Kolumne "Boxenfunk"
Mateschitz will unbedingt die Nummer eins sein
Unter Dietrich Mateschitz wurde die österreichische Marke Red Bull weltbekannt und Sebastian Vettel Vize-Weltmeister. Auch in dieser Saison will Europas König der Energie-Getränke mit seinen zwei Formel-1-Teams wieder Siege einfahren. Der Österreicher formuliert an sich und die Piloten höchste Ansprüche.
Von Peter Lauterbach
14. März: Großer Preis von Bahrain in Sakhir. Sieger: Fernando Alonso (Ferrari)
Laut "Forbes" ist er die Nummer 151 der Welt. Mit geschätzten 3,5 Milliarden Dollar Vermögen. Das wird ihn wurmen. Dietrich Mateschitz, Herr der roten Bullen, Europas König der Energie-Getränke und Besitzer zweier Formel-1-Teams ist es gewöhnt, die Nummer 1 zu sein. Die 150 vor ihm sollten sich warm anziehen.
1944 in der Steiermark geboren, entdeckte schon der junge Didi, wie sie ihn zuhause nannten, sein Talent fürs Marketing. Mit dem smarten Einschlag seiner kroatischen Vorfahren gesegnet, tingelte Mateschitz nach einem Studium für Welthandel in Wien für Marken wie Jacobs Kaffee und Blendax durch die Lande. Bis er bei einer Reise durch Thailand Chalerm Yoovidhya und dessen Rezept für die heute bekannteste, aus Österreich stammende Weltmarke kennen lernte: Red Bull.
Alles andere ist Legende. Er ist Alleinherrscher. An seiner Seite zu arbeiten, ist eine Ehre, dauert aber meistens nicht besonders lange. Mateschitz investiert einen großen Teil seines Gewinnes in Sponsoring-Aktivitäten. Extrem-Sport ist heute ohne ihn kaum mehr vorstellbar. Und auch die Formel 1 wäre ohne ihn ein ganzes Stück weniger bunt.
Wir hätten in den Anfangsjahren nicht die coolsten Partys erlebt, die die Formel 1 je gesehen hat, wir hätten auch unsere Gaumen nie an der Sterneküche im ersten Stock der unglaublich lässigen Hospitality im Fahrerlager erfreuen können. Wir hätten uns nie gewundert, als es mit der Party plötzlich vorbei war und die Seriosität Einzug hielt, bei den Bullen.
Adrian Newey wurde verpflichtet, der genialste Designer, den die Formel 1 hat, und Toro Rosso wurde zum Talent-Casting-Veranstalter unter der Führung von Gerhard Berger. Sebastian Vettel gewann sein erstes Rennen und durfte dann aufrücken, zu den Großen. Berger verließ die Formel 1, Mateschitz wollte verkaufen, beinahe hätte ein Deal mit Audi geklappt, ist dann aber schließlich doch gescheitert, angeblich, weil Mateschitz plötzlich maßlos wurde.
Für dieses Jahr hat Mateschitz von seinen Jockeys, allen voran Vettel, den Kampf um den Titel gefordert. Und es sieht nicht schlecht aus. Viele Experten halten Vettel für einen heißen Tipp. Dann wäre Mateschitz die Nummer 1. Aber das ist er ja gewohnt. Nur in Sachen Reichtum muss er noch ein bisschen was tun. Wer ihn kennt, der weiß, dass er das Thema allen Ernstes angehen wird.
Peter Lauterbach (33) reist seit zehn Jahren mit der Formel 1 um die Welt und ist Reporter beim Pay-TV-Sender Sky. Er betrachtet jeden Montag die Formel 1 bei Morgenpost Online.
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