WM Brasilien

Fifa zensiert Indio-Protest bei Eröffnungsfeier der WM

Das Spruchband eines 13-jährigen Jungen, auf dem bessere Lebensumstände für Indios gefordert werden, war im Fernsehen nicht zu sehen. Die Fifa wünscht keine politischen Äußerungen bei der WM.

Foto: DH / REUTERS

Die Szene haben vermutlich alle noch vor Augen, die sich die Eröffnungsfeier der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien vor dem heimischen Bildschirm am Donnerstagabend angeschaut haben.

Allein in Deutschland haben über sieben Millionen zugesehen. Nach allerhand Gesang und akrobatischen Übungen betraten drei Kinder den Rasen des Corinthians-Stadions in Sao Paulo. Sie hielten weiße Tauben in ihren Händen, die sie im Mittelkreis fliegen ließen, umringt von den Spielern des Gastgeber-Landes.

Eines der Kinder war weiß, eines dunkelhäutig und eines indigener Abstammung. Sie sollten damit symbolisch stehen für die verschiedenen Bevölkerungsgruppen des größten und bevölkerungsreichsten südamerikanischen Landes. Und die Friedenstauben sollten symbolisieren, wie gut alle miteinander klarkommen.

13-Jähriger Indio-Junge protestiert mit Spruchband

Allerdings bekamen die TV-Zuschauer weltweit etwas nicht mit, was dem Indio-Jungen sehr wichtig war. Er enthüllte, nachdem er seine Taube freigelassen hatte, ein Spruchband mit der Aufschrift "Demarcacao", was ins Deutsche übersetzt so viel heißt wie "Abgrenzung".

Dieser kurze Moment wurde aus den Übertragungen, die mit Zeitverzögerung gesendet werden, herausgeschnitten. Der 13-jährige Fabio ist Angehöriger des Volkes der Guarani, das nahe Sao Paulo lebt und das immer weiter an den Rand gedrängt wird.

Über die Zensur berichten mehrere überregionale brasilianische Medien. Und, dass den WM-Organisatoren ebenso wie dem Weltverband Fifa nicht daran gelegen ist, auf die Probleme der Ureinwohner hinzuweisen.

Die Guarani fordern mehr Lebensraum

Fabio tat dies dann wenigstens verbal. Er war auch gar nicht erstaunt darüber, dass sein Protest nicht im Fernsehen zu sehen war. "So etwas wollen die nicht zeigen", sagte er, "die wollen Frieden zwischen den Völkern zeigen, dass alles schön und toll ist. Aber die Situation hier ist eine andere."

Demnach lebt das Volk der Guarani auf begrenztem Raum unter sehr erschwerten Lebensbedingungen. Und es wartet darauf, dass Politiker endlich wie versprochen ein Gesetz unterschreiben, in dem ihnen ein größeres Gebiet zum Leben zugebilligt wird. Die Eröffnungsfeier hätten die Guarani deshalb als gute Möglichkeit gesehen, auf ihre Situation hinzuweisen. Sie seien nicht gegen die Weltmeisterschaft an sich. Seit Tagen demonstriert das Volk auch schon gegen seine Lebensumstände.

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