Deutsche Premiere
Jetzt auch Bananenflanken in der dritten Dimension
Mittwoch, 25. August 2010 18:04 - Von Anja SchrammIm Sog des finanziell erfolgreichsten Film Avatar wurde nun auch erstmals in Deutschland ein Fußballspiel in 3-D übertragen. Auch wenn Anbieter Sky von einer "neuen Ära" sprach, blieb die Revolution aus. Denn bei einem Fernseher vermittelt sich kein 3-D-typisches Gefühl des Mittendrinseins.
Wenn der Slogan nicht schon von einem anderen Fernsehanbieter als Werbebotschaft okkupiert worden wäre, dann hätten ihn wohl die Macher von Sky genutzt. Wollten sie doch genau dieses Gefühl vermitteln: Mittendrin statt nur dabei, näher dran ist man nur noch im Stadion. Am Sonntagabend hat der Bezahlsender einen Test gewagt und mit der Bundesliga-Partie Bayer Leverkusen gegen den Hamburger SV (4:2) erstmals in Deutschland ein Fußballspiel in 3-D übertragen.
Von „Revolution“ und „neuer Ära“ sprachen die Verantwortlichen dann auch. Doch trotz aller eigenen Lobhudeleien wird Sky nicht umhinkommen zu resümieren, dass ihre Revolution noch reichlich Zeit in Anspruch nehmen wird, falls sie sich überhaupt jemals in Deutschland durchsetzt.
Es hatte allerdings Charme, dass die Zukunft des Fernsehens nun ausgerechnet in einer alten Gewölbehalle startete. 120 Gäste waren für die Vorführung auf der Münchner Praterinsel geladen, darunter Franz Beckenbauer und Matthias Sammer, die hauseigenen Fußballexperten. Auch Christian Nerlinger, der Sportdirektor des FC Bayern München, war gekommen, um die Partie der Konkurrenz zu verfolgen. Immerhin, so hatten die Veranstalter frohlockt, könne man sich an Fußballfernsehen in der dritten Dimension berauschen.
Ein 3-D-Event lebt davon, dass der Blickwinkel nur das Gezeigte erfasst, wie bei großen Leinwänden eben. Bei einem Fernseher allerdings vermittelt sich kein 3-D-typisches Gefühl des Mittendrinseins. Es ist eher ein Blick wie in eine Durchreiche, hinter der sich das Geschehen abspielt. Natürlich gab es auch aus Leverkusen beeindruckende Bilder, die Nahaufnahmen etwa begeisterten. Doch Fernsehfußball lebt häufig von der Totalen. Und in dieser Einstellung sah man kaum Unterschiede zu modernen HDTV-Übertragungen. Als abenteuerlich entpuppten sich zudem die Zeitlupen. Das probate Mittel, um Klarheit zu schaffen, war nur noch eine verschwommene Bildfolge, als habe man schon einen gewissen Promillegrad erreicht.
„Es braucht noch Zeit“, sagte Brian Sullivan, designierter Vorstandsvorsitzender von Sky Deutschland. „Für uns ist das ein Lernprozess.“ Und so wird er am Sonntag registriert haben, dass nicht jede Kameraposition 3-D-tauglich ist. In der Anfangsphase der zweiten Hälfte etwa huschten derart viele Schatten über den Bildschirm, weil einige VIPs, wie Kommentator Kai Dittmann erklärte, etwas verspätet vom Pausendinner auf ihren Platz zurückkehrten. Bei normalen Übertragungen stört das nicht weiter, bei 3-D sorgen jene Fragmente durch die Spezialbrille für Irritationen im Auge.
„Das ist noch weit weg vom Konsumenten“, sagte dann auch Sky-Sportvorstand Carsten Schmidt. Abgesehen von den nicht unerheblichen finanziellen Investitionen, die der Verbraucher für entsprechendes Gerät tätigen muss, ist es fraglich, ob sich Fußballfans mit jenen Spezialbrillen vor den heimischen Bildschirm setzen werden.
Für Sky war es ein Test, zu weiteren Prognosen äußerte man sich eher vage. „Irgendwann in der Zukunft werden wir das auf den Markt bringen“, sagte Sullivan. Momentan plane man nicht, mit Fußball in 3-D in Serie zu gehen. Anders beispielsweise als ESPN. Der amerikanische Sportsender überträgt ab dem Eröffnungsspiel der Fußball-WM im Juni in 3-D. In Deutschland wird Sony beim WM-Public-Viewing in Berlin für 3-D-Erlebnisse sorgen, auf riesigen Leinwänden und nicht auf kleinen Fernsehern. Am Sonntag nach dem zwischenzeitlichen 3:1 für Leverkusen suchte Christian Nerlinger übrigens das Weite. Er habe die Hoffnung verloren, sagte der Bayern-Sportdirektor. Er meinte nicht die Technik, er meinte die Hoffnung auf einen für seine Münchner günstigeren Spielausgang.
Erschienen am 15.03.2010


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