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04.06.10

Oberliga

Warum der BFC Dynamo an sich selbst scheitert

Innerhalb von nur wenigen Wochen haben Fans und Mannschaft von BFC Dynamo die Zukunft des Berliner Oberligisten verspielt. Die Spieler hoffen, dass es irgendwie weitergeht. Denn die Hoffnung stirbt zuletzt.

"Ich hoffe, dass es mit dem BFC irgendwie weitergeht." Heiko Bonan, Trainer des Oberligisten BFC Dynamo, versuchte nach dem verlorenen Berliner Pokalendspiel gegen Berlin Ankaraspor Kulübü (0:1), ein wenig Optimismus zu verbreiten.

Ein Vorhaben, das gründlich misslang. Nicht nur, dass seine Mannschaft die Chance nicht genutzt hat, eine unter dem Strich enttäuschende Saison mit dem Cup-Sieg zu einem versöhnlichen Ende zu bringen. Über den Sprung in die erste DFB-Pokalrunde und die damit verbundene sichere Einnahme von rund 150.000 Euro freut sich nun der BAK.

Randale auf den Rängen

Viel schlimmer: Der Platzsturm der rund 150 BFC-Chaoten im Jahn-Sportpark nach dem Abpfiff hat das ohnehin kaum noch vorhandene Ansehen des Klubs um Jahre zurückgeworfen. Die akribische Arbeit der BFC-Führung unter Präsident Norbert Uhlig und Wirtschaftsrats-Boss Peter Meyer, den Klub aus dem Hooligan-Sumpf zu ziehen und ihm ein neues positives Image zu verpassen, wurde am Mittwochabend in nur wenigen Minuten zerstört. Durch das Zünden zahlreicher Feuerwerkskörper, Prügeleien mit dem Ordnungsdienst sowie das Werfen diverser Gegenstände in Richtung Haupttribüne. Eine Hundertschaft der Polizei musste die Tribüne und den Zugang zu den Kabinen abriegeln, um Schlimmeres zu verhindern.

Der Verein distanzierte sich am Donnerstag in einer Presseerklärung "von den sogenannten Fans, die in den Innenraum eingedrungen sind und somit dem Ruf des BFC Dynamo in der Öffentlichkeit geschadet haben". Zudem hat der Berliner Fußball-Verband (BFV) bereits angekündigt, die Vorkommnisse aufzuarbeiten. So will der BFV nach Auswertung der Polizeiberichte und Identifizierung der Randalierer Stadionverbote aussprechen. "Dies werden wir zusammen mit dem BFC tun", sagte BFV-Präsident Bernd Schultz.

Auch der Verein wird an einer Strafe nicht vorbeikommen. Um ein deutliches Zeichen gegen Gewalt im Fußball zu setzen, ist ein Ausschluss des BFC aus dem Pokalwettbewerb längst kein Tabu mehr. "Wir waren schon mal viel weiter als jetzt", verbarg BFC-Torwart Nico Thomaschewski seine Enttäuschung nicht. Ähnliche Szenen habe er zuletzt vor fünf Jahren erlebt. Auch Trainer Bonan war fassungslos. Als BFC-Fan "muss man auch mal lernfähig sein". Ein Appell, der ebenso anklagend wie naiv ist.

Einfältige Versuche

Einfältig war auch der Versuch, mit einem neuen Trainer doch noch den angestrebten Aufstieg in die Regionalliga zu schaffen. Die Lizenz für die kommende Saison in der Regionalliga gab es vom Deutschen Fußball-Bund immerhin ohne Auflagen. Dass der BFC nun damit nichts anfangen kann, hat er sich selbst zuzuschreiben. Den Paukenschlag gab es kurz vor Ostern. Christian Backs, erst zu Saisonbeginn nach Hohenschönhausen zurückgekehrt, musste gehen - obwohl er Erfolg hatte. Für Backs kam Bonan - und die Berliner holten nach drei Siegen zum Auftakt nur drei Punkte aus fünf Spielen. Acht Zähler liegen jetzt zum Saisonende zwischen Oberliga-Meister und Aufsteiger Energie Cottbus II und dem BFC.

Was bleibt, sind Schuldzuweisungen. "Oberliga-Spieler beim BFC zu sein, hat nichts mit Freizeitfußball zu tun", sagte Bonan: "Die Spieler müssen sich fragen, ob sie alles gegeben haben." Keeper Thomaschewski kritisierte dagegen das Transfergebaren der Klubführung im Winter: "Die Unruhe durch die sechs, sieben neuen Spieler hätte nicht sein müssen." Mehr als eine halbe Million Euro ließ sich der BFC die Saison kosten. Ob diese Summe auch für die Saison 2010/11 bereit steht, darf bezweifelt werden. Ein Umbruch steht bevor. Den Anfang machte kurz nach dem BFV-Pokalfinale Vize-Präsident Peter Proksch - er trat zurück.

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