Basketball-Talent
Robin Benzing plant den Sprung in die NBA
Das größte deutsche Basketball-Talent Robin Benzing (21) will mit Hilfe von Ex-Alba-Trainer Svetislav Pesic den ersehnten Sprung in die beste Liga der Welt, die nordamerikanische Profiliga NBA schaffen. Er hat seine Teilnahme am sogenannten Draft, der Talentbörse für die amerikanische Profiliga am 24. Juni in New York, gemeldet.
Von Theo Breiding
Eine leere Halle, ein Korb, ein Ball, nur ein Spieler und ein Trainer – eigentlich würde ein normaler Konversations-Ton reichen, um sich zu verständigen. Aber der graumelierte Herr im weißen Hemd, den alle, die er in den vergangenen 25 Jahren zu Stars gemacht hat, einfach nur den "Alten" nennen, kann nicht anders als laut. Sein "Hopp, hopp", "Los" und manchmal auch ein "Bravo" hallt von den getäfelten Wänden zurück. Der junge Mann, den Svetislav Pesic anfeuert, belehrt und lobt, ist Robin Benzing. Der 21-jährige 2,08-Meter-Schlaks sagt wenig. Er ist, wenn er nicht sprintet oder in zig Variationen den Korb attackiert, damit beschäftigt, wieder mehr Luft zu bekommen.
Benzings Stern ging im vergangenen Sommer auf, als er, vom Zweitligisten TV Langen kommend, mit großem Abstand der Topscorer der U-20-Europameisterschaft wurde und danach auch noch unter Bundestrainer Dirk Bauermann in der A-Nationalmannschaft bei der EM in Polen glänzte. Seine erste Saison als Profi absolvierte er in Ulm mit einem Schnitt von 12,48 Punkten pro Spiel. Sein nächstes Ziel: die NBA. Ein realistisches übrigens, Benzing hat für den Draft, die Talentbörse der US-Profiliga am 24. Juni in New York, gemeldet. Derzeit bereitet er sich in Berlin zwei Wochen lang mit Pesic auf das Pre-Draft-Camp im italienischen Treviso vom 5. bis 7. Juni vor.
Eine große Ehre
"Ich habe natürlich viel über Svetislav Pesic gehört. Jetzt vor dem Camp mit einem Trainer wie ihm zusammenarbeiten zu dürfen, ist natürlich eine große Ehre", sagt Benzing, der vier Jahre alt war, als der "Alte" mit der deutschen Nationalmannschaft 1993 sensationell Europameister wurde und der mit dem ABC beschäftigt war, als Pesic mit Alba Berlin einen Titel nach dem anderen holte. "Das Training mit ihm ist hart, macht aber Spaß. Ich muss immer an meine Grenzen gehen und bin mir sicher, ich werde davon sehr profitieren."
Dass dem jungen Mann das Privileg zuteil wird, sich von einem Welt- und Europameister und Euroleague-Champion den letzten Schliff für das Schaulaufen für die beste Liga der Welt zu holen, kommt nicht von ungefähr. Marko Pesic (33), ehemaliger Nationalspieler und Sohn des Meistertrainers, ist Benzings Berater. Er hat seinen Schützling und seinen Vater in Berlin zusammengebracht.
Nun ist es aber keinesfalls so, als würde Pesic senior, der nach seinen Stationen Berlin, Köln, Barcelona, Rom, Girona, Moskau und Belgrad gern reist und dessen Kompetenz auch jenseits des Atlantiks in Memphis oder auch New York geschätzt wird, das Leben einer quicklebendigen Legende mit Trainingsanzug und Turnschuhen tauschen, nur um Pesic junior einen Gefallen zu tun. Er tut es, weil ihn sein Zögling begeistert. "Erst war Henning Harnisch da, dann kam Dirk Nowitzki, jetzt kommt Robin Benzing!" Natürlich sei sein Schüler, den er bis zur Mittellinie sprinten lässt ("Komm, Fastbreak, Attackieren"), um ihn gleich danach durch einen Pylonen-Wald zum Korb dribbeln zu lassen ("Ajmo, bitte mehr Energie, Hopp, Hopp!") und ihm erst spät sagt, mit welcher Hand er wie den Ball im Korb versenken soll, ein Riesentalent. "Aber auch mit dem größten Talent wäre er nicht da, wo er ist, wenn er nicht hart gearbeitet hätte. Meine Erfahrungen an junge Spieler weiterzugeben, die etwas erreichen wollen wie Robin, macht mir Spaß und motiviert mich."
Musterschüler Benzing, also? "Nein, nein", wehrt der Youngster zwischen zwei Schlucken aus der Wasserflasche in einer der Trainingspausen ("Regenerieren, bitte!") ab. "Mir muss man auch manchmal in den Hintern treten, und Marko tut es hier und da auch noch heute. Die Erkenntnis, dass man jeden Tag alles geben muss, wenn man seine Ziele erreichen will, musste auch bei mir erst wachsen. Ich habe immer davon geträumt, in der NBA zu spielen und will jetzt alles versuchen, mir diesen Traum zu erfüllen." Als die ersten Talentspäher aus der NBA eigens wegen ihm auf den Bundesliga-Tribünen saßen, "war es schon ein komisches Gefühl. Aber daran habe ich mich dann schnell gewöhnt und ja auch bei der EM und dem Jahr in Ulm an Selbstvertrauen gewonnen. Ich will jetzt in Treviso sehen, wo ich stehe und dann sehen, was kommt." Seine Anmeldung für den NBA-Draft kann Benzing noch bis zum 14. Juni zurückziehen. Selbst, wenn er es nicht tut und gezogen wird, ist es möglich, dass er ein Jahr in Ulm, wo er noch für kommende Saison unter Vertrag steht, oder anderswo in Europa geparkt wird, um Spielpraxis zu sammeln.
Der Beste auf seiner Position
"Ob es für ihn gut ist, möglichst schnell in die NBA zu gehen, weiß ich nicht", sagt Pesic. "Das hängt sehr von den Zielen des Klubs ab, der sich die Rechte an ihm sichert, und noch viel mehr von der Philosophie des Trainers." Dass der Weg seines Schülers aber früher oder später in die beste Liga der Welt führt, ist für den Meistermacher sicher, "wenn Robin weiter hart arbeitet, auch bei Rückschlägen nicht aufgibt und geduldig bleibt". Pesics Fazit nach einer Woche Einzeltraining in Berlin: "Auf seiner Position ist Robin das größte Talent in Europa."
Das scheint man in der NBA ähnlich zu sehen. Die Prognosen lauten, dass er am 24. Juni schon in der zweiten Runde von einem der Teams ausgewählt wird.
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