WM 2010
Leere Stadien – Die Fifa hat sich verrechnet
Mit 50.000 Fans im Schnitt sind die Stadion der bisherigen WM-Spiele gut besetzt. Die von der Fifa angepeilten Rekordzahlen werden aber deutlich verfehlt.
Sexy Aufreger am Rande der Fußball-WM – die Fifa hat 34 holländische Fans wegen des Verdachts der Schleichwerbung drei Stunden lang festgehalten und vernommen.
Der sonst so perfekt funktionierende Fifa-Apparat hat sich bei der Ticketfrage für die Fußball-WM in Südafrika mächtig verrechnet. Allen Versicherungen von Generalsekretär Jêrome Valcke und Chef-Organisator Danny Jordaan zum Trotz, bleiben beim afrikanischen Premierenturnier viele Plätze in den Stadien leer.
Und der Weltverband hat dafür keine Erklärung oder gibt diese nicht preis. "Es ist sicherlich nicht schön, freie Sitze bei den Spielen zu sehen. Aber es ist zu früh, um endgültige Schlüsse zu ziehen. Insgesamt sind die Zuschauerzahlen hoch", lautete am Montag das offizielle Statement. Kurz darauf war auch die Riesenschüssel Soccer City beim Spiel zwischen den Niederlanden und Dänemark nicht komplett gefüllt. Die orangenen Sitze erweckten immerhin den Eindruck, dass "Oranje" trumpf war.
Besonders auffällig waren die leeren VIP-Logen. Gerade diese Angebote hatte die Fifa zuletzt in einer Last-Minute-Aktion zu deutliche günstigeren Preisen verkaufen wollen – offensichtlich ohne Erfolg. Valcke hatte schon vor dem WM-Start betont, dass der verantwortliche Fifa-Partner Match keine großen Gewinne einstreichen werde. "Es wird definitiv kein profitables Geschäft für Match", sagte Valcke.
Der Negativ-Trend setzte sich am Montag fort. In der für seine begeisterungsfähigen Fans bekannten Fußball-Hochburg Bloemfontein klafften beim Spiel Japan-Kamerun riesige Lücken auf den Rängen. Am Vortag waren bei den Spielen in Polokwane zwischen Algerien und Slowenien und auch beim Duell der deutschen Gruppengegner Ghana und Serbien in Pretoria viele Plätze frei geblieben, obwohl die Tickets laut Fifa-Angaben verkauft wurden. Am Samstag waren tausende freie Sitze beim Spiel in Port Elizabeth zwischen Südkorea und Griechenland nicht zu übersehen. "Wir untersuchen die Situation", versicherte die Fifa.
Anfangs wurden Transportprobleme geltend gemacht. Mittlerweile zeichnet sich jedoch ab, dass große Kontingente der an Firmen und staatliche Behörden abgegebenen Karten von diesen nicht an den Fan gebracht wurden oder die Nutznießer der indirekten Give-Away-Aktion einfach nicht zum Spiel gehen. In ihrem täglichen Media-Briefing verzichtet die Fifa mittlerweile darauf, die pro Spiel verkauften Karten zu nennen. Und sie bleibt bei ihrer Statistik, laut der 97 Prozent aller rund drei Millionen WM- Karten für die 64 Spiele verkauft sind. Das ist vom ökonomischen Standpunkt richtig, doch es macht die Stadien nicht voll.
Die Zuschauerzahlen sind mit im Schnitt über 50000 Besuchern dennoch gut – und die Stimmung in den Stadien ist fröhlich, bunt und ausgelassen. Aber die Außendarstellung des mächtigen Verbands ist in der Ticketfrage seit Monaten ungewöhnlich schlecht. Der Ehrgeiz, unbedingt Rekordmarken beim Ticketverkauf aufzustellen, musste am "Faktor Afrika" scheitern. Fußball-Fans ticken am Kap anders, als es die durchgestylte und technisierte Fifa-Maschinerie vorsieht. Wie beim Dauerthema Vuvuzela tut sich die alte Fußball-Welt schwer, die afrikanischen Bedingungen anzuerkennen.
Dabei war die Fifa gewarnt. Schon beim Probelauf Confederations Cup 2009 wollte der einfache Fan nicht unbedingt zu den weniger attraktiven Spielen gehen. Damals kaufte der König der Bafokeng in Rustenburg kurzerhand 10.000 Karten und verteilte sie an "sein Volk". Solche Aktionen schließt die Fifa diesmal aus. "Aus Sicherheitsgründen können keine Karten kostenlos verteilt werden", heißt es.
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