VfL Wolfsburg
Ex-Herthaner Friedrich will "ganz oben" mitspielen
Fußball-Nationalspieler und Ex-Herthaner Arne Friedrich hat seinen Arbeit beim VfLWolfsburg angetreten und zum Sturm auf die Bundesliga-Spitze geblasen. Von Manager Dieter Hoeneß werden derweil noch mehr Verstärkungen erwartet.
Von Frank Schacht
Gemeinsam hielten sie das Trikot des VfL Wolfsburg hoch. Arne Friedrich, der prominente Zugang von Hertha BSC, sah dabei ganz glücklich aus. Dieter Hoeneß aber, der Vorsitzende der Wolfsburger Geschäftsführung, lächelte ein wenig gequält. Die Verpflichtung von Nationalverteidiger Friedrich, der das lukrative Angebot der Niedersachsen und einen Vertrag bis 2013 nicht ausschlagen mochte, darf für Hoeneß angesichts der finanziellen Möglichkeiten in Wolfsburg als Pflichtübung betrachtet werden. Wirklich verblüffende Transfers lassen noch auf sich warten. "Ich möchte wieder ganz oben mitspielen, wenn möglich in der Champions League", sagte Friedrich an seinem ersten Arbeitstag beim VfL. Damit das zeitnah klappt, müssen die Wolfsburger an ihrem ohnehin sehr teuren Kader aber möglichst bald noch die eine oder andere Veränderung vornehmen.
Was auch immer Hoeneß in Wolfsburg anstellt: Seine Arbeit wird nach seiner Tätigkeit für Erstliga-Absteiger Hertha BSC nicht nur aus der Hauptstadt mit kritischen Augen betrachtet. Kurz nach seinem Amtsantritt Anfang des Jahres ordnete der 57-Jährige die Trennung vom erfolglosen Trainer Armin Veh an. Seitdem wartet man in Wolfsburg voller Spannung darauf, wie die elementaren Abwehrprobleme einer Mannschaft gelöst werden, die vor gut einem Jahr noch zur Deutschen Meisterschaft gestürmt war. "Arne Friedrich war schon bei Hertha BSC ein Führungsspieler. Er wird das auch in Wolfsburg sein", glaubt Hoeneß. Mit der Verpflichtung des 31-Jährigen korrigiert der VfL-Boss auch seinen ersten Fehlschlag auf dem Transfermarkt. Still und heimlich ist der Innenverteidiger Rever abgeschoben worden. Seine Bilanz, fünf Millionen Euro gekostet, aber innerhalb eines halben Jahres nur 14 Minuten gespielt zu haben, ist ernüchternd. Dass der überforderte Brasilianer an Atletico Mineiro weitertransferiert werden musste, gehört nicht zu den Lieblingsthemen des selbstbewussten Hoeneß.
Der Sommer nach der WM in Südafrika mit seiner langen Spielpause wird für Hoeneß zum Balanceakt. Sein Auftrag vom Wolfsburger Hauptsponsor Volkswagen, aus dem kleinen VfL auf Dauer eine große Nummer des Fußballs zu machen, erfordert Verhandlungsgeschick. "Man kann nicht jeden Tag vor Stolz platzen", hieß es vor kurzem noch, als Hoeneß gefragt wurde, ob er die Gerüchte über eine Wolfsburger Verpflichtung von Michael Ballack als Aufwertung des Autobauerklubs verstehe. Wie die Sache endete, ist bekannt: Ballack entschied sich trotz einer äußerst verlockenden VfL-Offerte für Bayer Leverkusen. Dass Hoeneß dem Wunsch der VW-Oberen nicht nachkommen konnte, einen der besonders prominenten Nationalspieler von ihrer Stadt und ihrem Verein zu überzeugen, soll ihm Minuspunkte eingebracht haben.
McClaren fordert Verstärkungen
Es gehört zu den Aufgaben von Hoeneß, an langfristig angelegten und professionellen Strukturen für den VfL zu arbeiten. Kurzfristig wird von ihm aber ebenso erwartet, dass sich in der Tabelle ablesbarer Erfolg einstellt. Der neue Wolfsburger Trainer Steve McClaren macht kein Geheimnis daraus, dass er zwar über einen großen, aber für die Rückkehr an die Tabellenspitze nicht ausreichend guten Kader verfügt. Der Brite verlangt von Hoeneß nicht nur, dass er die abwanderungswilligen Edin Dzeko und Zvjzedan Misimovic bei Laune hält, sondern fordert weitere Verstärkungen.
Hoeneß bleibt für beides nur wenig Zeit. Das bockige Verhalten von Dzeko und Misimovic belastet das Klima innerhalb der Mannschaft. Die Aussicht darauf, dass der eine oder andere Spieler bald seinen Arbeitsplatz verliert oder einen neuen Rivalen vor die Nase gesetzt bekommt, lähmt das bisherige Miteinander. Hoeneß wird beweisen müssen, dass er Spieler nicht nur mit Geld, sondern auch dank einer Mischung aus gutem Konzept und richtigem Tonfall zum VfL lotsen kann.
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