Formel 1
Mercedes arbeitet am Siegerauto für Schumacher
Montag, 22. März 2010 16:15Viel Zeit bleibt Mercedes nicht, um die Schwächen am Silberpfeil zu beheben. Denn am 28. März gibt es schon das nächste Rennen – den Großen Preis von Australien in Melbourne. Hinter den Kulissen wird derweil heftig über mögliche Regeländerungen diskutiert. Chefpromoter Bernie Ecclestone hat sich aber ganz klar dagegen ausgesprochen.

Jetzt ist aber erst einmal Geduld gefragt – vor allem beim Protagonisten. „Schumacher braucht ein Auto, bei dem er die Vorderachse spürt und die Reifen“, schreibt der frühere Formel-1-Pilot Gerhard Berger in der Münchner „TZ“. „Er wird jetzt versuchen, das Auto in diese Richtung umzubauen. Dann kann er wieder Rennen gewinnen.“ So wie bei Benetton oder Ferrari. Im 17. Versuch gelang Schumacher 1992 der erste Sieg im Benetton; bei der Scuderia bedurfte es sechs vergeblicher Anläufe, ehe er 1996 den ersten Grand-Prix-Sieg schaffte. Seinen 91. und vorerst letzten Rennerfolg feierte der Kerpener am 1. Oktober 2006 in Shanghai.
Während die Tüftler aus Stuttgart alle Hände voll zu tun haben, um für Schumacher ein Siegauto zu basteln, geht Bernie Ecclestone gelassen mit Schumachers Kritik an der „Formel Langeweile“ um. Der Formel-1-Boss will nichts von Regeländerungen wissen und spielt auf Zeit. „Bevor wir an Änderungen überhaupt ernsthaft denken, sollten wir drei, vier Rennen abwarten“, sagte der Brite. Es bestehe kein Grund zur Sorge, befand der 79-Jährige und verdeutlichte seinen Standpunkt auf außergewöhnlich drastische Art: „Selbst wenn in London die Erde bebt, würde ich nicht in Panik geraten.“
Der ehemalige Formel-1-Pilot Christian Danner hält die ganze Diskussion ebenfalls für überflüssig. „Bereits zu meiner Zeit hat es manchmal weniger spannende Rennen gegeben. Das gehört dazu“, sagte der heutige RTL-Experte.
Das sieht Ecclestone ähnlich: „Es ist das gleiche Problem, das wir in den vergangenen Jahren auch schon hatten: Man kommt einfach nicht nahe genug an das vor einem fahrende Auto heran, um überholen zu können.“ Genau das hatte auch Rückkehrer Schumacher nach seinem sechsten Rang in Bahrain moniert: „Überholen war da praktisch unmöglich, es sei denn, jemand hat einen Fehler gemacht.“
Von einer erneuten Regeländerung hält auch Danner nichts. „Das ist wie im Fußball, denn da kann man die Spiele auch nicht künstlich spannend machen“, sagte der Münchner. Außerdem könnte schon beim nächsten Rennen alles ganz anders sein. Danner: „Da fahren wir in Melbourne auf einem Stadtkurs, da gibt es mehr Action.“
Außerdem seien in der Vergangenheit die Regeln immer wieder geändert worden, um Einfluss auf die Rennen nehmen zu können. „Und was kam dabei heraus? Nichts!“ sagt Danner: „Die Diskussion, die wir nach nur einem Rennen haben, ist künstlich hochgekocht und wird schnell wieder verstummen.“
Die Teams sehen das offenbar anders. McLaren-Boss Martin Whitmarsh, zugleich auch Vorsitzender der Teamvereinigung Fota, forderte nach dem Rennen in der Wüste ein Überdenken in Regelfragen. Der Brite Nick Fry, Geschäftsführer des neuen Mercedes-Teams, sagte dem Fachmagazin „Autosport“: „Ich denke, es wäre schlecht, wenn wir nicht reagieren würden.“WONErschienen am 17.03.2010


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