27.10.10

DFB-Pokal

Dortmund blamiert sich in Offenbach – VfB siegt

Im Elfmeterschießen hatte Offenbach die besseren Nerven – wie auch die Gladbacher gegen Bayer. Stuttgart zitterte sich ins Achtelfinale.

Foto: Bongarts/Getty Images/Getty
Mainz 05

Drittliga-Tabellenführer Kickers Offenbach hat den Bundesliga-Zweiten Borussia Dortmund im DFB-Pokal blamiert. Der OFC gewann gegen die zuletzt so starke Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp mit 4:2 im Elfmeterschießen und steht erstmals seit der Saison 2006/2007 wieder im Achtelfinale. Die 120 Minuten zuvor waren torlos geblieben.

Vier Tage vor dem Liga-Gipfel am Sonntag beim Tabellenführer Mainz 05 scheiterten die BVB-Torjäger Lucas Barrios und Robert Lewandowski an Offenbachs Torhüter Robert Wulnikowski, bevor Sehad Mehic den Triumph der Hessen perfekt machte. "Wir wollten die Null so lange wir möglich halten, das ist gelungen. Robert hat alles gehalten, was zu halten war. Großes Kompliment an ihn", sagte Offenbachs Trainer Wolfgang Wolf. "Das Spiel war so schwer wie wir es erwartet haben. Wir waren ständig am Drücker, doch es hat die Durchschlagskraft gefehlt. Im Elfmeterschießen war es ein Glücksspiel. Da war es angerichtet für die Sensation", sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp.

Die Westfalen mussten vor 25.000 Zuschauern auf dem ausverkauften Bieberer Berg über den gesamten Spielzeit an ihre Grenzen gehen, von einem Zwei-Klassen-Unterschied war kaum etwas zu sehen. Die Kickers kämpften bedingungslos gegen die spielerisch deutlich besseren Gäste und kamen im ersten Abschnitt sogar zu zwei hochkarätigen Torchancen. Zunächst scheiterte der wiedergenesene Mittelfeldspieler Elton da Costa mit einem Freistoß an BVB-Schlussmann Roman Weidenfeller (5.). Erneut der bereits seit Wochen starke Weidenfeller verhinderte nach einem überraschenden 25-Meter-Schuss von Nils Teixeira mit den Fingerspitzen den Rückstand (25.), als er den Ball an die Latte lenkte.

Allerdings kamen auch die Dortmunder immer wieder gefährlich vor das Tor der Offenbacher. Zunächst konnte Shinji Kagawa OFC-Schlussmann Wulnikowski aus aussichtsreicher Position nicht überwinden (7.). In der 20. Minute parierte der ehemalige Schalker Wulnikowski dann glänzend gegen Lewandowski. Zudem setzte Dortmunds Top-Torjäger Lucas Barrios freistehend einen Kopfball deutlich über das Offenbacher Tor (24.). Kurz vor der Pause klärte der gute Offenbacher Verteidiger Teixeira einen Schuss von Barrios gerade noch vor der Torlinie (39.).

Nach dem Seitenwechsel übernahm zunächst die Mannschaft von Trainer Wolf die Initiative. Während der BVB zunehmend seine Ordnung verlor, drängten die Offenbacher angetrieben von ihrem frenetischen Publikum auf den Führungstreffer. Dagegen gelang den Borussen zu Beginn des zweiten Abschnitts so gut wie gar nichts mehr. Zahlreiche Fehlpässe prägten nun das Spiel der Gäste. Und auch bei den wenigen Standardsituationen strahlte die Klopp-Elf keine Torgefahr aus.

Elfmeter-Krimi verloren, Revanche misslungen, Achtelfinale verpasst: Die Pokalträume von Bayer Leverkusen sind geplatzt. Die Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes verlor nach dem 3:6 in der Liga das Pokal-Duell bei Borussia Mönchengladbach 4:5 im Elfmeterschießen. Den entscheidenden Elfmeter vor 34.517 Zuschauern verwandelte der Belgier Filip Daems. Nach 90 Minuten hatte es 0:0 gestanden. Eren Derdiyok hatte Leverkusen in der Verlängerung in Führung gebracht (107.), doch Mohamadou Idrissou gelang fast postwendend der Ausgleich (109.).

Der dreimalige Pokalsieger aus Gladbach zog damit erstmals seit der Saison 2003/2004 wieder ins Achtelfinale des DFB-Pokals ein und feierte den ersten Heimsieg gegen Bayer seit April 1992. Damals behielt die Borussia im Pokal-Halbfinale ebenfalls im Elfmeterschießen die Oberhand.

"Es freut mich, dass ich meinen Teil dazu beitragen konnte. Das war ein toller Abend und ein großer Kampf. Jetzt müssen wir den Schwung in die Liga mitnehmen", sagte VfL-Torhüter Christofer Heimeroth, der den Elfmeter von Patrick Helmes pariert hatte. In der regulären Spielzeit hatte Helmes bereits einen Strafstoß neben das Tor geschossen (63.).

"Wir haben in der Verlängerung geführt, das mussten wir ausspielen. Aber so ist der Fußball", erklärte Simon Rolfes die Leverkusener Niederlage. "Wir haben uns den Sieg redlich verdient und sind überragend zurückgekommen", analysierte Gladbachs Tobias Levels.

Superjoker Martin Harnik hat den wackelnden VfB Stuttgart mit einem Dreierpack vor einer Riesenblamage bewahrt. Der Experte für entscheidende Tore führte die Schwaben im DFB-Pokal beim Viertligisten Chemnitzer FC zu einem mühevollen 3:1 (1:1, 0:0)-Sieg nach Verlängerung und damit ins Achtelfinale.

Der österreichische Nationalspieler traf 180 Sekunden nach seiner Einwechslung mit dem ersten Ballkontakt zum 1:1 (79.), legte in der 106. Minute nach und setzte auch den Schlusspunkt (119.). Schon in der Europa League und der Bundesliga hatte der 23-Jährige einige ganz wichtige Jokertore erzielt. "Zum Glück kam er rein und hat das Spiel noch gedreht", sagte der erleichterte Teamkollege Serdar Tasci.

Der CFC wurde für eine kämpferisch überragende Leistung vor 17.145 Zuschauern im Stadion an der Gellertstraße nicht belohnt. Der Spitzenreiter der Regionalliga Nord war durch Benjamin Förster (73.) in Führung gegangen und quälte die Stuttgarter bis zur letzten Minute, obwohl Kapitän Andreas Richter in der 95. Minute wegen einer Notbremse gegen Pawel Pogrebnijak die Rote Karte sah. Der VfB hätte sich die Verlängerung ersparen können - aber Ciprian Marica schoss beim Stand von 0:0 einen Foulelfmeter nur an den Pfosten (72.).

Im Aufbau agierten die Stuttgarter viel zu nervös und luden die Gäste durch viele Abspielfehler immer wieder zu Gegenstößen ein. Vor allem der Chemnitzer Chris Löwe sorgte mit seinen gefährlichen Flanken (10./15) für Gefahr. In der 42. Minute wurde allerdings ein Treffer des Stuttgarters Timo Gebhart nicht gegeben, da Marica zuvor im Strafraum ein Foul begangen hatte. Kurz zuvor hatte Pogrebnijak einen Kopfball neben das Tor gesetzt.

Im zweiten Durchgang hatte der Europa-League-Teilnehmer Oberwasser, doch im Spiel der Gäste fehlte die ordnende Hand. Lediglich nach Einzelaktionen wurde der VfB gefährlich. In der 47. Minute war es erneut Marica, der zum dritten Mal in Pentke seinen Meister fand.

1. FC Nürnberg ist trotz einer glanzlosen Vorstellung im DFB-Pokal weiter in der Erfolgsspur. Die Franken, die zuletzt sechs Punkte aus drei Ligaspielen holten, gaben sich beim Viertligisten SV Elversberg keine Blöße und zogen durch ein 3:0 (1:0) ins Achtelfinale ein.

Julian Schieber (43.), Javier Pinola per Strafstoß (50.) und Timmy Simons (74.) erzielten die Treffer für den viermaligen Pokalsieger. Die Saarländer, die in der ersten Runde Hannover 96 aus dem Wettbewerb geworfen hatten, waren diesmal kein ernsthafter Gegner für den Erstligisten.

"Ich bin insgesamt mit dem Spiel zufrieden", sagte Club-Trainer Dieter Hecking. "Wir waren uns im Klaren, dass das eine schwere Geburt wird. Dann ist es wichtig, dass man ein Tor macht, das haben wir zum richtigen Zeitpunkt gemacht. Wir müssen in der Bundesliga nicht so oft das Spiel machen", erklärte der Coach.

Quelle: sid/fb
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