Boxen
Huck bleibt Weltmeister, sein Trainer hadert
Marco Huck bleibt Box-Weltmeister im Cruisergewicht. Der 25-jährige Bielefelder besiegte Herausforderer Brian Minto aus den USA durch Aufgabe nach der zehnten Runde. Aber Trainer Ulli Wegner hadert trotzdem mit seinem störrischen Schützling. Minto musste die vierte Niederlage im 38. Profi-Kampf hinnehmen.
Marco Huck hatte seinen 30. Kampf als Profi noch nicht gewonnen, da lag bereits die nächste Herausforderung auf dem Tisch. Alexander Alexejew, bei Universum Box-Promotion in Hamburg unter Vertrag, hatte sich ins Gespräch gebracht. Nicht Brian Minto, 35-jähriger Ex-Kabelmonteur aus Butler im US-Bundesstaat Pennsylvania, sei ein adäquater Gegner für Huck, sondern eben er, der 29-jährige Topmann aus Taschkent.
Nach seiner bemerkenswerten Vorstellung gegen Minto, der im November 2006 die Comeback-Pläne von Axel Schulz beendet hatte, wollte sich Marco Huck aber nicht auf ein verbales Scharmützel mit Alexejew einlassen. "Ich habe nicht so richtig viel geschlafen. Das ist aber nach Kämpfen oft so", sagte Huck am Morgen nach seinem Sieg. Und fuhr fort: "Ich muss jetzt erst einmal mit dem Trainer den Kampf analysieren. Ich weiß, dass ich einiges falsch gemacht habe, aber ich habe auch klar gewonnen. Alexejew soll den Mund nicht zu voll nehmen. Ich habe gegen Victor Ramirez meinen Titel geholt, er hat gegen ihn verloren. Ich boxe gegen ihn, wenn er dran ist", schwankte der alte und neue Champion zwischen Selbstkritik, dem Stolz vorzeitig gewonnen zu haben und einem möglichen Gegner.
Bemerkenswert waren die neun Runden Huck gegen Minto (plus die dazwischen liegenden Pausen) insofern, als dass sie einem Boxlehrfilm hinreichend Material geboten hätten. Denn Marco Huck, Cruisergewichts-Weltmeister nach Version der World Boxing Organization (WBO), hatte mehrmals im Verlauf des Duells innerhalb weniger Sekunden zwischen Weltklasse und Dilettantismus geschwankt. Trainer Ulli Wegner war "dem Wahnsinn" nahe. "Marco ist ein lieber Junge. Er hat so viel Potenzial. Aber er macht mir auch noch ganz viel Arbeit", ließ sich Routinier Wegner entlocken.
Das hatte in der ausverkauften Weser-Ems-Halle in Oldenburg zwischen den Runden noch wesentlich eindringlicher geklungen. "Hör mir zu: Du bist Weltmeister. Du musst schlauer boxen." Auch das half nicht. Huck setzte weiter auf Brachialgewalt. "Lass das weg – meine Fresse! Im Moment machst du ’ne sinnlose Schlägerei", versuchte es Wegner wütend – und wurde ignoriert. Also dann eben ganz lieb. "Du bist der Mercedes und er ist der Lanz Bulldog (ein Traktor – d.R.)."
Doch Huck ist Huck, und so schlug er weiter gewaltig, um im Gegenzug weiter unnötige Treffer zu kassieren von einem zwischenzeitlich orientierungslosen Gegner. Brian Minto, in Runde drei, fünf und neun am Boden, steuerte zweimal die falsche Ringecke an, saß gar auf Hucks Schemel. In der Pause zur zehnten Runde gab seine Ecke den Kampf auf. Der Geschlagene gratulierte und stellte das Ende seiner Karriere in Aussicht. Davon kann bei Marco Huck keinen Rede sein. Das erklärte Ziel des Gespanns Huck/Wegner ist eine Titelvereinigung. Die Realisierung wird beiden viel abfordern. "Ich weiß, was noch alles mit Marco zu tun ist", stöhnte Wegner verzweifelt und verriet die Lösung umgehend. "Er muss lernen, sich an die Taktik zu halten." Doch wie immer, nahm Wegner seinen "Jungen" auch in Schutz. "Marco hatte ja nur sieben Wochen zwischen seinen letzten Kampf gegen Adam Richards (er besiegte den Amerikaner in Berlin in Runde drei durch K.o. – d.R.). Jetzt hat er sich eine längere Pause verdient."
Die wird Huck brauchen, soll es zur Revanche gegen Steve Cunningham kommen. Der 33 Jahre alte Amerikaner aus Philadelphia hatte ihm am 29. Dezember 2007 die bislang einzige Niederlage beigebracht. Cunningham wechselt zu Hucks Arbeitgeber Team Sauerland, was einen Rückkampf deutlich wahrscheinlicher macht, ein Duell mit Alexejew aber nicht ausschließt.
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