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Champions League

Die Bayern wissen immer noch nicht, wo sie stehen

Nach zuvor 18 Spielen ohne Niederlage konnte der FC Bayern mit der Pleite in Florenz, die den Einzug ins Viertelfinale der Champions League bescherte, gut leben. Doch auch nach diesen beiden Partien wissen die Münchner noch nicht, wo sie im Gesamtvergleich mit Europas Fußball-Elite stehen.

Es war natürlich Zufall, aber es passte ins Bild der Florenz-Reise. „Giardino d’Inverno“ – Wintergarten – hieß der Saal im noblen Grand Hotel unweit des Flusses Arno, den die Bayern-Oberen für ihr Bankett auserwählt hatten. In den drei Tagen, die die Münchner in Florenz weilten, herrschte tatsächlich winterliches Ambiente in der Toskana, Schneeregen etwa und Wind. Der blies so heftig, dass auch beim Mitternachtsdinner, das die Münchner nach Champions-Leaugue-Auswärtsspielen zu geben pflegen, allerorts über das Wetter diskutiert wurde.

Die Stimmung der Bayern-Gefolgschaft im „Giardino d’Inverno“ allerdings war keineswegs frostig. Es war eine Mischung aus Heiterkeit und Erleichterung. Zwar hatten die Münchner das Achtelfina-Rrückspiel beim AC Florenz 2:3 (0:1) verloren. Doch die Niederlage hinterließ einen süßen Geschmack; nach dem 2:1 aus dem Hinspiel genügte sie für das Weiterkommen.

„Wir haben zuvor 18 Spiele hintereinander nicht verloren. Ich glaube, das ist eine Niederlage, mit der der FC Bayern München leben kann“, sagte dann auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Wie sehr die Vereinsbosse den Moment auskosteten, zeigte sich weit nach Mitternacht. Das Dessert war bereits abgeräumt und die Spieler in ihre Zimmern entschwunden, da pafften Präsident Uli Hoeneß und Rummenigge genüsslich Zigarre, neben ihnen der Rotwein trinkende Trainer Louis van Gaal. Sie boten ein Bild von Zufriedenheit, aber weit abseits von überschwänglicher Euphorie. Dafür war der Verbleib im Wettbewerb während der 90 Minuten zu vakant gewesen.

Es war ein Spiel mit vielen kleinen Geschichten und mit einigen Gewinnern, wie zum Beispiel David Alaba. Der 17 Jahre alte Debütant beackerte die linke Seite derart routiniert, dass er reichlich Lob einheimste. „Einer der Besten auf dem Platz“, nannte ihn Torwart Jörg Butt.

Oder Münchens defensives Mittelfeld mit Mark van Bommel und Bastian Schweinsteiger, die ihre Aufgaben äußerst solide erledigten und mittlerweile vor allem eines können: in misslicher Lage wie nach dem zwischenzeitlichen 0:2 Verantwortung übernehmen.

Und natürlich Arjen Robben, neben Schweinsteiger der beste Bayern-Spieler. Franck Ribery stiehlt er immer mehr die Show. In Florenz jedenfalls war er der bessere der Weltstars und krönte seinen Auftritt mit einem exzellenten Torsolo, auch wenn Schweinsteiger hinterher frotzelte, ohne Rückenwind wäre der wohl nie ins Tor gegangen. Aber es war auch ein Abend mit Verlierern auf Seiten der Münchner, da der taktisch erneut clevere Gegner ihnen so zusetzte, dass vor allem in der Defensive immer wieder grob gepatzt wurde. „Wir haben zu viele Chancen zugelassen. Das darf uns im Viertelfinale nicht passieren“, mahnte der ebenfalls nicht fehlerfreie Verteidiger Philipp Lahm.

Dem 0:1 war ein deftiger Patzer von Torwart Butt vorausgegangen. Und bei allen drei Gegentoren war ausgerechnet Abwehrchef Daniel van Buyten einer der indisponierten Hauptakteure. „Wir mussten gegen zwei Sachen kämpfen: Florenz und den Wind“, sagte van Buyten. Und das klang dann doch ein wenig zu simpel für seinen desaströsen Auftritt, selbst für die stürmischen Umstände in Florenz.

„Individuelle Fehler“, nannte es van Gaal und verpackte die Gründe für die Niederlage recht charmant. Dass er mit dem Spiel der Seinen dennoch zufrieden sei, sagte er. Ob der Viertelfinal-Einzug einen Schub für die kommenden Aufgaben geben werde, wurde er am Tag danach gefragt. Er wisse es nicht, antwortete van Gaal: „Entscheidende Spiele müssen wir gewinnen, und das haben wir nicht gemacht. Ich bin noch nicht so überzeugt, dass das Weiterkommen uns ein bisschen Rückenwind gibt.“

Es ist die Quintessenz aus dem Achtelfinale: So genau wissen sie in München eben doch noch nicht, wo sie stehen im Gesamtvergleich mit Europas Fußball-Elite. So sah sich auch der Vorstand bemüßigt, Bescheidenheit zu demonstrieren. „Es ist wichtig, dass wir jetzt nicht anfangen zu träumen“, sagte Karl-Heinz Rummenigge, „wir tun gut daran, step by step zu denken.“ Der nächste Schritt heißt Viertelfinale.

Im Hinspiel wird Bastian Schweinsteiger wegen einer Gelb-Sperre fehlen, und für Mario Gomez, der einen Muskelfaserriss erlitt und mindestens drei Wochen pausieren muss, wird es auch knapp. Bitte nicht Chelsea und nicht Barcelona, lautete der einhellige Tenor der Bayern-Profis. In acht Tagen wissen sie, wer der kommende Gegner sein wird. Dann werden die Runden bis zum Endspiel ausgelost. Das letzte Mal überstanden sie ein Champions-League-Viertelfinale im Jahr 2001. Was dann geschah, ist Geschichte: Damals krönte sich der FC Bayern zum bestem Verein Europas.



Erschienen am 10.03.2010

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