Surf-Star Kelly Slater
"Wellen sind wichtiger als die meisten Frauen"
Der beste Wellenreiter der Geschichte will in dieser Woche seine Chance auf seinen zehnten WM-Titel wahren. Im Interview mit Morgenpost Online spricht der 35-jährige Kelly Slater über Todesgefahren, seine berufliche Zukunft und seine Freundin Cameron Diaz.
Vor einem Jahr entschied der beste Wellenreiter der Geschichte, der Amerikaner Kelly Slater, auf dem achten von zehn Weltmeisterschaftsturnieren den Titelkampf vorzeitig für sich. In diesem Jahr muss der Frauenliebling – er war mit "Baywatch"-Star Pamela Anderson sowie mit dem brasilianischen Topmodel Gisele Bündchen liiert – bei derselben Veranstaltung in Mundaka an der baskischen Atlantikküste darum kämpfen, seine letzte Chance auf die Titelverteidigung zu wahren: Landet der Weltranglistenzweite bis Sonntag allzu weit hinter dem derzeit führenden Australier Mick Fanning, ist die Hoffnung auf zehnten Titel und Rekord futsch.
Morgenpost Online: Ihre Fans sind schockiert: Es heißt, Sie zögen Ihr endgültiges Karriereende in Erwägung.
Kelly Slater: Viele Leute haben das gesagt. Nicht ich. Ich bin an dem Punkt, an dem ich entscheiden könnte, nicht mehr das ganze Jahr über an der WM teilzunehmen, sondern höchstens noch bei wenigen Veranstaltungen an den Start zu gehen. Ich habe noch so viele Ziele, zu denen ich einmal reisen will. Und filmen. Ich möchte an Surffilmen arbeiten. Dazu habe ich keine Zeit, solange ich Weltmeister werden will. Das verlangt so einen Aufwand, dass ich zwischendurch keine Zeit habe, meine Familie zu sehen und all das zu machen, was ich gern täte.
Morgenpost Online: Wie wichtig ist es Ihnen, mit dem zehnten WM-Titel noch den großen Jackpot Ihres Sponsors Quiksilver abzuräumen?
Slater: Jeder denkt, es gäbe diesen großen Jackpot. Ich weiß nicht, woher die Idee kommt. Soweit ich weiß, geben sie mir keine zehn Millionen Dollar, nur weil ich zehn Titel gewonnen habe. Vielleicht kann ich noch mal drüber verhandeln, aber Quiksilver und ich reden nicht darüber, wie viel Geld ich verdiene. Das hat nur jemand geschrieben, und alle haben beschlossen, es sei nun wahr.
Morgenpost Online: Was ist das für ein Gefühl, wenn Sie auf dem Board durch eine über Ihnen brechende Welle durch den Tunnel aus Meerwasser rauschen, als drohe der Ozean Sie gleich zu verschlingen?
Slater: Da denkst du nicht. Du fühlst, du reagierst nur auf das, was passiert. Du wirst Teil der Natur. Da ist es für Surfer als entdecktest du diesen Ort, von dem jeder weiß, dass er existiert, den aber bis vor 30, 40 Jahren noch nie jemand gefunden hat. Tausende Jahre haben Menschen an Stränden gesessen und nicht geahnt, dass es da draußen diesen kleinen Ort gibt, an dem du dich verstecken kannst. Wenn du in der Welle bist, versuchst du zu ermessen, wie schnell sie bricht und wie tief in ihr du bleiben kannst. Du versuchst abzuschätzen, was du tun musst, um die Welle zu schaffen. Die großartigen sind die, bei denen du nicht weißt, ob du es schaffst. Wenn du losfährst und denkst, du schaffst es nicht, und dann geht es doch.
Morgenpost Online: Sie ziehen den Kick aus der Angst um Ihr Leben?
Slater: Nein. Du kannst die Welle nicht beenden. Sie schmeißt dich.
Morgenpost Online: Drei Ihrer Freunde sind beim Surfen gestorben. Die Gefahr zeigt sich, ohne dass Sie Furcht spüren?
Slater: Sie sind nicht gestorben, als sie durch den Tunnel rasten. Sie wurden von Riesenwellen weggefegt. Das ist ein ganz anderes Risiko. Wenn du da reingehst, kannst du sterben, ertrinken oder was immer. Das Brett kann dich im Nacken treffen und du verblutest, oder es kann dich am Kopf treffen, du wirst ohnmächtig und ertrinkst. Du kannst auf der Straße vom Auto umgefahren werden. Es gibt Risiken im Leben, und du wählst bestimmte aus, von denen du meinst, dass du sie meistern kannst.
Morgenpost Online: Ihre im Wasser scheinen weniger leicht überschaubar: Jede Welle ist anders, sie wählen schon aus, während sie sich noch aufbaut. Außerdem drohen in vielen Ihrer Gewässer Haie plötzlich aus der Tiefe unerwartet anzugreifen.
Slater: Das Hai-Risiko kannst du nur mit der Statistik kalkulieren. Und die besagt, dass es gering ist. Viele Millionen Menschen schwimmen täglich in den Ozeanen, aber wahrscheinlich kommt es im Schnitt nicht einmal zu einem Hai-Angriff pro Tag auf der ganzen Welt. Aber es gibt auch Stellen, wo du besser nicht allein surfst oder vielleicht gar nicht. In der Nähe von Robben oder Flusseinmündungen etwa gibt es mehr Haie. Ich glaube, ich kann ganz gut mit Risiken umgehen. Ich hatte keine schweren Verletzungen über die Jahre, nur ein paar leichtere. Die Risiken beim Surfen sind für gewöhnlich kleinere Verletzungen oder die Möglichkeit zu ertrinken.
Morgenpost Online: Würden Sie einem Ihrer Freunde beipflichten, der behauptet, Sie seien ein Surfjunkie, dem Wellen wichtiger sind als Frauen?
Slater: Wahrscheinlich hat er Recht. Ich würde nicht sagen, dass das Surfen und die Wellen mir wichtiger sind als Menschen. Aber sie sind wohl wichtiger als die meisten Frauen in meinem Leben. Ausgenommen meine Mutter, meine Tochter und meine potenzielle Lebenspartnerin.
Morgenpost Online: Wie gehen Sie damit um, dass Ihr Umfeld und Ihr Privatleben an die Öffentlichkeit gezerrt werden, etwa wenn Ihre Mutter in den Medien damit zitiert wird, dass Sie mit der Hollywood-Schauspielerin Cameron Diaz befreundet sind?
Slater: Cameron ist eine Freundin von mir. Über die Freundschaft bin ich nicht peinlich berührt. Aber wenn Leute etwas daraus machen, was es nicht ist, geht es zu weit. Wenn die Leute annehmen, dass wir miteinander schlafen, nur weil wir Freunde sind, ist das wahrscheinlich ein bisschen übers Ziel hinaus geschossen. Leute, die mit berühmten Menschen befreundet sind, müssen lernen, dass es bestimmte Teile des Lebens gibt, die nicht privat bleiben können. Wenn dich das stört, darfst du nicht mit solchen Leuten rumhängen.
Morgenpost Online: Traditionell gelten Surfer eher als Eremiten, die an gefährlichen Stellen und Riffen leben, um auf Riesenwellen zu warten. Aufgrund Ihrer Persönlichkeit hat der Surfsport aber Riesenschritte der Kommerzialisierung erlebt. Wie beurteilen Sie Ihren Beitrag, als Star Ihren Sport zum an Hollywood angelehnten Geschäftsbetrieb mit Videospielen und Werbeszenerie entwickelt zu haben?
Slater: Surfen hat eine lange Geschichte in Filmen. Es fand in Filmen statt, lange bevor ich daher kam. Aber die soziale und kulturelle Akzeptanz ist wesentlich gewachsen. In den 70ern waren viele Surfer gesellschaftlich Außenseiter, sehr einsame Menschen, die von anderen nicht genervt werden wollten. Leute wählten es als Ausdruck von Freiheit und Rebellion gleichermaßen. Das ist Surfen immer noch. Aber die Menschen haben Gefallen gefunden an der Schönheit des Surfens, der Gesundheit, der Aufregung. Du kannst reisen. Wenn du den Lebensunterhalt mit Surfen verdienen kannst, ist das das beste Leben, das du dir vorstellen kannst.
















