviert sind, mosern Londons Taxifahrer.

© picture alliance / empics/PA Wire
Protest von Taxifahrern in London

Johann Gottfried Seume war ein deutscher Schriftsteller, Dichter und ein kluger Mann, und er war sich sicher: "Der Blödsinn und der Eigennutz haben die Privilegien erschaffen."

Natürlich kann Seume dabei nicht an die Olympischen Spiele der Neuzeit gedacht haben, sie fanden schließlich erst 86 Jahre nach seinem Tod erstmals statt. Aber weil auch der letzte Sportfan heute begriffen haben dürfte, zu welch privilegiertem Völkchen sich Sportfunktionäre zusammenzurotten – denken wir an die Fifa! –, passt das Bonmot recht treffend zum Wesen des homo sportfunctionosus.

Das Fußvolk steht im Stau

Während Sommer- und Winterspielen beispielsweise genießt das Internationale Olympische Komitee freie Fahrt in den Ausrichterstädten und gewährt sie Sportlern, Trainern, Medienschaffenden, kurzum: der olympischen Familie, gleich mit, indem auf Straßen sogenannte "Olympic lanes" eingerichtet werden. Das sind exklusive Fahrspuren, die Fahrzeugen mit der Legitimation der fünf bunten Ringe ein rasches Fortkommen garantieren sollen. Eine feine Sache ist das, wenn es einer eilig hat und zu den Privilegierten gehört – ziemlich blöd hingegen, wenn zum Rest der Menschheit. Denn dann steht er beizeiten hilflos im Stau.

Londons rund 25000 Fahrer der weltberühmten schwarzen Taxis laufen dort schon gut ein Jahr vor den Sommerspielen dagegen Sturm. Sie warnen vor Chaos in der Stadt, vor genervten Fahrgästen und steigenden Preisen. Schon macht die Drohung einer Blockade die Runde, die London lahm legen könnte.

Scheint so, als hielten es die cab driver mit einem anderen weitsichtigen Mann. Wie schrieb der Franzose Claude Tillier im 19.Jahrhundert? "Wer Privilegien sät, wird Revolution ernten."

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