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11.07.10

DFB-Zukunft

Löw verlängert Vertrag nur zusammen mit Bierhoff

Erst ein paar Tage ausspannen, dann Entscheidung über die Zukunft: Bundestrainer Löw lässt sich von niemandem unter Druck setzen.

Getty Images/Getty

Die deutsche Mannschaft präsentiert sich im Spiel um den dritten Platz gegen Uruguay mit ungewohntem Gesicht. Miroslav Klose bleibt verletzt auf der Bank, für ihn spielt Cacau. Außerdem: Butt für Neuer, Aogo für Lahm und Jansen für Podolski.

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Theo Zwanziger wurde seine Medaille einfach nicht los. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes stand am Ende einer prominent besetzten Reihe auf dem Podest im Nelson-Mandela-Bay-Stadion, auf dem nach dem Spiel um Platz drei die siegreichen deutschen Spieler geehrt wurden. Vor Zwanziger hatten sich Fifa-Präsident Sepp Blatter, Bundespräsident Christian Wulff und Südafrikas Staatschef Jacob Zuma platziert, und die verliehen die bronzenen Plaketten in einem Tempo, dass dem DFB-Boss nicht mehr blieb, als jeden Spieler und Betreuer zu umarmen, der frisch dekoriert an ihm vorüber kam. Für seine Medaille fand er erst einen Abnehmer, als der Bundestrainer das Podium betrat.

Ganz hinten hatte sich Joachim Löw eingereiht, und endlich konnte auch der Verbandspräsident zur Tat schreiten. Fast wirkte es einen Augenblick so, als ob Löw ihm die Auszeichnung aus der Hand nehmen und sie sich selbst umhängen wollte. Doch diesen symbolischen Akt ließ sich Zwanziger nicht nehmen. Er streifte das Stoffband über den Kopf des Bundestrainers und drückte ihn anschließend so innig an sich, dass Löw ihm dabei etwas hilfesuchend über die Schulter schaute.

Es war die vorerst letzte öffentliche Charme-Attacke auf seinen leitenden Angestellten, die Theo Zwanziger nach dem 3:2-Sieg gegen Uruguay startete. Sonntagabend flog die deutsche Nationalmannschaft nach Hause, und nun wird es ernst für den Fußballbund. In den kommenden Tagen werden sich die Verbandsführer mit der Chefetage der DFB-Auswahl zusammensetzen und ausloten, ob die Verträge von Löw, seinen Assistenten Hans-Dieter Flick und Andreas Köpke sowie Teammanager Oliver Bierhoff verlängert werden.

Der Fußballverband als Arbeitgeber ist dabei auf dem Papier in der stärkeren Position, nach der starken WM aber längst zum Bittsteller geworden. Mit Engelszungen warb Zwanziger während der WM um Löws Gunst. Auch gestern betonte er noch einmal: "Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, mit dem Bundestrainer weiterarbeiten zu wollen." Löw jedoch ließ auch dieses Werben erst einmal an sich abprallen. "Ich kenne mich", sagte er, "ich spüre nach so einem Turnier immer eine gewisse Leere in mir. Darum werde ich die Entscheidung, ob ich weitermache, nicht aus den momentanen Emotionen heraus treffen, sondern erst einmal ein paar Tage ausspannen." Er müsse sich die Frage stellen, ob er noch Visionen habe und die Kraft und Energie, um die Mannschaft weiter voranzutreiben.

Andererseits war sein Lob für die Mannschaft gestern so überschwänglich, dass es schon erstaunlich wäre, wenn er ähnlich wie sein Vorgänger Jürgen Klinsmann 2006 angesichts des dritten Platzes alles hinschmeißen würde. Die Mannschaft ist jung, der Teamgeist intakt und die Perspektiven glänzend. Die Art, in der die deutschen Spieler im Spiel gegen die Uruguayer nach einem 1:2-Rückstand die Partie drehten, lässt auf große Moral schließen – von den Kantersiegen gegen England und Argentinien gar nicht zu reden. "Ich muss der Truppe aus tiefstem Herzen meinen Dank aussprechen. Die Spieler haben sich wie Champions verhalten, ihr Auftreten war weltmeisterlich", sagte Löw.

In den kommenden Jahren wird es Aufgabe der sportlichen Leitung sein, die Distanz zur absoluten Weltklasse zu verringern, die derzeit vor allem von Spanien repräsentiert wird, gegen die Deutschland im Halbfinale 0:1 verlor. "Der Wandel hin zu einer einheitlichen Philosophie und damit zum kontinuierlichen Einspielen hat bei den Spaniern schon vor drei Jahren stattgefunden. Bei uns hat sich gerade erst eine junge Mannschaft gefunden, die sich noch weiterentwickeln und spielerische Automatismen entwickeln kann wie die Spanier", sagte Mittelfeldspieler Marcell Jansen nach dem Uruguay-Spiel. Das Potenzial des Teams, räumte auch Bastian Schweinsteiger ein, sei enorm: "Aber jeder von uns muss sehr hart arbeiten und den Willen haben, sich zu verbessern. Dann können wir zu einer sehr, sehr guten Mannschaft werden", sagte er der "Welt am Sonntag".

Was also sollte Joachim Löw bei diesen Perspektiven abhalten von der Unterschrift unter das neue Arbeitspapier, das aller Voraussicht nach bis nach der Europameisterschaft 2012 datiert sein wird? Er wird einige Forderungen stellen, zum Beispiel wird es über die Zuständigkeit über die U21-Nachwuchsmannschaft verhandelt werden, die pro forma in den Einflussbereich des DFB-Sportdirektor Matthias Sammer fällt. Außerdem will Löw nach Morgenpost Online-Informationen nur als Team verlängern, also inklusive des beim DFB umstrittenen Manager Bierhoff.

Der allerdings wird sich genau anschauen, wie er zukünftig im DFB betrachtet werden wird. Er möchte nicht wohlgelitten, sondern voll akzeptiert sein. "Ich werde nach den bewegten Wochen einige Tage ausspannen. Dann werde ich mich mit meiner Familie und Löw beraten und entscheiden. Mit Alternativen habe ich mich aber noch nicht beschäftigt", sagte Bierhoff.

Einen weiteren Beweis für die große Zuneigung, die Löw derzeit entgegenschlägt, erbrachte gestern Christian Wulff. Der Bundespräsident überbrachte dem Trainer die frohe Botschaft, ihn mit dem Bundesverdienstorden auszuzeichnen. Für die Spieler habe er das Silberne Lorbeerblatt in petto, sollte Theo Zwanziger ihn offiziell um diese Auszeichnung bitten. Der DFB-Präsident ließ daran keinen Zweifel.

Zu den sportlich erfreulichen Zahlen – immerhin gewann Deutschland fünf der sieben WM-Spielen und schoss dabei 16 Treffer – gesellten sich gestern auch wirtschaftliche. Die WM hat den DFB insgesamt rund 19 Millionen Euro gekostet und dabei einen Überschuss von zwei Millionen Euro beschert, sagte Generalsekretär Wolfgang Niersbach Morgenpost Online. Jeder Nationalspieler wird für das Erreichen des dritten Platzes 100.000 Euro Prämie kassieren. Das Urlaubsgeld der WM-Dritten ist auf jeden Fall weltmeisterlich.

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