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12.03.10

WM-Kolumne

Diego Maradona hat auch in Südafrika viele Fans

Auf einer Weinfarm am Kap, traf unser Kolumnist, selbst Hobby-Winzer, einen Erntearbeiter, der sich als glühender Fußball-Fan entpuppte. Er trug ein Trikot der südafrikanischen Nationalmannschaft und stellte sich als "Maradona" vor. Da war eine kleine Notlüge bei der Antwort auf den WM-Favoriten erlaubt.

© Reuters/REUTERS
Diego Maradona
Maradona besuchte im Januar die Selekelela Schule in Soweto

Seit Wochen ist es heiß im Weinland am Kap, richtig heiß. Um die Mittagszeit weist das Quecksilber im Thermometer leicht mal über 40 Grad im Schatten aus. In Paarl ("Perle" auf Afrikaans), einem der hübschen kleinen Städte in der Weinregion um Kapstadt, wurden 46 Grad gemessen. Da kochten die Rotweintrauben beinahe, selbst unter ihrem dichten Blätterdach jetzt im Spätsommer.

Trotzdem muss die Ernte weitergehen. Hier auf der Farm haben wir Glück. Jeden Tag um die Mittagszeit kommt ein Luftzug aus südlicher Richtung, der sich im Laufe des Nachmittags zu einem kräftigen Wind steigert. Das verhindert den auch bei Weintrauben gefürchteten Sonnenbrand, der schließlich zum Saftverlust durch Schrumpfen führt.

Kein Wunder, dass "Klimawandel" und "globale Erwärmung" auch im südlichen Afrika mittlerweile geflügelte Themen bei Farmerversammlungen sind. Wir sind allerdings bis Ende der Woche mit der Ernte fertig. Zurzeit werden die letzten Tonnen Merlot – eine delikate Rotweinrebe, die ursprünglich aus Frankreich kommt – in Plastikwannen auf Lastwagen verladen. Damit soll das Auslaufen des Safts verhindert werden. Trotzdem sind alle Straßen der Umgebung mit der süßen Brühe verklebt. Es ist Zeit für den ersten Herbstregen.

Die erstaunlichen Erntehelfer sind auch in diesem Jahr wieder Zeitarbeiter, von denen die meisten aus der östlichen Kap-Provinz kommen, aus einer Gegend die früher, gemäß dem Apartheid-Plan, unter dem Namen "Transkei" in die Unabhängigkeit entlassen wurde. Dieser Alptraum ist jetzt vorbei, doch an der Armut hat sich kaum etwas geändert. Kürzlich machte – die WM 2010 rückt für ganz Südafrika näher – der Bau eines pompösen Stadions in Mtata, der größten Stadt, Schlagzeilen. Keines von 32 Ländern, die teilnehmen, will dort auch nur trainieren.

Die Erntearbeiter parlieren in ihrer Heimatsprache "isiXhosa", einem Idiom mit vielen Klick- und Schnalzlauten. Das hört sich ganz schön lustig an, zumal der Redefluss zwischendurch immer wieder von herzhaftem Lachen unterbrochen wird. Gelegentlich ertönt aufgeregtes Schreien, wenn sich wieder mal eine Schlange im dichten Blätterwerk versteckt hatte.

Und während ich, der Weiße, der "Mlungu", amüsiert zuhöre, kommt plötzlich eine sonore Stimme aus dem Weinfeld, in ungewohntem, aber doch verständlichen Englisch: "Und wer wird Weltmeister bei unserer WM?"

Jetzt bin ich platt. Aus dem Blätterwerk taucht ein Kopf auf, mit tief in die Stirn gedrückter, dicker Wollmütze in Grün und Gold, wie das Trikot der Nationalmannschaft "Bafana Bafana". Im schweißglänzenden, pechschwarzen Gesicht leuchten die Augen und schneeweiße Zähne, der Mann grinst von einem Ohr zum anderen. Da hatte sich wohl herumgesprochen, dass ich Journalist und Fußball-Fan bin. "Ich bin Torwart" sagte er freudestrahlend. "Und wie heißt du?" fragte ich ihn, nachdem wir uns umständlich, auf afrikanische Art, mit dreifachem Händedruck, begrüßt hatten. "Maradona" erwiderte er ernsthaft.

Und ich machte ihm die Freude – entgegen meiner Überzeugung – und nannte seinen Favoriten als ernsthaften Anwärter auf die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Der brasilianische Nationaltrainer am Kap, Carlos Alberto Parreira, sieht das übrigens genauso.

Paul Schumacher hat über 20 Jahre als Korrespondent aus Afrika für den "Spiegel" berichtet. Er lebt heute auf seiner Weinfarm bei Kapstadt.

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