26.03.10

Boxen

Arthur Abrahams Trainer fordert einen K.o.-Sieg

In seinem zweiten Kampf des Super-Six-Turniers der sechs weltbesten Super-Mittelgewichtler boxt Arthur Abraham Samstagnacht in Detroit gegen den Amerikaner Andre Dirrell – ein wegweisendes Duell für beide. Abrahams Trainer Ulli Wegner hat klare Erwartungen an den 30-jährigen Berliner.

31 Kämpfe ohne Niederlage, davon zehn als Weltmeister im Mittelgewicht: Einmal boxte er dabei ab Runde vier mit mehrfach gebrochenem Unterkiefer weiter und gewann – Boxprofi Arthur Abraham (30) kennt alle Härten des Geschäfts. Doch der Berliner, der in der Nacht zum Sonntag (ARD ab 3.15 Uhr) in der Joe-Louis-Arena in Detroit auf den Amerikaner Andre Dirrell trifft, weiß auch, wie schnell Lorbeer welken kann.

Abraham hat im Herbst 2009 seinen WM-Titel nach Version der International Boxing Federation (IBF) niedergelegt, weil sich eine sensationelle Chance geboten hatte: die Teilnahme am mit 50 Millionen Dollar dotierten Super-Six-Classic-Turnier der sechs weltbesten Super-Mittelgewichtler. Neben ihm und Dirrell kämpfen hier noch die Amerikaner Jermain Taylor und Andre Ward, der Brite Carl Froch sowie der Däne Mikkel Kessler.

"So eine Möglichkeit bekommt nicht jeder Sportler. Und der Sieger schreibt Box-Geschichte", siedelt Abraham den Stellenwert des "Sixpack" ganz weit oben an. "Ich bin mächtig stolz darauf, dass ich dabei bin und ich will natürlich gewinnen. Der Auftakt gegen Taylor war gut, aber er nutzt nur etwas, wenn ich auch Dirrell besiege", kehrt der derzeitige Turnierspitzenreiter ganz schnell zum Pragmatismus zurück. Abraham liegt, dank des drei Punkte bringenden K.o.-Erfolges, vor den Punktsiegern Froch (gegen Dirrell) und Ward (gegen Kessler), die je zwei Zähler haben. Bei einem Remis gibt es einen Zähler pro Boxer. Das Duell Abraham gegen Dirrell, das zuvor bereits zweimal wegen Verletzungen des Amerikaners verschoben worden war, ist für beide der zweite und somit wegweisende Turnierauftritt. Die Vorzeichen sind unterschiedlich, der Druck ist gleich.

Arthur Abraham startete am 17. Oktober 2009 in Berlin mit einem spektakulären K.o.-Erfolg gegen Taylor. Für den 31-jährigen Ex-Weltmeister kam das Aus, denn aus gesundheitlichen Gründen verzichtete er auf weitere Starts. Taylor wird durch seinen Landsmann Allan Green ersetzt.

Andre Dirrell verlor seinen Turnierauftakt knapp nach Punkten gegen Froch und steht bereits mit dem Rücken zur Wand. "Ich habe gegen Froch einige Fehler gemacht, zu oft geklammert, meine Strategie nicht richtig durchgesetzt", gab Dirrell zunächst zu, wechselte dann jedoch umgehend in Richtung Optimismus: "Gegen Abraham bin ich viel besser vorbereitet. Er kann meinen schnellen Schlägen und meinen schnellen Beinen nicht folgen."

Eine Prognose, die dem Berliner nicht viel mehr als ein Schulterzucken abnötigt: "Ich rede nicht, sondern konzentriere mich auf den Kampf. Egal, was um mich herum passiert".

Auch der Streit um das Kampfgericht änderte nichts an Abrahams Einstellung. Sein Manager Wilfried Sauerland hatte den Ringrichter und zwei Punktrichter abgelehnt. "Dirrell wohnt in Michigan. Inakzeptabel, dass ein Punktrichter und der Ringrichter aus Michigan kommen sollen. Das geht nicht", begründete der 70-Jährige.

Zudem will Sauerland einen weiteren Punktrichter aus Mexiko nicht akzeptieren. Der Mittelamerikaner war bereits bei der Niederlage von Dirrell gegen Froch im Einsatz und hatte als Einziger Dirrel als Sieger gesehen. Das beanstandete Kampfgericht war von Dirrell-Promoter Gerry Shaw zusammengestellt worden. Die Entscheidung über die endgültige Zusammensetzung fällt voraussichtlich beim letzten Regel-Meeting.

Egal, wie das Kampfgericht letztlich besetzt sein wird, die Marschroute von Trainer Ulli Wegner gegen den zehn Zentimeter größeren Gegner steht ohnehin längst fest: "Arthur muss unbedingt den K.o. suchen. Wir dürfen den Kampf nicht in die Hände der Punktrichter geben. Wir sind in den USA, um die Fans zu begeistern. Und die Amerikaner werden Arthur lieben."

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