Bayern feiert in Berlin
Louis van Gaal entkommt der Meisterdusche nicht
Trotz gegenteiliger Anweisung verpassten die Bayern-Profis Louis van Gaal nach der Übergabe der Meisterschale in Berlin die Bier-Meisterdusche. Aber der holländische Trainer war vorbereitet. Auf der Tribüne verfolgte Inter Mailands Coach Jose Mourinho ein Spiel, das einem Jugendtraining glich.
Der holländische Anteil der 22. Deutschen Meisterschaft des FC Bayern München kann gar nicht genug betont werden. Am Samstagnachmittag, als mit dem 3:1 (1:0) bei Hertha BSC letzte protokollarische Zweifel beseitigt waren, konnte ihn jedermann bestaunen: Mit Mark van Bommel hielt erstmals in der Bundesliga-Geschichte ein niederländischer Kapitän die Meisterschale in die Höhe.
Aus Holland kommt zudem der beste Torschütze der Meisterelf, Arjen Robben (in Berlin: Treffer 15 und 16), und von dort kommt auch ihr Stil: kontrollierter, technischer, offensiver Fußball, der diese Meisterschaft zu einer der ansehnlichsten der Klubgeschichte machte.
"Wir haben die beste Abwehr, den besten Angriff und sind hoch verdient Meister geworden", sagte Louis van Gaal, der wichtigste Import von allen. Mit ihm versuchte erstmals ein niederländischer Trainer, der obligatorischen Meisterdusche mit Bier zu entkommen. Vergebens – seine Spieler erwischten ihn mehrmals. Van Gaal musste es geahnt haben, er hatte sich kurz vor Schlusspfiff extra noch umgezogen: statt im Anzug ging er die Feierlichkeiten im Olympiastadion in Trainingsklamotten an.
Die Party begann ausgelassen, ihre Ekstase tröstete auch darüber hinweg, dass der letzte Akt einer dramatischen Saison zur Routine verkommen war. Es hätte ein furioses Saisonfinale werden können – wenn Bayern noch um den Titel und Hertha BSC um die Rettung gekämpft hätte. Doch bekanntlich hatten sich beide Fragen schon voriges Wochenende geklärt, weshalb Tempo und Körperlichkeit der Partie einem Jugendtraining glichen.
Auf der Tribüne mag sich auch José Mourinho bisweilen gewundert haben, ob sein Trip im Privatjet aus Mailand wirklich die Mühe wert war. Ja, der berühmteste Trainer der Welt sah sich tatsächlich in persona dieses Spiel an – obwohl er mit Inter Sonntag am vorletzten Spieltag der Serie A gegen Chievo Verona sehr wohl noch um die Meisterschaft kämpfen muss.
Mourinho sah eine Bayern-Mannschaft, die anfangs so souverän und selbstüberzeugt agierte, wie er das von einem Finalisten in der Champions League (22. Mai in Madrid) erwarten durfte. Vom extrem präsenten Torwart Hans Jörg Butt bis zum Mittelstürmer Ivica Olic, der nach einer Ablage Robbens entspannt zum 1:0 einschoss (20.). Die Berliner präsentierten sich dabei ebenso als Statisten wie in der gesamten ersten Halbzeit.
Mit ein wenig mehr Leidenschaft verabschiedeten sie sich dann in der zweiten Halbzeit für zumindest 15 Monate aus der Bundesliga. Zwar reichte es erneut nicht für den ersten Heimsieg seit dem ersten Spieltag (damit wurde der Bundesliga-Minusrekord von Tasmania überboten), aber immerhin für den zwischenzeitlichen Ausgleich durch Adrian Ramos (59.).
Wie so oft in dieser Saison aber waren die Bayern am besten, wenn sie am stärksten gefordert wurden. Und wie so oft erschien in solchen Situationen der geniale Robben. Erst vollendete er einen Konter per kühlem Flachschuss zum 2:1 (74.), dann verwandelte er volley einen Abpraller von der Latte (87.)
In einer Woche an gleicher Stelle wird der FC Bayern im Pokalfinale gegen Werder Bremen auf ganz andere Gegenwehr treffen, und einen weiteren Samstag darauf gegen Inter in Madrid sowieso. Einer der gestern aktivsten Münchner wird dann fehlen – Franck Ribéry ist gesperrt. Nach momentanem Stand jedenfalls, die Bayern fechten das Urteil des europäischen Fußballverbandes nun vor dem internationalen Sportgerichtshof Cas an. Allerdings erwies Präsident Uli Hoeneß der eigenen Sache mit seiner Verschwörungstheorie gegen "zu viele Italiener" in der Uefa zuletzt keinen allzu guten Dienst.
Derlei Polemiken dürften noch viele Tage in den nächsten zwei Wochen bestimmen, dafür bürgt neben Hoeneß ja auch Mourinho. Am Samstag aber wurde erst mal ordentlich gefeiert – dafür bürgte Louis van Gaal, als er verkündete: "Normalerweise mache ich das Licht aus." Er triefte vor Bier.















