Fan-Krawalle
Fußball nimmt Gewalt auf die leichte Schulter
Die Gewalttäter im Berliner Olympiastadion kamen aus dem Block von Hertha BSC. Sie waren keine Außenstehenden, auch wenn Vereine und Funktionäre das reflexartig behaupten. Sie waren Fans. Die Vereine und der DFB müssen endlich anerkennen, dass die Gewalt längst in der ersten Liga angekommen ist.
Von Sven Flohr
Einige Hertha-Fans konnten die späte 1:2-Niederlage ihres Teams gegen den 1. FC Nürnberg am 13. März 2010 nicht verkraften. Es kam zu Ausschreitungen.
Die Szenen aus dem Berliner Olympiastadion waren beängstigend. Eine Hundertschaft vermummter junger Männer war am Samstag von der Fankurve auf das Spielfeld geklettert und hatte dort im Anschluss an das Bundesligaspiel zwischen Hertha BSC und dem 1.FC Nürnberg ihre Wut ausgelebt. Trainerbänke wurden umgeworfen, Werbebanden zerschlagen, Stadiontechnik ging zu Bruch. Menschen wurden zum Glück nicht angegriffen, die Macht der Bilder aber war dennoch gewaltig.
In der Folge erlagen etliche Protagonisten des Fußballs einem längst üblichen Reflex. Spieler, Trainer und Funktionäre bezeichneten den Mob als unbelehrbare Chaoten und einige wenige Verrückte, die den Sport als Bühne für ihre Gewaltfantasien benutzen würden. Genau dies ist Teil des wachsenden Problems: Mit der Ausgrenzung der Täter und der Bagatellisierung ihrer Anzahl macht es sich der Fußball zu leicht.
Stammkunden stürmen das Spieldfeld
Die Männer, die in Berlin das Spielfeld stürmten, sind mitnichten allesamt Außenstehende. Sie sind Stammkunden, die ihr Geld, ihre Zeit und ihre Fantasie für Hertha BSC aufwenden. Nun haben sie dazu beigetragen, die schon besiegt geglaubte Gewalt zurück in die Bundesliga zu bringen – Berlin war schließlich nicht der erste Vorfall und bei Weitem nicht der schlimmste. Erst vor wenigen Wochen waren im Nürnberger Fanblock bei einem selbst gelegten Brand zwei Fans schwer verletzt worden.
Doch davon gab es nicht so beeindruckende Aufnahmen wie an diesem Wochenende. Und so scheint die Macht der Bilder nun doch eine Debatte um die neue Gewaltwelle auszulösen. Es müsse nach den Ereignissen von Berlin alles auf den Prüfstand, sagt der DFB-Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn. Er hat wohl leider recht.
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