Saisonstart
Rätselraten nach dem ersten Training in Bahrain
Sonntag, 14. März 2010 13:03 - Von B. Nuppeney und J. WinterfeldtMercedes zeigte sich nach dem freien Training zufrieden. Nico Rosberg fuhr Bestzeit, Michael Schumacher wurde Dritter. "Es besteht kein Grund zur Euphorie", stellte Motorsport-Chef Norbert Haug klar. Denn richtige Aufschlüsse für das Rennen wird erst das Qualifying am Samstag (live auf Morgenpost Online) liefern.
Die interessantesten Schlussfolgerungen gestatteten die Gesichter der Fahrer, als sie nach den Trainingsläufen den Helm vom Kopf nahmen. Da lieferte sich der deutsche Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel mit Teamchef Christian Horner in der Box gleich eine heiße Diskussion. Lächeln Fehlanzeige. Fachkreisen hatte der neue Red-Bull-Bolide, den der WM-Zweite des Vorjahres Vettel fährt, bei den letzten Testfahrten sehr imponiert.Doch bevor die Formel 1 am Sonntag (13 Uhr MEZ/RTL und Sky live) in Bahrain in die neue Saison startet, hat Vettel die Euphorie am Freitag etwas gebremst – auch, weil er selbiges zuvor mit dem Rennwagen zuweilen vergeblich versucht hatte. „Das Auto war nicht in so guter Verfassung, wir hatten Probleme mit den Bremsen“, klagte er, „die McLaren und Ferrari sahen heute sehr konkurrenzfähig aus.“
Als Michael Schumacher nach den ersten beiden freien Trainingseinheiten zum Comeback seinen hochroten Kopf in der Box zum Vorschein brachte, wirkte die Mimik nicht übermäßig begeistert. Morgens war er Zehnter gewesen, nachmittags Dritter, als Teamkollege Nico Rosberg, der in der Frühe schon zwei Plätze vor ihm gelegen hatte, die beste Zeit des Tages fuhr. „Wir sind heute Nachmittag möglicherweise mit weniger Sprit gefahren als die anderen“, sagt Mercedes Motorsportchef Norbert Haug, „es besteht kein Grund zur Euphorie, aber wir entwickeln uns in die richtige Richtung.“
Tatsächlich sind die Teams nach ihren ersten offiziellen Auftritten auf dem umgebauten Kurs von Bahrain nicht viel schlauer als zuvor. Sie experimentieren mit unterschiedlichen Tankfüllungen und bei variierendem Gewicht mit mehreren Reifenmischungen. Durch das Nachtankverbot müssen die Fahrer in dieser Saison vom Rennbeginn bis zum Ende einen Gewichtsunterschied von bis zu 200 Kilogramm meistern lernen. Und ihr Ziel muss sein, möglichst wenige Zeit kostende Boxenstopps für Reifenwechsel einlegen zu müssen.
Vor dem Hintergrund der großen technischen Herausforderungen für die richtige Renntaktik, scheint der jüngste Streitfall der Branche eher zweitrangig. Die Konkurrenten ärgern sich über die Abnahme der McLaren durch den Automobilweltverband Fia. Viele Teams meinen, dass eine technische Neuerung am Auto, anders als von der Fia entschieden, nicht den Regeln entspricht und unzulässige Vorteile verschaffen könnte.
Bei den McLaren wird durch eine Lufthutze im Heckbereich des Autos Luft vor den Heckflügel geleitet, um auf Hochgeschwindigkeitspassagen gezielt den Luftwiderstand des Autos zu verringern und das Tempo zu erhöhen. Da die Piloten den Effekt mit dem Knie auslösen, berufen sich die protestierenden Rennställe darauf, dass es sich um ein verbotenes bewegliches Element der Aerodynamik handelt.
Die Fia lehnte den Einspruch ab. Sie erachtet die Erfindung nicht als bewegliches aerodynamisches Teil, weil man theoretisch den gewöhnlichen Luftansaugstutzen, der sich hinter dem Kopf des Piloten befindet, mit der Hand manipulieren könnte, ohne dass es sich um dabei ein aerodynamisches Teil handelte. Im Ergebnis bedeutet das: Sollte sich in Zukunft die Entwicklung McLarens als messbarer Vorteil erweisen, werden zumindest alle großen Teams ihre Autos entsprechend nachrüsten.
Gesichert bleiben die Erkenntnisse über das untere Ende des Leistungsspektrums. Ohne große Überraschung registrierten die Toprennställe, dass die Neulinge Virgin, Lotus und Hispania nicht konkurrenzfähig sind und für den Rest des Feldes wie Blockaden durch den Wüstensand rollen. Hispania gar konnte am Freitag allein den Neffen Ayrton Sennas, Bruno, losschicken – den Wagen des Inders Karun Chandhok schraubten die Mechaniker noch zusammen.Während Lotus seine Rückkehr in die Königsklasse unabhängig von Ergebnissen als „historischen Tag“ feierte, ist der Einsatz von Sennas Auto erst durch einen Kraftakt binnen drei Wochen ermöglicht worden. Allerdings wissen auch die renommierten Rennställe, dass sie sich mit Kritik zurückhalten müssen, wollen sie nicht alle potenziellen Neulinge für die Zukunft von Investitionen in die Formel 1 abschrecken. „Sechs Autos sind deutlich langsamer als der Rest“, sagte Vettel, „darunter drohen natürlich die anderen zu leiden.“
Kein Team weiß im Training vom anderen, wie viel Sprit dessen Fahrer jeweils mitführen. Erste wirkliche Vergleichsmöglichkeiten bieten sich am Samstagnachmittag beim Qualifying, wenn alle Fahrer mit geringsten Tankfüllungen starten. Die Auswirkungen des wechselnden Gewichts sind immens: 14 Liter werden auf etwa zehn Kilogramm Gewicht veranschlagt, was in Bahrain einen Zeitunterschied von 0,4 bis 0,5 Sekunden ausmacht. Im Training wählen die Teams ungefähr im Bereich zwischen 30 und 210 Litern ihre Befüllung aus.
Die neue kurvenreiche Passage der Strecke, die bei den Fahrern nicht unbedingt auf Begeisterung stößt, weil die acht Kurven sich nicht in den ursprünglichen Rhythmus der Strecke integrieren, sorgt dafür, dass die Zeiten nicht mit dem Vorjahr vergleichbar sind. 20 Sekunden war Rosberg als Trainingsschnellster am Freitag langsamer als Jarno Trulli, der vor einem Jahr die beste Rundenzeit im Rennen fuhr. Die Kurverei mache den Kurs „ein bisschen wie Monte Carlo“, nörgelte Renault-Fahrer Robert Kubica.Erschienen am 12.03.2010


Versicherungen
Gesundheitstests
Hotelsuche
Abo
Stadtplan
epaper
Archivsuche
Zeitung Heute
RSS
Newsticker
Video
TV-Programm
Events
Kino
Wetter
Gehaltsrechner
Börse
Branchenbuch
Kredit und Zinsen
Europa
Krankenkassen
Hilfe
Handelsregister
Leserbrief
Kontakt
Mobilportal
iPhone-/iPad-Apps
Heizölvergleich