21.05.10

Inter Mailand

Koloss Lucio will seinen Ex-Klub Bayern stoppen

Bei Inter Mailand fragen sich heute noch viele, warum der FC Bayern Lucio hat ziehen lassen. Bei den Italienern gehört der Brasilianer zu den Stützen und ist für Trainer Jose Mourinho unverzichtbar. Gegen seinen Ex-Klub aus München will der 32-Jährige nun endlich den noch fehlenden Titel holen.

Foto: dpa/DPA
Lucio
Für Lucio ist es nichts Besonderes gegen die Bayern zu spielen

Einen Defekt hatte Italiens meistgelesenes Blatt "Gazzetta dello Sport" dann doch ausgemacht: "Während Lucio in der Champions League als Protagonist grandissimo auftrat, spielte er in seinen 31 Serie-A-Partien lediglich grande."

In der Saisonbilanz nach dem gewonnen Double erhielt der 32-Jährige einen glatten Einser. Es gab fraglos schlechtere Debütjahre in Italien als das von Lucio.

Auf dem Apennin kratzt man sich immer noch ratlos am Kopf, warum in aller Welt die Bayern so einen Spieler haben ziehen lassen, dem sie nach nur wenigen Monaten bereits den Spitznamen "der Koloss" verpassten. Dabei hatte Trainer Jose Mourinho vor rund einem Jahr den Auftrag erteilt, sich in München nach Breno und Daniel van Buyten zu erkundigen. Als ihn die Nachricht erreichte, dass auch Lucio für sieben Millionen Euro erhältlich sei, sagte der Portugiese: "Sofort einfangen und mitbringen!"

Schnell gehörte der Brasilianer zu jenem Spielerkreis, den Mourinho unverzichtbar nennt. Ohne Probleme bildete er mit seinem Nebenmann Walter Samuel, genannt "die Mauer", ein Innenverteidiger-Duo, das in der aktuellen Form wohl Seinesgleichen sucht.

Die Erfolgsgeschichte von "Mauer" und "Koloss" profitierte zweifelsohne auch vom eingespielten Verständnis der Brasilien-Fraktion. Mit Torwart Julio Cesar, Maicon und Lucio stellt Inter drei Kräfte aus der Stamm-Defensive der Selecao. "Natürlich ist das optimal, dass wir drei hinten zusammenspielen", urteilt Lucio. "Auch unsere Familien stehen in engem Kontakt. Abgesehen davon ist Julio Cesar ist ein überragender Keeper, Maicon der beste Rechtsverteidiger der Welt."

Während die Kritiker bei den Bayern Lucios teils unmotivierte Galoppläufe in die Offensive als größte anzunehmende Abenteuerlichkeit disqualifizierten, strich ihm Mourinho die Vorstöße aus dem Arbeitsnachweis. "Er fordert zuallererst absolute Konzentration auf die Defensive. Ich muss an die taktische Vorgabe und den Erfolg der Mannschaft denken, und will mich nicht individuell in den Vordergrund stellen", sagt Lucio.

In den Duellen gegen Chelsea oder Barcelona gelang ihm dies dermaßen brillant, dass Mourinho urteilte: "Zu Lucio kann ich nur sagen: Seine Leistungen grenzten an Perfektion." Die lauten Vorwürfe über Inters Catenaccio beim 0:1 im Halbfinale gegen Barcelona mag Lucio allerdings so nicht stehen lassen: "Wenn man mit einem 3:1-Vorsprung zur besten Mannschaft der Welt fährt, wäre man ja blöd, nach vorne zu spielen."

Sollte Inter im Finale gegen München erneut defensiv brillieren, könnte Lucio endlich die Champions League gewinnen – eine der wenigen Trophäen, die in seinem Curriculum fehlen. 2002 traf er im Endspiel zwar für Leverkusen, am Ende siegte Real Madrid jedoch 2:1.

"Jeder Spieler der Welt besitzt den Traum, diesen Pott zu gewinnen. Deshalb ist es keine besondere Partie, weil es gegen meinen ehemaligen Verein Bayern München geht. Es ist ein besonderes Spiel, da es sich um das Finale der Champions League handelt", sagt der Brasilianer, und es fällt schwer, ihm das abzunehmen.

Denn seinen Abschied aus München nach fünf Jahren und 144 Bundesligaspielen nannte Lucio im vergangenen Sommer "respektlos". Aus dem fernen Südafrika pochte er während des Confed-Cups damals auf einen Stammplatz, den ihm Louis van Gaal nicht garantieren wollte. Natürlich spielten auch finanzielle Überlegungen eine Rolle, denn Lucios Vertrag bei den Bayern wäre am Ende dieser Saison ausgelaufen.

Einen möglichen Gram gegen van Gaal lässt sich Lucio jedoch nicht anmerken. Exzellente Arbeit habe der Niederländer bei der Integration neuer Spieler geleistet, sagt der Brasilianer. "Die Bayern gehören wie wir sicher zu den stärksten Teams in Europa. Die Chancen in einem Finale stehen immer 50:50, da kann alles passieren." Auch wenn es Lucio nicht zugeben mag: Ein Sieg über seinen Ex-Verein würde aus einem besonderen Abend, einen ganz besonderen machen.

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