Sportereignis
Triathlon sorgt für Begeisterung am Wannsee
Der BerlinMan - Berlins Triatholon-Megaevent - hat am Sonnabend Tausende in Wannsee begeistert. Die Extremathleten kamen mal wieder in den Genuss der Kulisse des Strandbades.
Von Alexandra Gross
Ruhig spiegelt sich die Morgensonne auf der Wasseroberfläche des Wannsee. Nur vereinzelt liegen zu dieser frühen Stunde Badegäste im Sand, die große Rutsche des Strandbads ist noch völlig verwaist. Dann aber tauchten sie auf, zunächst so klein wie Stecknadelköpfe. Mit voller Kraft pflügen sich die Teilnehmer des BerlinMan durch die Fluten, ihre Köpfe mit den bunten Badekappen werden immer größer sichtbar. Und dann kommt sie, die härteste aller Wechselzonen in Deutschland. 98 Stufen müssen die Triathleten bewältigen, um zum Radfahren zu wechseln. Mit Trommeln, Rasseln und Megaphonen feuern die Zuschauer die Athleten auf dem steilen Weg nach oben an.
"Die Kulisse des Strandbads Wannsee, Europas größtem Binnenstrandbads, ist einmalig schön", jubiliert Sven Alex, Präsident der Berliner Triathlon-Union (BTU) und einer von drei Rennleitern der Veranstaltung, "die Besucher können das Spektakel hautnah verfolgen, auch im Bereich Start, Ziel und Wechselzone." Alex, selbst aktiver Triathlet, ist stolz auf den Event im Grunewald. Der BerlinMan, der heute mit der Mitteldistanz – 2,2 km Schwimmen, 90 km Radfahren, 20 km Laufen – seinen sportlichen Höhepunkt erlebt (Start ab 8.00 Uhr), ist die größte Triathlon-Veranstaltung in der Region Berlin-Brandenburg. "Mich begeistert dieses Breitensportengagement", sagt Klaus Böger, Präsident des Landessportbundes (LSB), der gestern den Start des Jedermenschtriathlons über die Sprintdistanz (0,75 km Schwimmen, 24 km Rad, 5 km Laufen) mitverfolgte, "jeder, der hier teilnimmt, hat schon gewonnen."
Da sah Thorsten Grandke freilich etwas anders. Beim letzten BerlinMan 2008 hatte der 42-jährige Arzt über die Mitteldistanz triumphiert, Am Samstag holte sich der gebürtige Berliner in 1:07,43 Stunden den Sieg über die Sprintdistanz. Warum er dieses Mal die kürzere Strecke gewählt hat? "Weil ich am Sonntag arbeiten muss." Im Krankenhaus in Münster. Mit 30 Jahren erst kam Grandke zum Triathlon, mit Schwimmen fing alles an, dann kamen Radfahren und Laufen dazu. Heute kann er nicht mehr ohne den Mehrkampf leben. "Triathlon ist für mich zu einer Lebenseinstellung geworden, ja, es ist ein Lebensgefühl und hat großes Suchtpotenzial."
Triathlon boomt
Und es ist eine Sportart mit Zukunft. 20 Prozent betrug die Zuwachsrate im vergangenen Jahr in Deutschland, Tendenz steigend. Triathlon boomt, und das nicht erst seit dem sensationellen Olympiasieg von Jan Frodeno 2008 in Peking. "Triathlon ist an den Schulen sehr begehrt", weiß LSB-Boss Böger, "und das Gute daran ist, dass er alle Grundbewegungsarten in sich vereinigt." BTU-Chef Alex sagt: "Triathlon ist auch Jugendsport."
Der 10. BerlinMan jedenfalls ist komplett ausgebucht, und für viele ist das Spektakel heute über die Mitteldistanz der letzte Formtest für den Ironman auf Hawaii am 9. Oktober. So auch für den Berliner Stephan Aris, der sich bereits im letzten Jahr für den Ironman 2010 qualifizieren konnte. Zudem werden die Berlin-Brandenburger Meister in allen Altersklassen ermittelt. "Nach dem Aufgalopp am Samstag, starten am Sonntag die Profis", freut sich Sven Alex.
Wie am Samstag werden auch heute wieder hunderte von Zuschauern die Strecken säumen, dennoch hat der BerlinMan eher Familiencharakter. Während zum Beispiel der Hamburg City Man in Hamburg Weltcup-Status hat und rund 10.000 Teilnehmer sowie fast die ganze Stadt als Zuschauer an die Alster lockt, messen sich die Starter des BerlinMan am Rande der Hauptstadt. Kein Wunder, dass die Veranstalter den Wunsch haben, das Triathlon-Spektakel in die City zu verlegen. "Schwimmen in der Spree, ein Innenstadtkurs für Laufen und Radfahren über den Kudamm und die Wechselzone auf der Straße des 17. Juni – das ist unser Traum", sagt Sven Alex und unterfüttert ihn sogleich mit Argumenten: "Die Verlagerung in die Innenstadt würde zusätzliche Übernachtungszahlen bringen sowie einen Imagegewinn für die Stadt." Allerdings höre man leider oft, dass die Berliner Bevölkerung nicht noch mehr belastet werden dürfe. Denn ein Triathlon bedeutet auch Straßensperrungen. Das aber bleibt selbst am Strandbad Wannsee nicht aus.
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