1. FC Union
Ach, ist der Rasen schön braun...
Es ist ein Fernduell der besonderen Art. Eines, bei dem der Sieger keine Punkte bekommt und der Verlierer nicht um den Klassenerhalt bangen muss. 1. FC Union oder Rot Weiss Ahlen - wer hat den schlechteren Rasen in der Zweiten Liga?
Von Michael Färber
Die Köpenicker Kicker jedenfalls ernten neben dem Frust des Gegners inzwischen sogar schon Anteilnahme. "Es tut mir für die Jungs leid, die hier immer ihre Heimspiele austragen müssen", sagte Erik Meijer, der Geschäftsführer Sport von Alemannia Aachen, nach dem 0:0 vom Sonntag an der Alten Försterei.
Union hat ein Platzproblem. Der lange und harte Winter mit viel Schnee und Eis hat deutlich seine Spuren hinterlassen, genau wie die ein oder andere Trainingseinheit der Profis und ein U 20-Länderspiel. Erdige Töne sind vorherrschend auf dem Spielfeld, das von den Unionern selbst so gern als "Heiliger Rasen" bezeichnet wird. Nur das dazu gehörende Grün ist kaum zu finden. Der Platz ist tief und aufgeweicht, jeder Pass wird zu einer Abenteuerreise mit ungewissem Ausgang. "Der Platz lässt ein Fußballspiel im eigentlichen Sinne gar nicht zu", sagte Aachens Trainer Michael Krüger. Eine Tatsache, die nicht zuletzt den Hausherren immer wieder in die Quere kommt. Zuletzt eben gegen die Alemannia.
Denn statt Kombinationen oder gepflegtem Kurzpassspiel ist die eher alt-englische Methode vorherrschend: den Ball hoch und weit nach vorn schlagen und beten, dass er nicht doch wieder beim Gegner landet. Eine Spielweise, die nicht wirklich zum Gelingen während der 90 Minuten beiträgt - von begeisterndem Fußball, der auch noch die Zuschauer elektrisiert oder gar neue Fans in die Wuhlheide zieht, ganz zu schweigen.
"Aufgrund der Verhältnisse müssen wir unser Spiel ändern", erklärte Uwe Neuhaus. Laut des Union-Trainers "sind wie keine Mannschaft für hohe Bälle nach vorn". Angreifer Karim Benyamina ist mit 1,78 Metern Körpergröße ebenso wenig ein Kopfballungeheuer wie sein Kollege John Jairo Mosquera trotz dessen 1,92 Meter. Wenn ein Gegner sich dann auch noch über weite Strecken auf die Defensivarbeit konzentriert wie zuletzt die Aachener, bekommt dieser Union-Jahrgang erst recht Probleme.
"Es ist dann schwer, mit einem präzisen Pass, einer Flanke oder auch einem Dribbling durchzukommen", sagte Neuhaus. Der Stolperer im gegnerischen Strafraum von Macchambes Younga-Mouhani vor der Pause belegt dies ebenso wie Benyaminas Schussversuch kurz nach dem Wechsel: Der Angreifer jagte das Spielgerät aus aussichtsreichen 18 Metern in Richtung Anzeigenhäuschen. Wenig Trost bietet dabei die Tatsache, dass die Knieverletzung von Michael Parensen nicht den Platzverhältnissen geschuldet war. Der Defensivspieler fällt bis Saisonende aus.
Zur Ehrenrettung des 1. FC Union, der übrigens seinem hauptamtlichen Platzwart zum Ende des vergangenen Jahres gekündigt hatte, sei gesagt: Das Duell mit Ahlen hat der Aufsteiger verloren. Eine Niederlage, die die Köpenicker aber sicher gern einstecken.
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