Mitgliederversammlung
Bayern-Chefs stellen van Gaal Jobgarantie aus
Vor der Jahreshauptversammlung herrscht beim FC Bayern plötzlich ungewohnte Harmonie. Selbst Trainer van Gaal bekommt Streicheleinheiten.
Ein idyllisches Bild bietet sich denjenigen, die in diesen Tagen das Vereinsgelände des FC Bayern München aufsuchen. Die ersten Schneeflocken haben die Anlage an der Säbener Straße in ein winterliches Weiß versetzt, und pünktlich zum Beginn der kalten Jahreszeit trifft sich die Großfamilie des FC Bayern am Dienstagabend zur alljährlichen Mitgliederversammlung. Nach zuletzt eher unterkühlter Stimmung waren die Münchner vor der Veranstaltung deutlich darum bemüht, wieder mehr Nestwärme auszustrahlen.
Bereits am Donnerstag hatten sich die Vereinsoberen mit Trainer Louis van Gaal dafür zusammengefunden. Der Niederländer berichtete von einem "sehr guten Gespräch". Und auch Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge fand ausschließlich versöhnliche Worte: "Wir haben kein Problem mit Louis van Gaal. Er ist der Richtige für uns." Der Trainer habe ohnehin nie zur Diskussion gestanden. Solche Spekulationen seien ausschließlich der "Kreativität der Medien" entsprungen.
Van Gaal erfreute sich an der erteilten Jobgarantie und gab sogar zu, mit seinen Ratschlägen zur Personalpolitik im Fall Bastian Schweinsteiger einen Fehler gemacht zu haben. Er werde jetzt immer erst mit dem Vorstand sprechen, bevor er etwas in den Medien sage.
Die Münchner versuchen jedenfalls, in der Öffentlichkeit jeden Zweifel an ihrer innerbetrieblichen Harmonie auszuräumen. Nach all den Wirrungen der vergangenen Wochen, in denen alle gegen van Gaal gifteten, haben jene Bemühungen aber nur den Charme einer verordneten Imagekampagne, so desolat war die jüngste Außendarstellung. Erst übte Präsident Uli Hoeneß via TV Generalkritik an van Gaal und prangerte dessen vermeintliche Beratungsresistenz an. Dann befeuerten auch Rummenigge und Sportdirektor Christian Nerlinger die Macht- und Kompetenzrangeleien.
Von Dissonanzen wollen sie in München nun nichts mehr wissen. Die Verantwortlichen sind spürbar um Harmonie bemüht. Wohl auch, weil der Respekt vor der Jahreshauptversammlung am Dienstag groß ist. Deutliche Fragen der Mitglieder und ebenso deutliche Antworten der Verantwortlichen sind zu erwarten. Uli Hoeneß gab gar zu, er habe im vergangenen Jahr vor diesem Abend "Muffensausen" gehabt. Für ihn ist es die erste Mitgliederversammlung als Präsident.
Beim FC Bayern wissen sie um die Strahlkraft der Veranstaltung. In der Vergangenheit galt sie als Stimmungsbarometer für die Befindlichkeiten des Vereins. 2008 etwa blieb Jürgen Klinsmann jener Zuspruch verwehrt, den sein Nachfolger Louis van Gaal im vergangenen Jahr erhielt. Und das, obwohl van Gaal zu diesem Zeitpunkt sportlich im Vergleich deutlich schlechter dastand. "Die Fans haben bei der vergangenen Versammlung ein feines Gespür gezeigt und damals den Umschwung mit eingeleitet", erinnert sich Nerlinger.
Die Münchner verweisen gern auf die Mitgliederversammlung als eine Art Startschuss der Aufholjagd der Vorsaison. Neun Siege in Folge legten den Grundstein für die Meisterschaft und beflügelten die Mannschaft auf dem Weg ins Finale der Champions League. Gegen eine ähnliche Initialzündung hätten sie beim FC Bayern wohl auch in diesem Jahr nichts einzuwenden. Auch wenn die Münchner im Vergleich zu 2009 mit 23 Zählern nur einen Punkt weniger auf ihrem Konto haben und derzeit Platz fünf belegen. Eine Siegesserie ist dennoch dringend vonnöten, um die 14 Punkte Rückstand auf Tabellenführer Borussia Dortmund noch aufholen zu können.
Zuletzt gelang den Münchnern mit dem 4:1 gegen Eintracht Frankfurt der vierte Heimerfolg in Serie. "Es war das beste Spiel in der Bundesliga unter meiner Leitung", sagte van Gaal. Auch hinter dieser Wertung des Cheftrainers dürfte taktisches Kalkül stecken so kurz vor der Jahreshauptversammlung. Andernfalls müsste etwa das 7:0 gegen Hannover aus der Vorsaison hinter dem jüngsten Erfolg eingeordnet werden.
Die Tatsache, dass die Bayern mit 17 Punkten mittlerweile die Heimtabelle der Bundesliga anführen, wird sich wohl ebenfalls positiv auf die Stimmungslage unter den Mitgliedern auswirken. In der Champions League steht der FC Bayern bereits im Achtelfinale, ebenso im DFB-Pokal. "Wir können noch alles gewinnen", sagte Louis van Gaal, "ich habe meine Lederhose immer griffbereit." Einmal in seinem Sprachduktus als selbsternanntes "Feierbiest" verfallen, ließ van Gaal gleich noch eine Ankündigung für den Dienstagabend folgen. Was er denn für einen Empfang erwarte, wurde er gefragt. "Sie werden uns zujubeln", antwortete van Gaal.
















