Kolumne "Boxenfunk"
Für Weltmeister muss Bahrains König nicht sparen
Montag, 21. Juni 2010 18:14 - Von Peter LauterbachBahrain war nach Wunsch von Bernie Ecclestone Gastgeber für das Auftaktrennen. Und die Herrscher ließen sich nicht lange bitten.

Die Freude darüber, dass es endlich wieder los ging mit dem Formel-1-Zirkus, war gigantisch. Auf, aber vor allem auch abseits der Strecke. Zum 60-jährigen Bestehen der Königsklasse hatte der Chefpromoter Bernie Ecclestone als Auftaktausrichter das Königreich Bahrain am Persischen Golf bestimmt.
Eine staubige Insel, deren Öl- und Gasquellen langsam aber sicher versiegen und die nun mit aller Macht für ihre nicht vorhandene touristische Attraktivität trommeln möchte. Chefsache!
König und Kronprinz aus dem Stamm der Kalifen haben am Wochenende mal ihre optisch nicht vorhandenen Muskeln spielen lassen. Für die Öffentlichkeit wurden alle noch lebenden Weltmeister in den Königspalast gebeten, außer Kimi Räikkönen, der Rallye fahren musste, und Nelson Piquet, der nach der Affäre um seinen Sohn gänzlich lustlos war, folgten alle dem Ruf in die Wüste.
18 an der Zahl, unter ihnen Brabham, Surtees, Stewart oder Rosberg. Die alten und neuen Champions, natürlich auch Rekordmann Michael Schumacher, durften dann auch noch auf der Strecke für ein paar Runden in ihren historischen Boliden Platz nehmen, Samstag und Sonntag.
Als Dankeschön bekam jeder von ihnen ein exklusives silbernes Lineal mit den eingravierten Weltmeisternamen mit auf die Heimreise.
Nahezu alle aktuellen Fahrer wohnten im „Ritz“ und genossen an lauen Abenden bei etwa 25 Grad die eine oder andere kulinarische Spezialität. Michael Schumacher bewohnte mit seiner kleinen Entourage eine der Hotelvillen direkt am Wasser. Kostenpunkt: ungefähr 6000 Dollar pro Nacht.
Es war ein Prunkspektakel, das möglicherweise alles konterkariert, was derzeit gepredigt wird: Sparen, sparen, sparen und das möglichst mit einem Hauch von Grün verbunden. Das Königshaus von Bahrain hat sich dennoch dazu entschieden, zu investieren – in die Formel 1 und damit in das Image seines Landes. Gut so. Das war ein großartiger Auftakt zu einer hoffentlich großartigen Saison.
Peter Lauterbach (33) reist seit zehn Jahren mit der Formel 1 um die Welt und ist Reporter beim Pay-TV-Sender Sky. Er betrachtet jeden Montag die Formel 1 bei Morgenpost Online.
Erschienen am 16.03.2010


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