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17.12.10

WM-Titelverteidigung

Marco Huck – "Ich werde klug und brutal boxen"

Marco Huck spricht im Interview mit Morgenpost Online über seinen WM-Kampf gegen Denis Lebedew am Samstag und die Hilfe seines Vaters.

© dpa/DPA
Marco Huck
"ich steigere mich immer von Kampf zu Kampf", sagt Huck

Marco Huck weiß, was es heißt, von dem Luxus, den er sich heute leisten kann, nur zu träumen. Seine Familie floh 1993 aus Sandzak im heutigen Serbien und lebte mit seinen Eltern, seinen beiden Schwestern Munevera, Muamera und Bruder Kenan sechs Jahre lang auf 15 Quadratmetern in Bielefeld. Vater Rasim ernährte die Familie als Maurer. "Der Sport war meine Rettung", sagt Huck, der schon jetzt auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken kann. Er war der jüngste Kickbox-Europa- und Weltmeister aller Zeiten und ist heute WBO-Weltmeister im Cruisergewicht. Jetzt ernährt er die Familie, seine Gagen erlauben es ihm, seinem Vater einen großen BMW zu schenken. Huck gewann 30 seiner 31 Profi-Kämpfe, beendete 23 durch K.o. Am Samstag in Berlin (22.15 Uhr, ARD live) dürfte mit Denis Lebedew allerdings die bislang schwerste Prüfung warten. Der Russe ist die Nummer eins der Weltrangliste und in 21 Kämpfen ungeschlagen.

Morgenpost Online: Ihr Stallgefährte Arthur Abraham hat vor kurzem eine schwere Niederlage gegen den Engländer Carl Froch erlitten. Wie haben Sie den Kampf erlebt, Herr Huck?

Marco Huck: Ich habe Arthurs Kampf mit meinen Eltern zusammen angesehen. Wir haben mitgefiebert, aber wie ja alle wissen, vergebens.

Morgenpost Online: Kamen Ihre Eltern extra aus Bielefeld?

Huck: Nein, ich habe bis auf meine ältere Schwester, die in Bielefeld verheiratet ist, alle fest nach Berlin geholt. Wir wohnen jetzt alle in einem Haus, aber in getrennten Wohnungen.

Morgenpost Online: Für Ihren Trainer Ulli Wegner war die Niederlage Abrahams ein regelrechter Schock. Auch für Sie?

Huck: Natürlich, Arthur und ich sind Teamgefährten und er hat bestimmt viele Neider, aber ich glaube, selbst die haben sich nicht gefreut, denn es war wirklich erschütternd. Aber es gibt halt Tage, an denen überhaupt nichts läuft.

Morgenpost Online: Glauben Sie, dass Ihr Kollege Angst hatte, wie ihm vorgeworfen wurde? Wegner sagte gar, er sei feige.

Huck: Das weiß ich nicht. Ich weiß, dass er sich gut vorbereitet hatte und hoffe, dass er nach dieser Niederlage wieder zurückkommt. Da zeigt sich ein wahrer Mann.

Morgenpost Online: Worauf haben Sie zusammen mit Ihrem Trainer Ulli Wegner in der Vorbereitung besonderen Wert gelegt?

Huck: Darauf, dass ich mich auf einen Linkshänder einstelle. Wenn wir uns gegenüber stehen, habe ich ja meinen linken und er seinen rechten Fuß vorn. Da ist es sehr wichtig, dass ich immer innen, also mehr zur Mitte, stehe. Ein weiterer Unterscheid zum Rechtshänder ist, dass ich öfter mit der Schlaghand, also der rechten, anfangen muss, ansatzlos. Bei solchen Duellen ist auch die Leber verhältnismäßig ungeschützt, da muss man gut aufpassen.

Morgenpost Online: Womit wir bei der Deckung sind – haben Sie sich da verbessert?

Huck: Ich glaube schon, dass ich für diesen Kampf gewappnet bin. Wenn die Deckung steht und man weiß, es kommt nichts durch, dann hat man auch Sicherheit.

Morgenpost Online: Ihr letzter Gegner Matt Godfrey war auch Linkshänder, da war in der fünften Runde Schluss.

Huck: Ja, den habe ich einfach überrollt.

Morgenpost Online: Sie wirken im Ring oft wie ein Wildpferd, das nicht zu zügeln ist. Ihr Trainer sähe es gern, wenn Sie kontrollierter boxen würden. Haben Sie da Fortschritte gemacht?

Huck: Ich steigere mich immer von Kampf zu Kampf, und ich habe mir jetzt in dieser langen Vorbereitung im Training sehr viel Selbstvertrauen geholt. Gegen Lebedew will ich einfach nur gut boxen, klug und brutal, denn es steht sehr viel auf dem Spiel.

Morgenpost Online: Klug und brutal – schließt sich das nicht gegenseitig aus?

Huck: Nein, bei mir nicht. Dafür lieben mich ja meine Fans, wenn ich die Serien dazwischenhaue. Das will ich auch weiter machen, aber natürlich nicht zu viel, nicht alles auf eine Karte setzen.

Morgenpost Online: Haben Sie sich Kämpfe Ihres Gegners mal per Video angesehen?

Huck: Ja, er kann gut boxen, stark. Aber die Gegner sollen sich auf mich einstellen. Wenn man sich da die ganze Zeit Gedanken macht, macht man sich nur selbst kaputt.

Morgenpost Online: Lebedews linker Cross soll nicht von Pappe sein – das sollte man schon wissen, oder?

Huck: Das weiß ich auch. Er hat eine vorzügliche Boxschule genossen und er hat einen sehr guten Trainer.

Morgenpost Online: Zu Ihrer Gruppe gehören Sie, Artur Abraham, aber auch Yoan Pablo Hernandez und Francesco Pianeta, die beide ebenfalls am Sonnabend kämpfen werden. Ist es da eigentlich schwierig, sich einen Platz im Herzen Ihres Trainers Ulli Wegner zu erkämpfen?

Huck: Nein, hier ist nur Arthur länger als ich. Ich glaube, dass ich für Herrn Wegner etwas Besonderes bin. Das habe ich mir auch verdient. Herr Wegner und ich sind ein Team. Deshalb kämpfe ich natürlich auch für ihn. Er hat mich zum Weltmeister gemacht.

Morgenpost Online: Wird Ihre Familie am Ring sein?

Huck: Meine Mutter nicht, bei meiner jüngeren Schwester bin ich mir auch nicht so sicher, aber mein Papa wird in jedem Falle beim Kampf sein.

Morgenpost Online: Wie wichtig ist Ihr Vater für Sie? Bremst er Sie manchmal auch ein wenig?

Huck: Ja, das macht er. Er hat mich in den acht Wochen der Vorbereitung in Kienbaum auch des Öfteren besucht. Vor zwei Wochen hat er mir das Handy weggenommen, damit ich mich voll auf den Kampf konzentrieren kann. Ich habe großen Respekt vor meinen Eltern. Ich bin jung, erfolgreich und reich, aber wenn sie sagen, ich soll das Handy abgeben, gebe ich es ab.

Morgenpost Online: Was machen Sie nach dem Kampf?

Huck: Ich plane nie weit voraus. Ich weiß nur, ich muss am Sonnabend gewinnen und am 26. Dezember bei meinem Cousin Elvir in Bosnien Trauzeuge sein. Ich werde vier Wochen lang nicht laufen und nicht trainieren und es mir gut gehen lassen.

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