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13.09.10

Eisschnelllauf

Claudia Pechstein erleidet Nervenzusammenbruch

Die gesperrte Berliner Eisschnellläuferin Claudia Pechstein hat einen Nervenzusammenbruch erlitten. Anlass war offenbar ein Brief des Bundesinnenministeriums.

© AP
Claudia Pechstein
Claudia Pechstein hat sich in psychologische Behandlung begeben

Die Karriere der fünfmaligen Olympiasiegerin Claudia Pechstein steht vor dem Ende. Nach Informationen von Morgenpost Online hat die derzeit wegen erhöhter Blutwerte gesperrte Eisschnellläuferin einen Nervenzusammenbruch erlitten. Wie ihr Manager Ralf Grengel bestätigte, hat sich die 38-jährige Berlinerin deshalb in psychologische Behandlung begeben.

Auslöser für den Zusammenbruch war nach Angaben von Grengel eine Nachricht, die sie vom Bundesinnenministerium (BMI) erhalten hat. Ihr Antrag auf Sonderurlaub – Pechstein ist als Polizeihauptmeisterin bei der Bundespolizei angestellt – wurde abgelehnt. Zudem wurde ihr mitgeteilt, dass die Mediziner des BMI für sie einen Plan zum Abtrainieren erstellen würden.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte schon Mitte August angekündigt, dass die Sportlerin nach der Einstellung des Disziplinarverfahrens umgehend zum Dienst erwartet wird. Pechstein wollte aber mindestens noch die für Mitte bis Ende September avisierte Entscheidung des Schweizer Bundesgerichts im Revisionsverfahren abwarten, in dem es um ihre Sperre geht. De Mazière machte auch deutlich, dass er davon ausgeht, Pechsteins Karriere sei beendet. Die Sportlerin hatte allerdings kurz zuvor angekündigt, nach Ablauf ihrer Sperre bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi antreten zu wollen.

Chronologie des Falls Claudia Pechstein
7. Februar 2009
Pechstein bestreitet bei der Mehrkampf-WM in Hamar ihren bislang letzten Wettkampf. Danach informiert sie der Weltverband ISU über ihre „abnormal überhöhten" Retikulozytenwerte. Pechstein reist unter dem Vorwand eines Infekts ab.
3. Juli
Die ISU sperrt Pechstein anhand von Indizien und ohne Dopingnachweis „wegen Blutdopings" für zwei Jahre bis zum 9. Februar 2011. Pechstein beteuert auf ihrer Homepage ihre Unschuld.
7. Juli
Die Bundespolizei leitet ein Disziplinarverfahren gegen Pechstein ein. Sie muss um ihren Beamtenstatus bangen.
20. Juli
Pechstein darf nicht mehr an offiziellen Trainingseinheiten der DESG teilnehmen. Der Verband muss sich an einen entsprechenden Passus im WADA-Code halten. Pechsteins Anwalt spricht von einem „irreparablen Schaden" und legt Einspruch ein.
6. August
Pechstein verkündet auf einer mit Spannung erwarteten Pressekonferenz in Berlin, dass sie sich unter Aufsicht der NADA einer mehrwöchigen Kontrolle unterziehen lassen will. Sie wirft der ISU eklatante Verfahrensfehler vor.
4. September
Der CAS reagiert auf Pechsteins Eilantrag, bestätigt die Wettkampfsperre, lässt Pechstein aber ab sofort wieder an offiziellen Trainingseinheiten der DESG teilnehmen. Pechstein schließt sich der Männer-Nationalmannschaft unter Trainer Bart Schouten an.
20. September
Die ISU verkürzt überraschend den Anklagezeitraum. Statt 14 Blutproben seit 2000 sind nun nur noch 4 Proben seit Oktober 2007 relevant.
21. Oktober
Pechstein erklärt, dass Mediziner bei ihr „deutliche Hinweise" auf eine Blutanomalie gefunden hätten.
25. November
Der CAS bestätigt in Lausanne das Urteil der ISU. Damit bleibt Claudia Pechstein für zwei Jahre bis zum 9. Februar gesperrt.
8. Dezember
Das Schweizer Bundesgericht gibt dem Eilantrag von Claudia Pechstein statt und ermöglicht ihr damit den Weltcup-Start in Salt Lake City.
11. Dezember
Claudia Pechstein belegt im 3000-m-Rennen in Salt Lake City den 13. Platz und verfehlte damit die Olympianorm. Dennoch nominiert sie die DESG wenig später für die olympischen Teamrennen, wofür Pechstein keine Norm benötigt.
10. Februar 2010
Das Schweizer Bundesgericht lehnt endgültig die Beschwerde Pechsteins gegen das CAS-Urteil vom 25. November ab.
18. Februar
Die Ad-hoc-Kammer lehnt Pechsteins Antrag ab und beendet damit de facto die olympische Karriere der fünfmaligen Olympiasiegerin.
4. März
Das Haus von Pechstein wird von der Staatsanwaltschaft und dem Bundeskriminalamt nach Hinweisen durchsucht worden.
15. März
Führende deutsche Hämatologen bescheinigen Pechstein eine genetisch bedingte Blutanomalie. Die hohen Retikulozyten-Werte bei Pechstein seinen auf eine erblich bedingte Störung (Sphärozytose) und nicht auf Doping zurückzuführen.
16. März
Pechstein stellt beim Schweizer Bundesgericht einen Eilantrag auf eine teilweise Aussetzung ihrer Dopingsperre bis zum endgültigen Urteilsspruch.
16. Juni
Pechstein gibt die Trennung von Ehemann Marcus Bucklitsch bekannt.
23. Juli
Ihr Sponsor Matthias Große ist der neue Mann an Pechsteins Seite.
16. August: Pechstein darf ihren Job bei der Bundespolizei endgültig behalten. Das gegen sie eingeleitete Disziplinarverfahren wird eingestellt.
13. September
Pechstein erleidet einen Nervenzusammenbruch.
Quelle: sid
Quelle: BMO
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