Triathlon
Schaulaufen beim BerlinMan in Grunewald
Zum zehnten Mal findet am Wochenende am und im Wannsee der BerlinMan statt, der Berlin-Triathlon. Mit dabei: Achim Achilles, Deutschlands bekanntester Freizeitläufer. Er macht sich Gedanken über Überlebenschancen und gutes Aussehen beim Sport.
Von Achim Achilles
Gerade für die vom Grünen Ingwer-Tee leicht aufgeschwemmten Bewohner von Berlin-Mitte ist Triathlon die ideale Sportart. Es geht ja weniger um Bestzeiten, als vielmehr um die Chance, möglichst vielen Menschen möglichst lange zu zeigen, was man so alles besitzt. Und wo kriegt man ein besseres Publikum als beim BerlinMan am Wannsee an diesem Wochenende. Fast 1500 Teilnehmer, die jeder mindestens drei Mann Hilfspersonal mitbringen, idealerweise ist ein Rettungssanitäter darunter.
Perfekte Kulisse für ein sportliches Schaulaufen, das jeden Marathon toppt. Als ordinärer Läufer kann man nur Hose, Hemd und Schuhe zeigen, eventuell noch eine Pulsuhr, Kniestrümpfe, einen Getränkegurt mit iPhone-Halfter und ein naturgewalktes Stirnband. Der Triathlet dagegen braucht schon für zwei Bahnen im Schwimmbad dringend einen Neoprenanzug, der teurer ist als ein Dreiteiler im KaDeWe, die Spezialschwimmbrille mit Hai-Detektor und allerlei Trainings-Accessoires, die man im Winter sehr schön über die ganzen 12 Meter Ufer des Pools im Fitnessstudio ausbreiten kann. Und das Rennrad erst: Eine anständige Karbonkarre ist ja unter 6000 Euro praktisch nicht zu kriegen; die neuesten Modelle sollen vorn am Lenker schon einen iPad-Halter haben. Dann die Trinkflaschen mit bonbonbuntem Hochleistungstreibstoff, wobei man unbedingt auf die farbliche Abstimmung mit den schicken neuen Radschuhen achten sollte. Beim Gebrauch von Aero-Helmen, bekannt vom Zeitfahren der Tour de France, benötigen gerade Anfänger allerdings etwas Beratung. Beim letzten BerlinMan hatte doch tatsächlich ein Stratege den langen Helm mit der Spitze nach vorn aufgesetzt, womit er auf dem Rad aussah wie ein radelnder Rammbock. Bei Seitenwind kommt es zu unschönen Szenen, die durchaus tief im Grunewald enden können.
Die Überlebenschancen sind allerdings größer als die jenes Sportskameraden, der doch tatsächlich im Neoprenanzug versucht hat, seine Rennmaschine zu erklimmen. Zum Glück hielten ihn Helfer davon ab, sich freiwllig in rollendes Grillgut zu verwandeln. In der Gummipelle hätte ihn nach spätestens zwei Kilometern der Hitzetod erwischt. Dann kann man doch besser den Radhelm zum Laufen aufbehalten. Außer einer wochenlangen Nackenstarre ist von Folgeschäden nichts bekannt.
Wichtig für alle Teilnehmer: In den Wochen danach unbedingt nur sehr kurzärmelige Hemden tragen, die den Blick freigeben auf die Reste der Startnummer, die eilfertige Helfer am Start mit dem Edding auf den Oberarm gekritzelt haben. Dutzende von Freunden, Kollegen oder auch Fremden werden auf die schwarzen Reste deuten und fragen: "Iiih, was ist das denn?" Die coole Antwort sollte etwa lauten: "Was denn? Ach so, ja, das ist die Startnummer vom Triathlon, die geht so schlecht ab." Natürlich hat man die Nummer daheim schon fünfmal nachgezogen, damit sie noch ein bisschen länger hält. Die Bewunderung des ganzen Kiezes ist auf jeden Fall gesichert.
Feststeht: Materialschlacht ist eine der Grundvoraussetzungen für einen gelungen Triathlon, vor allem dann, wenn man ziemlich lange auf der Strecke ist. Wie auch beim Laufen gilt die goldene Regel: Wenn man schon elend lange unterwegs ist auf der Strecke, dann will man ja wenigstens gut aussehen.
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