Kolumne "Boxenfunk"
Jenson Button lässt die Unkenrufe verstummen
Der Wechsel zu McLaren scheint sich für Jenson Button auszuzahlen. Viele haben dem Weltmeister solche Leistungen nicht zugetraut.
Von Peter Lauterbach
Wer hätte das gedacht? Jenson Alexander Lyons Button, wie der Brite mit vollem Namen heißt, kommt als Führender der Formel 1 zum Europa-Auftakt nach Barcelona.
Das Echo der Unkenrufe war dermaßen laut, dass die Objektivität gänzlich flöten ging, als er, der Weltmeister, im November vergangenen Jahres beschloss, sein damaliges Team Brawn GP zu verlassen und zu McLaren zu wechseln. Dem Stall von Auch-schon-mal-Weltmeister Lewis Hamilton. In dem der Jüngere mit all seiner Aggressivität als vollkommen klare Nummer eins gesetzt zu sein schien.
Nach vier Saisonrennen lautet die Bilanz der beiden, die gerne auch als das englische Motorsport-Nationalteam bezeichnet werden: Button zwei Siege, Hamilton null; Button Erster der Gesamtwertung, Hamilton Vierter. In Australien und China war kein Kraut gewachsen gegen den Mann, der einem beim Interview aufgrund einer angeblichen Sehschwäche immer gefährlich nah kommt.
Gegen den Mann, der immer seinen Papa John als Maskottchen dabei hat, meistens mit ein paar Promille versehen, aber unglaublich gut als Typ und offenbar auch als Mensch – der Antitypus des ehrgeizigen Motorsport-Papas. Gegen den Mann, dessen Freundin Jessica Michibata, ein japanisches Unterwäschemodell, zur festen und offensichtlich stabilen Größe an seiner Seite geworden ist und das Fahrerlager bei jedem ihrer Auftritte ein bisschen schöner macht.
Und plötzlich schweigen sie alle. All jene, die Button, der manchmal nicht zwingend für seinen Erfolg zu kämpfen scheint, abgeschrieben hatten. Denn auf einmal scheinen die nicht auf den ersten Blick offensichtlichen Qualitäten des seit Jahresbeginn 30 Jahre alten Champions echte Führungsgaranten zu werden: Besonnenheit, Ruhe in jeder noch so brenzligen Situation und innere Stabilität. Das unterscheidet Button insbesondere von seinem Teamkollegen, dem jungen, ungestümen Lewis Hamilton.
Bei aller Sympathie für unsere deutschen Fahrer, wünscht man diesem Jenson Button, dass er weiterhin diese Erfolge feiert – solange am Ende Sebastian Vettel oder Nico Rosberg Weltmeister werden.
Peter Lauterbach (33) reist seit zehn Jahren mit der Formel 1 um die Welt und ist Reporter beim Pay-TV-Sender Sky. Er betrachtet jeden Montag die Formel 1 bei Morgenpost Online.
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