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09.09.10

Neue Fifa-Regeln

Nach der WM – Blatter will Verlängerung abschaffen

Fifa-Präsident Sepp Blatter will in Zukunft Erlebnis- statt Ergebnisfußball und macht sich weitreichende Gedanken über neue Regeln.

AP

Joseph Blatter ist wahrscheinlich der bekannteste Schweizer nach Wilhelm Tell. Er war bereits seit Beginn der 80er Jahre als Generalsekretär des Fußball-Weltverbandes der Macher in der Fifa-Schaltzentrale in Zürich und neben seinem Mentor João Havelange, den er 1998 als Präsident abgelöst hatte, der mächtige Mann des größten Sportverbandes der Welt. Ohne Blatter läuft nichts mehr im Weltfußball.

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Größere Tore für alle, knappere Höschen für kickende Damen, silberne und goldene Tore: Fifa-Boss Joseph S. Blatter hat die Fußball-Welt schon mit vielerlei merkwürdigen Vorschlägen in Aufruhr versetzt. Er will Erlebnis- statt Ergebnisfußball und trägt seine jüngste Vision fortdauernd und mit einiger Vehemenz vor – wie jetzt auf der Internetseite des Weltverbandes.

Bei der WM in Südafrika seien viele Teams nur darauf aus gewesen, nicht zu verlieren, klagte Blatter: "Das ist eine Problematik, die ich auf den nächsten Sitzungen zur Diskussion stellen werde." Wohin die Diskussion führen soll, hat er auch gleich verraten: Zur Beseitigung der Verlängerung, zur Wiedereinführung des "Golden Goal" - und damit in letzter Konsequenz zur Tilgung des Remis' aus den Ergebnislisten. All das, meinte Blatter, seien "mögliche Optionen".

Der Welt oberster Fußballer will die mitunter allzu langweiligen WM-Kicks "entkrampfen" - und sich offenbar dem Vorwurf erntgegenstellen, er tue nichts, um das Spiel zukunftsfähiger zu machen. Das hier drängendste Thema Video-Beweis allerdings spielt in den Überlegungen des Schweizers keine Rolle. Dass er den für Teufelszeug hält, hat er oft genug betont. Der Chip im Ball, die Torkamera - das ist das höchste der Gefühle. Über diese Neuerung soll noch in diesem Jahr diskutiert werden. Und über Blatters Feldzug gegen das Unentschieden.

Gespräch mit Beckenbauer

Blatter wird seine Idee mit der Technischen und der Fußball-Kommission der Fifa besprechen, "um geeignete Lösungen zu finden". Zudem hat er ein Gespräch mit Franz Beckenbauer angekündigt, der als Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees bei möglichen Neuerungen ein Wörtchen mitreden soll. Über die Gestaltung der Arbeitskleidung von Fußballerinnen wird dann aber nicht mehr gesprochen werden, auch wenn die Hosen-Länge einst eines von Blatters Lieblingsthemen war. Letztes Wort in Sachen Regeländerung hat das Fifa-Board mit Mitgliedern aus England, Wales, Schottland und Nordirland sowie vier weiteren Fifa-Vertretern.

Dass sich Blatter plötzlich um den Spaß am Fußball schert, verwundert doch ein wenig - in seiner Amtszeit wurde schließlich allzu ausgelassener Torjubel verboten. Wer es wagt, sich nach einem Treffer seines Trikots zu entledigen, wird von Blatters ironiefreien Helfershelfern mit Gelb bestraft. Auch, dass die Nationalmannschaft aus Kamerun ihrer Arbeit in Einteilern nachgehen wollte, fand Blatter unpassend - und verbot es. Genau wie Fußball in zu hoher Höhenlage oder das automatische Startrecht des WM-Titelverteidigers.

"Die Essenz sind die Tore"

Der neueste Vorstoß des ehemaligen Mittelstürmers, das immerhin, zeugt von einer gewissen Konsequenz. "Die Essenz sind die Tore", sagt er gerne - und die will er öfter sehen. Es darf allerdings bezweifelt werden, dass ein drohendes Elfmeterschießen zu einer Torflut führt. Im Hockey beispelsweise haben sich einige Teams auf die Penalty-Lotterie spezialisiert - und spielen seither gegen stärkere Konkurrenz gerne mal auf ein 0:0. Auch, dass das "Golden Goal", als es noch praktiziert wurde, niemanden begeisterte, kümmert Blatter nicht.

Sollte er mit seinen Ideen scheitern, wird ihm sicher bald etwas anderes einfallen. Auf der Internetseite der Fifa ließ er ankündigen, "in regelmäßigen Interviews" neue Gedanken äußern zu wollen. Schließlich, so sagte er unlängst, habe er "eine Mission zu erfüllen. Und diese Mission ist noch nicht beendet." Es klang wie eine Drohung.

Quelle: sid/fb
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