Fußball-WM
Typisch – Niederländer campen sogar in Südafrika
Niederländer sind gern im Wohnwagen unterwegs. Selbst in Südafrika schlagen sie ihr Zelt auf – das ist schließlich Tradition.
Von Christian Putsch
Camping-Oper: Nach dem Vorbild des einer Auster nachempfundenen Konzerthauses in Sydney ist das Modell Opera gestaltet. Auf Knopfdruck entfalten sich die Zeltplanen.
Der Niederländer hat sich ohne Frage auf den europäischen Autobahn-Schleichspuren eine gewisse Reputation erworben. Das Nachbarland ist im Wohnwagen unterwegs, selbst der ehemalige Premierminister Wim Kok pilgerte während seiner Amtszeit (1994-2002) einmal jährlich auf einen Zeltplatz in Frankreich. Pro 10.000 Einwohner gibt es in Holland 285 Wohnwagen, eine Zahl die in Europa lediglich von Schweden überboten (294) und von Deutschland längst nicht erreicht wird (116). Nun hätte man glauben können, dass Südafrika bei der WM 2010 ab dem 11. Juni diese Verkehrslast erspart bleiben würde, immerhin liegen 9000 Kilometer zwischen den Niederlanden und Südafrika – gäbe es da nicht diesen Mann namens Jokko de Wit.
Vor sechs Jahren, bei der EM in Portugal, fing alles ganz harmlos an. De Wit, damals ein Student des Tourismus-Marketings, machte ein Praktikum in Estoril. Kurzerhand buchte er Campingplätze für 400 Niederländer. Bei der WM 2006 war seine Firma "De Oranjecamping" schon für 2700 Fans verantwortlich, bei der EM 2008 in Österreich und der Schweiz explodierte die Zahl auf 5500.
Damals konnten unsere Nachbarn ihre eigenen mobilen Häuschen mitbringen – in Südafrika fällt diese Möglichkeit weg. Doch gecampt wird trotzdem. De Wit reservierte in den WM-Städten kurzerhand bis zu 85 Prozent aller Wohnmobile. Die Niederlande spielen in der Vorrunde in Johannesburg, Durban und Kapstadt. Eine wunderbare Campingtour, befand der Manager, der sich auch durch die teilweise exorbitanten Hotelraten zur WM Nachfrage erhoffte.
Doch dann kam die Wirtschaftskrise, und anstelle der prognostizierten 480.000 WM-Touristen wird wohl nur gut die Hälfte kommen, aus den Niederlanden reisen immerhin 15.000 an – 1000 davon wollen mit de Wit campen: "Ich bin damit ganz zufrieden", sagte er der Zeitung "BN/DE Stem", "Vielleicht entscheiden sich auch noch einige im letzten Moment."
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