Union-Stürmer
Löst Savran Mosquera im Sturm ab?
"Irgendwann muss der Ball hinter die Linie", sagt Union-Trainer Uwe Neuhaus. Im nächsten Spiel der Berliner könnte Halil Savran anstelle von John Jairo Mosquera dafür sorgen.
Von Martin Kleinemas
Manche Situationen sind so skurril, dass man sie am besten mit einem Witz übergeht. Zumindest tat dies Uwe Neuhaus dieser Tage, als er auf das seit Monaten schwelende Problem in der Offensive – konkret gesagt: seine meist glücklosen Stürmer – angesprochen wurde. Zumindest im Fall von John Jairo Mosquera hatte Neuhaus einen flotten Spruch auf Lager. "Vielleicht sollte er mal zum Neurologen gehen. Deckel auf und alles raus", sagte der Trainer des 1. FC Union.
Wenn Uwe Neuhaus Witze macht, ist das häufig ein Zeichen, dass er sich seiner Sache selber nicht so ganz sicher ist. Klar, er wird Mosquera natürlich nicht zum Arzt schicken, auch wenn der 22-Jährige im Spiel gegen den VfL Bochum einmal mehr verschiedene Großchancen ausließ.
Doch auch Neuhaus weiß, dass im Sturm schnell etwas passieren muss. Die Statistik gegen Bochum liest sich jedenfalls eindeutig: 26 Schüsse gab seine Mannschaft ab. Ganze vier davon kamen auf das Bochumer Tor, der Rest landete daneben oder wurde abgeblockt. "Wir hatten so viele Chancen, auch Hundertprozentige. Da muss der Ball irgendwann hinter die Linie", sagt er genervt.
Vielleicht ist es also an der Zeit, dass sich Neuhaus fragt, ob er seine seit Monaten unangetastete Treue zu seinen Stürmern überdenkt. Gut, Karim Benyamina ist nach starken Leistungen und inzwischen fünf Treffern gesetzt. Spätestens seit seiner Berufung in die algerische Nationalmannschaft ist an seiner Position so gut wie nicht zu rütteln. Bleibt also wieder nur Mosquera, über den Neuhaus inzwischen (einmal mehr) sagt: "Wenn er vor dem Tor den Ball bekommt, laufen bei ihm die Bilder aus den letzten zwölf Monaten wieder ab." Nur zweimal hat Mosquera in diesem Zeitraum getroffen.
Mosqueras Abschlussschwäche und sein häufiges Zögern im Spiel nach vorne jedenfalls würde längst eine Chance für einen Zugang rechtfertigen: Halil Savran. Der Stürmer, vor der Saison aus Dresden geholt, zeigte im Spiel gegen Bochum einmal mehr, dass er das Spiel teilweise weitaus schneller machen kann als der Kolumbianer. Savran, in der 60. Minute eingewechselt, startete mehrfach zum rechten Zeitpunkt in den Raum, in einer Szene flankte er mustergültig von der Grundlinie in den Strafraum zurück – einzig die Verwertung fiel seinen Kollegen wieder allzu schwer. Doch noch zögert Neuhaus. Er weiß: Eine Abkehr von Mosquera wäre keine Entscheidung nur für ein Spiel. Trotzdem lobte er Savran ausdrücklich: "Er hat viel Bewegung gezeigt." Doch so richtig scheint der gebürtige Berliner seine Chance nicht zu bekommen. In der Partie in Ingolstadt erhielt sogar Nachwuchskraft Steven Skrzybski Spielpraxis, Savran nicht. Neuhaus sagt: "Wenn man seine Karriere sieht, ist das jetzt der größte Sprung. Man muss Geduld haben."
Nur wie lange noch? Schon einmal hatte der Trainer öffentlich darüber nachgedacht, Mosquera eine Pause zu gönnen. Später sagte er, es sei vielleicht ein Fehler gewesen, das nicht zu tun. Jetzt ist es wieder so weit, und Neuhaus schützt ihn erneut. Weil er sein unbestrittenes Talent kennt. Und weil Mosquera eben noch sehr jung ist, das alles stimmt ja auch. Aber die Mannschaft, in der für mindestens ein Spiel nun auch noch Verteidiger Daniel Göhlert (Anriss der Plantarissehne in der rechten Wade) ausfällt, braucht dringend Tore. Denn sonst, das weiß auch Neuhaus, wird es demnächst mit einem lockeren Witzchen nicht mehr getan sein.
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