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Leichtathletik

Berliner Schlangen gelingt EM-Silbercoup

Der Berliner Carsten Schlangen hat den größten Erfolg seiner Karriere gefeiert und beim überraschenden EM-Silber über 1500 Meter seine erste internationale Medaille gewonnen.

Leichtathletik EM - 1500 Meter
Foto: dpa/DPA
Der Berliner Carsten Schlagen hat die Wiederbelebung des totgesagten deutschen Laufbereichs mit seinem sensationellen Silbermedaillen-Gewinn über 1500 Meter bei der Leichtathletik-EM in Barcelona fortgesetzt

Mit weit aufgerissenen Augen, den rechten Zeigefinger schon vor der Linie in die Höhe gereckt, lief einer ins Ziel, den niemand auf dem Zettel gehabt hatte. Im letzten Wettkampf des Europameisterschaftabends, dem Finale über 1500 Meter, sorgte Carsten Schlangen am Freitag für die Sensation. Der Berliner holte sich mit einer bärenstarken letzten Runde völlig überraschend Silber.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat ihm gratuliert. Der Politiker sagte am Sonnabend, Schlangen habe eine „großartige Leistung“ gezeigt. Wowereit habe imponiert, wie selbstbewusst und offensiv der Sportler seine „Außenseiterchance“ genutzt habe. Seine Silbermedaille gereiche der Sportstadt Berlin zur Ehre.

Damit gewannen die Athleten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) am vierten Tag in Barcelona einen kompletten Medaillen-Satz: Gold gewann Betty Heidler (Frankfurt/Main) mit einem ebenso abgeklärten wie souveränen Wettkampf im Hammerwerfen. Zuvor hatten bereits Silke Spiegelburg (Leverkusen) und Lisa Ryzih (Ludwigshafen) für Silber und Bronze im Stabhochsprung gesorgt.

Schlangen (29) hat sich als schlauer Taktiker erwiesen. Lange Zeit lief er im vorderen Drittel des Pulks mit. Als das Tempo 500 Meter vor dem Ende kräftig anzog, konnte er mithalten. Auf der Zielgeraden legte er einen formidablen Sprint hin und holte in 3:43,52 Minuten Silber hinter Arturo Casado (Spanien/3:42,74). Dessen Landsmann Manuel Olmedo (3:43,54) musste sich im Fotofinish hinter dem Berliner mit Rang drei begnügen.

Alle waren überrascht. „Wer hätte Silber durch Carsten Schlangen erwartet“, fragte DLV-Präsident Clemens Prokop – nur der Medaillen-Gewinner nicht.

Der hatte in der Vorbereitung analysiert, dass es auf seiner Distanz in Europa derzeit keinen überragenden Athleten gibt. Alles deutete auf ein Spurtrennen hin. „Da gab es sechs Leute, die für den Sieg in Fragen kamen“, erzählte Schlangen später. Also hatte er intensiv an der Beschleunigung auf den letzten 70 Metern gearbeitet. „Und das hat sich ausgezahlt.“

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Medaillenspiegel nach allen 47 Wettbewerben

Im Hammerwurf bewies Betty Heidler einmal mehr ihre mentale Stärke. Dabei gelang der Russin Tatjana Lysenko mit 74,63 Meter im ersten Versuch einen beeindruckenden Start in den Wettkampf. „Da habe ich gedacht: Jetzt muss ich einen nachlegen“, erzählte Heidler. Im zweiten Versuch ließ sie den Hammer auf ihre Saisonbestweite von 75,92 Meter fliegen. Die Topleistung im wichtigsten Wettbewerb des Jahres. Danach setzte sich Heidler erst einmal für fünf Minuten hin und beobachtet ungerührt die Konkurrenz.

Lysenko kam langsam heran (75,65 Meter), aber von Nervosität war bei der Frankfurterin keine Spur. Ihre Körpersprache signalisierte: Ich bin mir meiner Sache sicher. Im fünften Versuch verbesserte sie sich auf 76,38 Meter. Strahlend verließ Heidler den Ring. Und dann lief sie unruhig hin und her. Was würde die Konkurrenz noch reißen? Nichts.

Später nahm sie sichtlich gelöst Gratulationen entgegen. Und antwortete auf die Frage, ob sie jetzt das Projekt „Olympiasieg 2012 in London“ angreife, selbstbewusst: „Das Projekt hat schon längst begonnen.“

Gemischte Gefühle gab es allerdings bei Spiegelburg und Ryzih, die mit jeweils übersprungenen 4,65 Metern sich über Silber und Bronze erst einmal nicht so richtig freuen konnten. Weil beide wussten, dass die Chance noch nie so groß war wie diesmal, Europameisterin zu werden. Aber die Beste war die Russin Swetlana Feofanowa mit 4,75 Metern. Spiegelburg ärgerte sich: „Ich konnte meine Technik nicht richtig abrufen.“ Erst langsam löste sich die Spannung – dann strahlten die beiden doch noch. Vor allem die 21-jährige Ryzih („Ich konnte nicht mehr“) schien alles gar nicht so richtig zu begreifen.

„Extrem zufrieden“ war der Berliner Andre Höhne nach Platz sieben über 50 Kilometer Gehen. Dabei präsentierte sich der Mann vom SCC wieder einmal als großer Kämpfer. Er hielt trotz Oberschenkel- und Magenproblemen durch. Nach der Hälfte der Strecke hatte der 32-Jährige auf dem zwölften Rang gelegen, kämpfte sich aber trotz aller Widrigkeiten noch einige Plätze nach vorne.seb

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