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Formel 1

Nick Heidfeld leidet, nur Schumacher-Ersatz zu sein

Seit 2000 fuhr Nick Heifeld in der Formel 1, aber nach 167 Rennen und 20 Podestplätze bleibt für 32-Jährigen in dieser Saison nur ein Platz als Ersatz- und Testfahrer bei Mercedes. Dabei sollte "Quick Nick" eigentlich der Partner von Nico Rosberg werden. Aber dann kam ihm Michael Schumacher in die Quere.

Nick Heidfeld
Foto: dpa/DPA
Nick Heidfeld steht beim Mercedes in der zweiten Reihe

Als Michael Schumacher am Arbeitsplatz erscheint, ist Nick Heidfeld längst da. Schon am Dienstag hat er sich aufgemacht nach Bahrain, obwohl da keiner wartete. Er wird ja nicht wirklich gebraucht. Und?

„Komisch.“ Sagt er. Gar nicht gut. Ja, kaum auszuhalten. Jetzt ist er zehn Jahre schon in der Formel 1 unterwegs, aber so etwas gab es noch nie. Ein Rennfahrer ohne Auto, ein Meister ohne Fach, ein Besserverdiener ohne Job.

Die Kollegen trösten schon, aber das macht es nicht besser. „Ich habe mich bisher an alles gewöhnen können“, sagt er. „Aber ich glaube, diesmal wird mir das nicht gelingen.“

Trübe Aussichten für Heidfeld, denn er muss davon ausgehen, dass ihm noch 18 dieser frustrierenden Wochenenden die Laune verderben werden.

Es müsste, damit es anders kommt, einem der Mercedes-Kollegen etwas Böses passieren, dass einen Unfall verursacht, inklusive anschließender Krankschreibung, die dann endlich ihn auf den Plan rufen würde, Heidfeld, den schnellsten Ersatzmann der Welt.

Aber so was wird niemand niemandem wünschen, erst recht nicht im eigenen Team. Heidfeld: „Nö.“ Aber er sei Profi, allzeit bereit. Wenn er ein Auto hat, das für Siege taugt, dann taugt er auch für Siege. Man muss ihn nur fahren lassen mit diesem Auto. Und das ist die Krux. Gleicht dem Italiener in der Espresso-Werbung: „Isch ’abe gar kein Auto.“

Dabei hielt Heidfeld eines der begehrtesten Lenkräder der Branche fast schon in den Händen: Bei Mercedes sollte er Partner von Nico Rosberg werden. Nico und Nick. Doch dann kam ihm Michael Schumacher in die Quere, Mercedes bezeichnete die Besetzung Schumacher/Rosberg als einen Traum, Heidfeld dagegen erlebte seinen Albtraum. Jenson Button versperrte ihm zudem den Weg zu McLaren, „damit waren die Türen zu“.

Schumacher hat sich sogar entschuldigt, das zeugt von Anstand und Respekt, genauso wie das Angebot, bei Mercedes als Ersatz- und Testfahrer unterzukommen. Jetzt muss Heidfeld zwar Sätze sagen wie „Ich werde Michael und Nico mit allen Kräften unterstützen.“ Doch ist das besser als gar nichts, wenn auch nicht wesentlich. Im Auto gesessen hat er nur zur Sitzprobe. Und kurz im Simulator, „ich bin überall dabei, ich präge mir die Mechanismen ein im neuen Team und nach wie vor wäre es ein Traum, für Mercedes fahren zu können.“

Tja, Schumacher, was soll er sagen. Privat? „Wir verstehen uns gut.“ Er schaut ihm jetzt halt auf die Finger, schön blöd wäre, sich diese Chance entgehen zu lassen, „Mensch, der ist sieben Mal Weltmeister“, der weiß was, kann was, hat was. Heidfeld hat 167 Rennen in der Statistik, aber nicht einen Sieg, er fuhr für Prost, Sauber, Jordan, Williams und BMW Sauber, stand 20 Mal auf dem Podium, aber nie in der Mitte, Platz fünf war 2007 sein bestes WM-Resultat.

Natürlich fühlt er sich degradiert, aber er sagt es nicht. Natürlich will er fahren. Natürlich passiert immer mal was. Und natürlich hat sich auch längst nicht erwiesen, dass Schumacher das Comeback so ohne weiteres packt. Heidfeld steht bereit für jeden Fall der Fälle. „Ich will immer noch Weltmeister werden.“ Heidfeld sagt das etwas leiser jetzt. „Sonst denken die Leute doch, der hat einen an der Waffel.“ Nein, ganz so schlimm ist es nun wirklich nicht.



Erschienen am 13.03.2010

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